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Der optimale Tarif: Wie viel Bandbreite brauchen Sie?

Je schneller der Internetanschluss, desto besser? Im Prinzip ja, doch nicht jeder braucht die maximal verfügbare Bandbreite wirklich. Unser Tarifratgeber erklärt anhand von Benutzerprofilen, welche Geschwindigkeit und Anschlussart sinnvoll sind und was sie kosten.

Der Dschungel der Internettarife ist kaum zu durchschauen. Dutzende Anbieter tummeln sich auf dem Markt, alle mit mehreren Geschwindigkeiten und Preismodellen im Programm. Unterschiede gibt es zudem bei der Ausstattung mit Webspace, Hardware, Software et cetera sowie nicht zuletzt bei der Technik: Hier stehen DSL, Kabel und LTE in Konkurrenz zueinander. Hinzu kommen ständig wechselnde Sonderangebote der Provider, etwa mit Rabatten für die ersten Monate, Gutschriften und Boni.

Im Prinzip ist dies eine positive Entwicklung, da sich jeder aus der Vielfalt der Tarife den für sich passenden heraussuchen kann. Doch natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Denn niemand möchte viel Geld für einen Anschluss ausgeben, der zwar hohe Geschwindigkeit und viel Komfort bietet, jedoch unter Umständen auch nicht benötigte Funktionen umfasst. PC-WELT erklärt deshalb in diesem Ratgeber, was Sie für wie viel Geld erwarten können.

Beginnend mit der Definition von drei beispielhaften Benutzerprofilen nennen wir einige ausgesuchte Tarife, die für den jeweiligen Typ infrage kommen, und die dazugehörigen monatlichen Kosten. Tagesaktuelle Preise und Angebote finden Sie in unserem Tarifrechner http://tarife.pcwelt.de/dsl . Danach geht’s in die Details, wo wir beschreiben, welche Ausstattung und Merkmale wichtig sind, welche Preise günstig sind und was es beim Vertragsabschluss zu beachten gilt. Der Kasten erläutert des Weiteren die empfohlene Bandbreite für Anwendungen wie Youtube, Netflix oder Fernsehen über das Internet (IPTV).

Siehe auch: DSL zum Kampfpreis: Flatrate für zehn Euro

Zum Surfen und für E-Mail ist die Bandbreite nicht so wichtig

Viele Nutzer benötigen das Internet überwiegend dazu, um per E-Mail erreichbar zu sein und ab und zu etwas im Web nachzuschauen. Hinzu kommt noch der Telefonanschluss mit Flatrate in das Festnetz. Solange keine Internetvideos angesehen und keine Streamingangebote genutzt werden sollen, ist die Bandbreite beinahe egal. Selbst wenn der Anschluss von mehreren Personen in einem Haushalt genutzt wird, genügen 6 oder 10 MBit/s über eine klassische DSL-Leitung durchaus.

Von den großen Providern bietet nur noch O2 einen 10-MBit-Tarif an . Er kostet die ersten Monate rund 10 Euro, anschließend steigt der Preis auf 25 Euro. Ab einem Übertragungsvolumen von 100 GB pro Monat sinkt die Geschwindigkeit für den Rest des Monats jedoch auf 2 MBit/s. Zum Vergleich: 2017 lag die durchschnittliche monatliche Datenmenge deutscher Haushalte bei knapp 80 GB.

Bei der Konkurrenz hingegen liegt die niedrigste verfügbare Bandbreite in der Regel bei 16 MBit/s. Das gilt auch für die meisten ländlichen Regionen, selbst wenn es dort noch immer ärgerlich viele weiße Flecken gibt. Bei 1&1 kostet so ein Anschluss aktuell im ersten Jahr rund 15 Euro , in der Folge steigt der Preis auf 30 Euro. Bei der Telekom gibt es das gleiche Angebot im ersten halben Jahr für rund 20 Euro, danach zahlen Sie dauerhaft 35 Euro. Vodafone bietet einen entsprechenden Anschluss sogar mit 32 MBit/s übers Fernsehkabel an. Dieser ist in den ersten sechs Monaten kostenlos, danach kommt er auf etwa 20 Euro im Monat.

Wie viel Bandbreite benötigen Sie?

Die folgende Tabelle zeigt die benötigte und empfohlene Bandbreite für unterschiedliche Internetdienste und -nutzungen. Sämtliche Angaben gelten für eine Person, bei Mehrfach- und Parallelnutzung erhöht sich die benötigte Bandbreite entsprechend.

Anwendungsbereich

Empfehlung

Surfen im Web

mind. 2 MBit/s, empfohlen 10 MBit/s

Telefonie (Voice over IP)

mind. 100 KBit/s, empfohlen 150 KBit/s

Große Downloads > 30 GB

mind. 16 MBit/s, empfohlen 50 MBit/s

Spotify

"96 KBit/s (normale Qualität), 160 KBit/s (hohe Qualität), 320 KBit/s (extreme Qualität)"

Youtube

"0,7 MBit/s (SD 360p), 1,1 MBit/s (SD 480p), 2,5 MBit/s (HD 720p), 5 MBit/s (HD 1080p), 20 MBit/s (4K)"

Netflix

"mind. 0,5 MBit/s, empfohlen 3 MBit/s (Standardauflösung), 5 MBit/s (HD-Auflösung), 25 MBit/s (Ultra-HD)"

Amazon Prime Video

900 KBit/s (Standard), 3,5 MBit/s (HD-Auflösung)

IPTV

mind. 12 MBit/s, empfohlen 50 MBit/s

Anspruchsvolle Privatnutzer und Poweruser mit Komfortanspruch

Im Unterschied zu den Gelegenheitsbenutzern greifen anspruchsvolle Privatnutzer jeden Tag aufs Internet zu, schauen (hochauflösende) Videos von Youtube & Co. an, streamen Musik und laden regelmäßig große Softwarepakete herunter. In zahlreichen Haushalten nutzen überdies mehrere Personen ihre Rechner, Smartphones und Tablets parallel. 16 MBit/s sind in diesem Fall das Minimum, besser ist hier allerdings ein 25-MBit-Anschluss.

Der Tarifrechner der PC-WELT berücksichtigt bei der Berechnung der Preise auf Wunsch auch Rabatte und Sonderaktionen.
Vergrößern Der Tarifrechner der PC-WELT berücksichtigt bei der Berechnung der Preise auf Wunsch auch Rabatte und Sonderaktionen.

Doch auch diese letztgenannte Geschwindigkeit ist nur noch selten erhältlich. O2 bietet 25 MBit/s für rund zehn Euro in den ersten zwölf Monaten an (der erste Monat ist sogar kostenlos), anschließend steigt der Monatspreis auf etwa 25 Euro. Unter Umständen gibt es bei Ihnen regionale Provider wie beispielsweise M-Net im Raum München: Für einen 25-MBit-Anschluss fallen hier zunächst einmal rund 20 Euro pro Monat an, nach einem halben Jahr steigt der Preis dann dauerhaft auf etwa 30 Euro. Wer seine Backups bei Clouddiensten ablegt und deshalb auf schnelle Upload-Raten achtet, gleichzeitig Streamingangebote in HD oder sogar in 4K-Auflösung nutzt, eventuell sogar parallel auf mehreren Fernsehern, während im ganzen Haus Endgeräte per WLAN aufs Internet zugreifen, der sollte sich einen 100-MBit-Anschluss zulegen. Damit hat man die Gewissheit, dass – ein leistungsfähiges WLAN oder eine LAN-Verkabelung vorausgesetzt – nirgendwo etwas ruckelt oder Verbindungen abbrechen.

LTE statt DSL-Router: Das bietet die neue Technik

100 MBit bekommen Sie beispielsweise bei GMX/Web.de für rund 27 Euro während der ersten 24 Monate, im Anschluss daran zahlen Sie 35 Euro. Die Telekom verlangt sechs Monate lang rund 20 Euro, wonach sich die Monatsgebühr auf rund 45 Euro erhöht.

Kalkulieren Sie bei Ihrer Wahl die Bandbreite nicht zu knapp. Denn zum einen benötigt Streaming immer mehr Bandbreite, zum Beispiel weil die Zahl der 4K-Streams bei Netflix & Co. stetig zunimmt. Bedenken Sie außerdem, dass das Volumen der Downloads – etwa von Office 365 und anderer Software – beständig wächst. Zum anderen sind die Preisunterschiede zwischen den schnellen Leitungen oft nur gering: Bei der Telekom etwa bekommen Sie 50 MBit dauerhaft für 40 Euro, für 100 MBit bezahlen Sie 45 Euro. Für nur fünf Euro mehr bekommen Sie also 100 Prozent mehr Bandbreite. Bei den anderen Providern sehen die Preisunterschiede ähnlich aus.

Rabatte und Einrichtungsgebühren, Tipps zum Providerwechsel

Die Standardpreise für die 16-, 50- und 100-MBit-Variante unterscheiden sich bei der Deutschen Telekom auf Dauer gerade einmal um fünf bis zehn Euro.
Vergrößern Die Standardpreise für die 16-, 50- und 100-MBit-Variante unterscheiden sich bei der Deutschen Telekom auf Dauer gerade einmal um fünf bis zehn Euro.

Was das Tarifgeflecht derart kompliziert macht, sind die Zusatzgebühren und Rabatte, die bei beinahe jedem Angebot hinzukommen beziehungsweise unter bestimmten Voraussetzungen abgezogen werden. So verlangt nahezu jeder Provider eine Einrichtungs- oder auch eine Technikergebühr für Neuanschlüsse, manche Firmen sogar beides. Die Preise reichen dabei von 10 bis hin zu stolzen 70 Euro bei der Telekom. Allerdings bieten Provider wie etwa Telefónica immer mal wieder Aktionen an, bei denen den Kunden diese Gebühren erlassen werden. Andere Anbieter wie zum Beispiel Primacall oder 1&1 reduzieren stattdessen einige Monate die Grundgebühr. Die Telekom, Telefónica und Vodafone bieten auch Rabatte für junge Leute, bei Telefónica bis zum Alter von 25 Jahren, bei der Deutschen Telekom und bei Vodafone bis zu 27 Jahren. Weil Kunden seit Mitte 2016 das Recht zur Benutzung ihres eigenen Routers haben und die Provider aus diesem Grund kaum noch kostenfreie Geräte verteilen, gibt es einen Grund weniger, dauerhaft beim selben Provider zu bleiben. Die zeitaufwendige Einrichtung des Routers mit dem Import des persönlichen Telefonbuchs, der Konfiguration der verschiedenen Benutzer, der Freigabe des internen Speichers und so weiter nach dem Wechsel zu einem neuen Provider und dem von ihm zugeschickten Gerät entfällt. Stattdessen müssen nur die Zugangsdaten geändert werden, was in der Regel in wenigen Minuten erledigt ist.

Für einen Providerwechsel spricht ferner, dass Sie auf diese Weise von den genannten Rabattaktionen profitieren. Denn Angebote wie etwa der Erlass der Grundgebühr sind stets zeitlich beschränkt und nur für Neukunden gültig, die einen Zwei-Jahres-Vertrag abschließen. Wenn Sie rechtzeitig zum Ende dieser Frist kündigen respektive einen neuen Provider beauftragen, so können Sie im Anschluss daran von Neuem ein aktuelles Sonderangebot nutzen. Der Providerwechsel funktioniert heutzutage übrigens meist ziemlich reibungslos, allerdings gibt es leider auch immer noch Ausnahmen von dieser Regel.

Die Anschlussarten im Vergleich

Vielfach haben Sie insbesondere in größeren Städten die Auswahl unter verschiedenen Typen von Internetanschlüssen, zwischen (V)DSL, TV-Kabel, LTE per Funk und ultraschneller Glasfaser. Wir nennen ihre Vor- und Nachteile.

VDSL: Die „Very High Speed Digital Subscriber Line“ löst seit 2006 die DSL-Anschlüsse ab und ermöglicht Download-Raten bis zu 50 MBit/s. Mittlerweile setzt vor allem die Telekom auf das weiterentwickelte VDSL2-Vectoring, das bis zu 100 MBit/s unterstützt. Weil VDSL die bestehende Verkabelung nutzt, muss nichts ausgetauscht werden, was für die Anbieter einen großen Kostenvorteil bedeutet. Für den Kunden hat VDSL den Vorteil, dass er bei Verfügbarkeit meistens unter mehreren Anbietern auswählen kann.

TV-Kabel: Mit dem Kabelanschluss ist die Internetverbindung über Kabelfernsehanbieter gemeint. Sie werben mit Download-Raten von 400 MBit/s und mehr, günstigen Preisen und Angeboten inklusive Telefonie-Flatrates. Vor allem aufgrund der preiswerten Tarife sind diese Angebote einen Blick wert. Die angegebenen, hohen Übertragungsgeschwindigkeiten werden jedoch nur selten erreicht: Denn TV-Kabel sind ein Shared-Medium, mehrere Kunden teilen sich also einen Anschluss und damit auch die Bandbreite. Das führt insbesondere in den Abendstunden zur Verlangsamung.

Glasfaser: Glasfaserleitungen sind das am besten für die Zukunft gerüstete Übertragungsmedium. Die theoretisch möglichen Download-Raten sind aktuell noch nicht einmal annähernd ausgeschöpft, Grenzen setzt derzeit vor allem die Technik an den Ein- und Ausgängen der Kabel. Allerdings müssen die Glasfaserbündel in den meisten Gebieten nachträglich verlegt werden. Das macht die Technik teuer und beschränkt die Verfügbarkeit fast ausschließlich auf die Ballungsräume.

Mit dem Gigacube-Router von Vodafone können Sie das mobile LTE-Netz nutzen.
Vergrößern Mit dem Gigacube-Router von Vodafone können Sie das mobile LTE-Netz nutzen.
© Vodafone

LTE: Wenn weder schnelles DSL noch Kabelinternet verfügbar sind, kann man in vielen Gebieten auf die Mobilfunktechnik LTE zurückgreifen. Vodafone, Congstar, O2 und die Telekom mit ihren Hybrid-Modellen bieten spezielle Datentarife für stationäres Internet per LTE an. Dazu vertreiben sie LTE-Router für zu Hause, die Verbindung zu den Endgeräten erfolgt per WLAN oder Ethernet-Kabel. Genau wie beim Kabelanschluss teilen sich jedoch alle LTE-Nutzer die Bandbreite einer Mobilfunkzelle, statt der beworbenen 200 MBit/s sind zumeist 40 bis 50 MBit/s realistisch.

Zusatzfunktionen: Cloudspeicher, Homepage, mehrere Rufnummern

Bei zahlreichen Providern bekommen Sie in Verbindung mit einem Internetanschluss gleich kostenlosen Onlinespeicher mit dazu. Wenn Sie also etwa bei 1&1 einen Router abonnieren, haben Sie je nach Modell Zugriff auf 50, 75 oder 100 GB Speicherplatz in der Cloud. Oder Sie können wie bei der Telekom gratis eine eigene Homepage ins Netz stellen. Für die Gestaltung stellen die Anbieter oft auch gleich ein Baukastentool bereit. Nachsehen sollten Sie übrigens auch, ob ein Provider seinen Kunden noch IPv4-Adressen anbietet, weil dies den Aufbau von VPN-Verbindungen erleichtert.

Eine einzelne Faser eines solchen Glasfaserkabels besitzt die gleiche Kapazität wie 40 Telefonkabel mit jeweils 1000 Leitungspaaren für den Festnetzausbau.
Vergrößern Eine einzelne Faser eines solchen Glasfaserkabels besitzt die gleiche Kapazität wie 40 Telefonkabel mit jeweils 1000 Leitungspaaren für den Festnetzausbau.
© Foto: © commons.wikimedia.org

Die Mehrheit der Kunden bestellt einen Internetanschluss gleich in Verbindung mit einem Telefonanschluss. Hierbei bestehen deutliche Unterschiede beim Komfort und bei der Ausstattung. Eine Flatrate ins deutsche Festnetz ist fast immer mit dabei, doch mehrere Rufnummern für die Familie oder für private und Bürogespräche bieten manche Provider nur gegen Aufpreis. Informieren Sie sich auch über das Service-Angebot auf der Homepage des Providers. Bei einigen Firmen können Sie eine Rufumleitung einrichten, die Anzahl der Zugriffe auf Ihre Homepage festhalten und weitere Services wie eine eigene Domain bestellen.

Kaum noch kostenlose Router

Die Zeiten, in denen man bei nahezu jedem Provider bei Vertragsabschluss eine Fritzbox oder einen Speedport-Router in die Wohnung gestellt bekam, sind seit der Aufhebung des Routerzwangs weitgehend vorbei. Laut einer Umfrage des Verbundes der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) bevorzugt etwa die Hälfte der Anwender eigene Geräte am Internetanschluss. Zwar kann man bei den vielen Providern immer auch noch eine Fritzbox bestellen, doch in den meisten Fällen wird dafür eine Zusatzgebühr von drei bis fünf Euro pro Monat fällig. Einige Anbieter verkaufen die Geräte allerdings auch zu einem reduzierten Preis.

Die populären Fritzbox-Router von AVM gab es früher bei vielen Providern als kostenlose Beigabe.
Vergrößern Die populären Fritzbox-Router von AVM gab es früher bei vielen Providern als kostenlose Beigabe.
© AVM

Eine kostenlose Fritzbox 7430 erhält man hingegen weiterhin bei einigen Vodafone-Tarifen sowie bei M-net. Zudem stellen auch einige Kabelanbieter kostenlose Router zur Verfügung, die allerdings in der Regel nicht von AVM stammen.

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