2420331

Illegales Tuning bei E-Bikes/Pedelecs: Riesen-Ärger droht

04.04.2019 | 14:08 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die E-Bike-Branche fürchtet das Tuning. Wer sein Pedelec illegal leistungssteigert, gefährdet nicht nur andere und sich selbst. Sondern das Tuning könnte zu einer Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen führen: Versicherungspflicht, Helmpflicht, Radwegeverbot.

Bosch, ein wichtiger Lieferant von Elektromotoren für E-Bikes, ist sauer auf E-Bike-Tuner. Denn Bosch fürchtet, dass illegales Tuning den Ruf der E-Bikes ruiniert. Das berichtet Spiegel Online.

Pedelecs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h sind nicht zulassungspflichtig. Außerdem müssen die Fahrer keinen Helm tragen und keine Versicherung abschließen und sie benötigen auch keinen Führerschein. Das macht solche Pedelecs attraktiv für Käufer.

Tuning ist einfach:  Doch viele Käufer eines solchen vergleichsweise langsamen Pedelecs packt dann der Geschwindigkeitsrausch. Sie tunen ihren Elektro-Drahtesel illegal; zumindest theoretisch sind für kurze Zeit bis zu 75 km/h mit Tuning möglich (im Dauerbetrieb verkraftet der Pedelec-Motor so eine Geschwindigkeit jedoch sicherlich nicht), falls der Fahrer ausreichend kräftig in die Pedale treten kann.

Aus technischer Sicht ist das kein Problem, weil die dafür erforderlichen Bauteile mit der nötigen Software für wenig Geld im Internet erhältlich und leicht zu montieren sind. Ähnlich wie beim Chip-Tuning bei Autos werden auch die Pedelecs über Software-Maßnahmen frisiert, mitunter kommen auch einfach nur Smartphone-Apps zum Einsatz. Die Polizei wiederum tut sich schwer damit, derart getunte Pedelecs in der Großstadt ohne Probefahrt zu erkennen. Deshalb existieren auch keine verifizierbaren Statistiken dazu, wie viele Pedelecs oder E-Bikes tatsächlich illegal leistungsgesteigert sind. Der Bayerische Rundfunk hält es aber für möglich, dass jedes dritte Elektro-Fahrrad getunt ist.

Marktüberblick E-Bikes: Die besten City- und Trekkingräder

Imageschaden und rechtliche Maßnahmen befürchtet: Bosch und andere Unternehmen der E-Bike-Szene fürchten, dass der Wildwuchs beim Pedelec-Tuning zu einem Imageschaden und zu gesetzlichen Sanktionen führten könnte, die alle Pedelec-Fahrer betreffen würden: So könnte auch für Pedelecs bis 25 km/h eine Betriebserlaubnispflicht samt Versicherungspflicht eingeführt werden und die Pedelecs dürften dann nicht mehr auf Radwegen fahren (was sie derzeit dürfen).

Unfallgefahr steigt: Beim Pedelec sind Lenker, Rahmen und Bremsen für derart hohe Geschwindigkeiten nicht ausgelegt. Es drohen Unfälle infolge von Materialermüdung oder Bremsenversagen. Und natürlich ist bei derart schnellen Rädern das generelle Unfallrisiko erhöht und die Folgen eines Sturzes sind mit höheren Geschwindigkeiten schlimmer als mit niedrigem Tempo. Tatsächlich sind die Unfallzahlen bereits spürbar gestiegen. Zudem verlieren die Besitzer alle Garantieansprüche, wenn sie ihre Pedelecs frisieren.

Es gibt aber auch schon technische Gegenmaßnahmen, wie Spiegel online schreibt. So können Händler mit Diagnosegeräten prüfen, ob ein E-Bike mit Bosch-Antrieb getunt ist. Ab Mai 2019 müssen E-Bike-Hersteller außerdem eine Tuning-Erkennung in ihre neuen Räder einbauen. Sie soll die Software des E-Bikes vor Tuning schützen und wichtige Bauteile werden zudem verplombt. Ob das allerdings Tuning-Tüftler stoppen kann, darf bezweifelt werden.

Begriffs-Definition: Pedelec, S-Pedelec, E-Bike

Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) darf mit seinem maximal 250 Watt Dauerleistung starken Motor maximal 25 km/h fahren und ist rechtlich ein Fahrrad. Dementsprechend darf es auf Radwegen fahren; es gibt kein Mindestalter für den Fahrer. Bei Erreichen von 25 km/h schaltet sich der E-Motor ab. Dafür braucht man weder Kennzeichen, noch Führerschein, noch eine Haftpflichtversicherung und man muss auch keinen Helm tragen (was aber trotzdem dringend zu empfehlen ist). Das Pedelec bewegt sich nur, wenn der Fahrer auch in die Pedale tritt, der Elektro-Motor dient also nur zur Unterstützung. Pedelecs machen den Löwenanteil unter den Fahrrädern mit Elektro-Motor-Unterstützung aus.

S-Pedelecs (ab 25 km/h) dürfen bis 45 km/h schnell fahren und müssen haftpflichtversichert werden (am S-Pedelec muss sich ein Versicherungskennzeichen befinden). Der mindestens 15 Jahre alte Fahrer braucht außerdem eine Fahrerlaubnis (Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M oder PKW-Führerschein) und muss einen Helm tragen. Ein S-Pedelec ist rechtlich ein Kleinkraftrad/Mofa, man braucht dafür eine Betriebserlaubnis. Auch beim S-Pedelec dient der E-Motor (maximale Dauerleistung 500 Watt) nur zur Unterstützung der Muskelkraft. Mit dem S-Pedelec darf man nicht auf Radwegen fahren.

E-Bikes fahren dagegen auf Knopfdruck auch völlig ohne Krafteinsatz des Fahrers, so lange der Strom im Akku für den maximal 500 Watt starken Elektro-Motor reicht. E-Bikes sind ab 6 km/h zulassungspflichtig, sie dürfen maximal 20 km/h schnell fahren. Ansonsten gelten die Vorgaben für ein S-Pedelec: Mofa-Führerschein, Betriebserlaubnis, Versicherungskennzeichen. Radwege darf man mit einem E-Bike nur befahren, wenn diese für Mofas freigegeben sind. Aber: Keine Helmpflicht!

E-Bikes bis 45 km/h: Zusätzlich gelten ein Mindestalter von 15 Jahren und Helmpflicht.

E-Autos & E-Bikes: So steigern Sie die Reichweite im Winter

E-Bikes: Die besten City- und Trekkingräder

Tipps von Bosch: So kommt der E-Bike-Akku gut durch den Winter



PC-WELT Marktplatz

2420331