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Ice Lake: Intels erste CPUs der 10. Generation mit starker Grafikleistung

02.08.2019 | 13:39 Uhr |

Intel hat seine ersten Ice-Lake-CPUs vorgestellt. Mit einem sehr starken integrierten Grafikchip, der in Ultrabooks an die Leistung von diskreten Grafikchips heranreichen soll. Plus: Neuer Fertigungsprozess, neue Architektur und eine neue Grafikengine kombiniert mit „neuen“ Techniken in den Bereichen Kommunikation und I/O.

Intel hat seine ersten Prozessoren der 10. Generation (Codename: Ice Lake) vorgestellt. Wir fassen die wichtigsten Informationen zusammen: Elf neue Prozessoren, die meisten sind Quad-Cores mit acht Threads und einer TDP von 9 Watt, 15 Watt oder 28 Watt. Die Standardtaktraten reichen von 700 MHz bis hin zu 2,3 GHz, bei einem maximalen Turbotakt von 4,1 GHz. Die Taktrate des integrierten Grafikchips liegt immer um die 1 GHz Markt mit 32, 48 oder 64 EUs und steigender Performance. Wir haben bereits erste Vergleichswerte über die Grafikleistung.

Basisspezifiktationen von Intel ice Lake
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© Intel

Nomenklatur

Da die alte 14nm-Architektur weiterhin auf dem Markt erhältlich ist, ist es gar nicht so einfach sich in den Produktbezeichnungen zurechtzufinden. Intel führt mit der 10ten Generation nämlich eine neue Nomenklatur ein. Es gibt nach wie vor Core i3-, i5- und i7-Prozessoren, um die Leistungslevel abzugrenzen. Die nachfolgende Zeichenfolge beginnt mit einer 10, zur Verdeutlichung der 10ten Generation. Die bisherige Bezeichnung der U- und Y-Serie entfallen, welche das TDP-Level angegeben haben. Hierfür steht jetzt die vierte Zahl: „5“ steht für die bisherige U-Serie und "0“ für die bisherige Y-Serie. Das Grafiklevel ist mit den Bezeichnungen G1, G4 und G7 von Entry bis High-End angegeben. G4 und G7 stehen für die neuen Grafikchips der Iris-Plus-Generation.

Nomenklatur von Ice Lake im Detail
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© IDG

Das Lineup im Detail

Alle neuen Ice-Lake-Prozessoren setzen auf Wi-Fi 6 und Thunderbolt 3 Unterstützung. Es können bis zu vier Thunderbolt-Anschlüsse verbaut sein, jeweils zwei auf jeder Seite des Geräts. Die Intel Grafikchips der 11ten Generation sind in drei Leistungsgruppen nach der Anzahl der verbauten EUs (32, 48 oder 64) eingeteilt. EUs sind Intels programmierbare Shadereinheiten für 3D-Renderingen, Computing-Aufgaben oder Medienfunktionen. Das Performancelevel der Grafikchips unterscheidet sich also in erster Linie durch die Anzahl der verbauten EUs und weniger durch die Taktrate der GPU.

Ausführliche Spezifikationen zu Ice Lake
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© Intel

Die Prozessoren der Y-Serie (mit 0 im Namen) dürfen sich nominal bis zu 9 Watt genehmigen, wobei es einen Spielraum bis hin zu 12 Watt gibt. Die U-Serie (5 im Namen) darf normalerweise 15 Watt verbrauchen, Höchstgrenze ist hier 25 Watt. Einzige Ausnahme ist der i7-1068G7 mit einer TDP von 28 Watt. Der Level-3_Cachte bestimmt sich nach wie vor durch das Prozessorlevel: i3 = 4MB, i5 = 6MB und i7 = 8MB. Laut einem Vertreter von Intel umfassen diese elf Prozessoren das gesamte Ice Lake Lineup, welches dieses Jahr auf den Markt kommen soll.

Auch wenn wir nicht wissen, wie viel die Gerätehersteller für die einzelnen CPUs zahlen müssen, haben wir dennoch erste Zahlen über die Preise von Intel bekommen:

  • Core i7-1065G7: $426

  • Core i5-1035G7: $320

  • Core i5-1035G4: $309

  • Core i5-1035G1: $297

  • Core i3-1005G1: $281

Als Vergleichswert: Die Prozessoren der 8ten Generation Whiskey-Lake kosteten zur Einführung $409 für den i7-8565U und $297 für den i5-8265U.

Unterschiede zu Whiskey Lake und Amber Lake

Auffälligste Änderung ist der gestiegene TDP-Wert der low-power Y-Serie von 5 Watt bei Amber Lake auf bis zu 9 Watt bei Ice Lake. Es mag daran liegen, dass es nur sehr wenige Geräte gab, die auf Amber Lake Y-Serie CPUs gesetzt haben und man mit dem gestiegenen Performance-Level mehr Endkunden ansprechen will. Die Standardtaktraten fallen im Gegensatz zum Vorgänger Whiskey Lake bei der 10ten Generation niedriger aus, der Boosttakt ist dafür deutlich höher. Das bedeutet der Leistungszuwachs hängt in erster Linie davon ab, wie lange die CPU den Boosttakt halten kann, und damit direkt von der Kühlleistung des Geräts. Mit den neuen Prozessoren erhöht sich die Zahl der unterstützen Thunderbolt-Anschlüsse von zwei auf vier und die Übertragungsrate des WLANs erhöht sich durch das Wi-FI 6 Modul. Auch die Ansteuerung von externen Monitoren hat sich verbessert, es bestehen die Möglichkeiten zum Anschkuss für entweder drei Monitore mit 4K und 120 Hz, zwei Monitore mit 5K und 60 Hz oder ein 8K-Monitor bei 30 Hz.

Performance

Intel hat unseren Kollegen von PC-WORLD für diesen Test ein Software Developer System (SDS) bereitgestellt. Verbaut sind eine 256GB SSD Intel 7600P, 8 Gb LPDDR4X/3733 RAM im Dual-Chanel-Betrieb und ein Core i7-1065G7, der sich sowohl im 15-Watt als auch im 25-Watt-Modus betreiben lässt. Der Prozessor verfügt über vier Rechenkerne mit Hyper-Threading, einen Basistakt von 1,3 GHz und einen maximalen Boosttakt von 3,9 GHz. Die Grafikeinheit taktet mit 1,1 GHz und verfügt über 64 EUs. Der L3-Cache beläuft sich auf 8MB. Als Kühlung ist im Testmodell eine simple Single-Heat-Pipe-Lösung mit zwei Lüftern verbaut. Das Testmodell wird mit einem Dell XPS 13 9380 und einem HP Spectre x360 13 – beide mit einem i7-8565U – verglichen.

Kühllösung des Software Developer System
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© IDG

Rendering

Im Cinebench R15 Multi-Core Benchmark rechnet der Core i7-1065G7 circa sechs Prozent schneller als der i7-8565U im Dell XPS 13 9380 und satte 24 Prozent schneller als der i7-8565U im HP Spectre x360 13. Hier sieht man sehr gut, wie stark die Performance von der Kühlleistung abhängt. Im Cinebench R20 Multi Core fällt die Rechenleistung im Vergleich zum Dell-Gerät um fünf Prozent langsamer aus, hat das HP Spectre aber um 41 Prozent geschlagen. Hier schafft es der i7-1065G7 mit 15W TDP auch den i7-8565U im HP Spectre mit acht Prozent Mehrleistung zu überholen. Bei der Single-Threaded-Performance liegen das Testgerät mit 15 W TDP (184 Punkte), mit 25 W TDP (181 Punkte) und das Dell XPS 13 8380 (183 Punkte) quasi gleich auf.

Cinebench R15 Testwerte
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Geekbench

Einer der größten Vorteile der Ice Lake Generation ist die deutlich erhöhte Bandbreite des Arbeitsspeichers. So steigen die Taktraten von 2133 MHz bei LPDDR3 auf 3733 MHz bei LPDDR4X. Im Geekbench erreichen wir dadurch ein Performanceplus von 34 Prozent. Von einem schnelleren Arbeitsspeicher profitiert in erster Linie auch die integrierte Grafikeinheit, weil diese über keinen eignen Grafikspeicher verfügt, sondern auf den Arbeitsspeicher zurückgreift.

Geekbench Testwerte
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Gaming-Performance

Intel kündigte an die Spieleperformance mit den Gen-11-Grafikchips deutlich zu erhöhen. Wir testen die Performance nicht nur in synthetischen Benchmarks wie 3DMark, sondern auch in zwei Spielen und vergleichen die Ergebnisse mit der Vorgängergeneration und den dedizierten Grafikchips von Nividia in Form der MX150 mit 10 Watt respektive 25 Watt TDP.

Die Ice Lake GPU ist im Schnitt 75 Prozent schneller als das Dell XPS 13 9380. Viel bemerkenswerter ist der Vergleich mit der MX 150 im Huawei-Matebook. Die Intel Iris Plus GPU liegt mit der MX 150 (10 Watt) quasi gleichauf. Auch wenn die 25-Watt-Variante der MX150 noch davonzieht, ist das schon eine wirklich beachtliche Leistung. Die Werte fallen in den beiden Tests 3DMark Sky Diver und 3DMark Time Spy nahezu identisch aus. Damit greift Intel nicht nur Nvidia im Bereich der Low-Budget-Gamer an, sondern kommt auch Qualcomm zuvor, die auf der Computex den Snapdragon 8cx vorgestellt haben. Die Intel Iris Pro rechnet nämlich um die 45 Prozent schneller als die GPU von Qualcomm.

3DMark Sky Diver Testwerte
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Um die tatsächliche Spieleleistung zu demonstrieren, gibt es jetzt noch zwei Spieletests mit World of Tanks Encore und Counter Strike: Global Offensive. Die Ergebnisse fallen hier ähnlich aus wie in den synthetischen Benchmarks im Vergleich zur Vorgängergeneration. Nvidias MX150 haben hier allerdings noch einen Performancevorteil zu verbuchen. Dennoch ist es beachtlich, dass der i7-1065G7 bei 25W TDP in CS:GO bei 720P und hohen Einstellungen satte 64 Fps auf den Bildschirm bekommt.

CS:GO Testwerte
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Fazit

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass es sich bei den Testergebnissen, um ein Vorserienmodell handelt und die Leistung hier sehr stark vom Gesamtpaket, speziell der Kühlung abhängt. Das heißt: für eine wirkliche Performance-Analyse müssen wir uns noch gedulden, bis die ersten Herstellerprodukte auf dem Markt erhältlich sind.

Das Hauptaugenmerk von Intel lag bei der 10. Generation auf Verbesserungen in den Bereichen Kodierung, AI und Deep Lerning. In diesen Bereichen sind die Ice-Lake-CPUs tatsächlich ein gewaltiger Schritt nach vorne. In Applikationen, die auf diese Bereiche verzichten, sind die neuen Prozessoren nur marginal schneller als ihre Vorgänger in der Rechenleistung.

Im Grafikbereich sieht es wiederum ganz anders aus. Die integrierte Grafikeinheit ist enorm performant und das Hauptargument zum Kauf einer neuen CPU der 10. Generation. Hier liefert Intel voll und ganz das ab, was im Vorfeld versprochen wurde.
 
Diesem Artikel als Grundlage dienten zwei Artikel der Kollegen Mark Hachman und Gordon Mah Ung von PC-World. Dort erhalten Sie mehr Informationen über die Vorstellung und den Preview der Ice Lake Prozessoren.
 

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