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Hochwasser-Katastrophe: So kämpfen Telekom, Vodafone & O2

19.07.2021 | 11:26 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Telekom, Vodafone reparieren mit Hochdruck vom Hochwasser zerstörte Mobilfunkstationen und Verteilerkästen. Mobile Stationen springen in die Bresche. Für Katastrophenopfer gibt es Extra-Datenvolumen. Die aktuelle Lage.

Die Hochwasser-Katastrophe im Westen der Bundesrepublik hat auch die Mobilfunk- und Festnetz-Infrastruktur erheblich beschädigt. Doch gerade in Notzeiten sind funktionierende Handynetze besonders wichtig. So stellt sich die Lage für die Mobilfunknetze von Deutscher Telekom, Vodafone und O2 aktuell dar.

Deutsche Telekom

Mobilfunk: Durch Unwetter und Hochwasser wurde das Netz der Deutschen Telekom stark beschädigt. Insgesamt waren etwa 130 Standorte in den Krisenregionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgefallen. Mittlerweile soll aber wieder mehr als die Hälfte der ausgefallenen Mobilfunkstandorte der Telekom am Netz sein. In vielen Orten sei so eine Grundversorgung mit Mobilfunk wieder gewährleistet. Höhere Kapazitäten würden sukzessive folgen.

Die Technikteams würden mit Hochdruck daran arbeiten, auch die aktuell noch nicht wieder angebundenen Gebiete anzuschließen. Idealerweise versuchen die Techniker die bestehende Infrastruktur an den vorhandenen Standorten und Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Doch an einigen Standorten habe das Hochwasser die vorhandene Infrastruktur derart völlig zerstört, dass die Telekom mobile Stationen und Richtfunkanbindungen einsetzen müsse, um den Mobilfunk wieder in Betrieb nehmen zu können.

Als Hauptprobleme nennt die Telekom die fehlende Stromversorgung und die Erreichbarkeit der Standorte.

Festnetz: Für das Festnetz könne die Telekom die Schadenslage noch nicht genau beziffern. Die Wasser- und Geröllmassen hätten laut Telekom in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz große Schäden an den Glasfaser- und Kupferkabeln verursacht. Aktuell würden die Telekomtechniker die Vermittlungsstellen wieder funktionstüchtig machen. So konnte am Wochenende der zentrale Knotenpunkt in Gerolstein wieder ans Netz gebracht werden. An dieser Vermittlungsstelle hängen rund 10.000 Anschlüsse und mehrere Mobilfunkstandorte.

Viele „graue“ Kästen an den Straßen und Bürgersteigen müssten ebenfalls erneuert oder repariert werden. Es gäbe Orte, in denen eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut werden müsse, wie die Telekom betont. Teilweise seien ganze Straßen und Brücken mit Leitungen weggerissen. In einigen Regionen werde die Wiederherstellung der Infrastruktur mehrere Wochen dauern. Dort versucht die Telekom mit Notfall-Maßnahmen wie dem Verlegen eines oberirdischen Glasfaserkabels eine schnelle, provisorische Versorgung im Ahrtal sicherzustellen. Das Ahrtal war ein Schwerpunkt der Hochwasserkatastrophe.

Die Unwetter in Bayern und Sachsen hätten dagegen aktuell keine Auswirkungen auf das Netz der Telekom.

Service-Pakete für Menschen in den Krisengebieten: Die Serviceteams der Telekom schicken aktuell Handys, SIM-Karten und Powerbanks in die Krisengebiete. Die Telekom verteilt dort auch „Schnellstarter-Pakete“, damit Menschen ohne Festnetzanschluss schnell wieder online sein können. Zusätzlich würden betroffene Kunden Datenpakete via SMS oder E-Mail erhalten. Vertragskunden können aktuell kostenlos für 31 Tage unlimitiertes Datenvolumen aktivieren. An der Hotline würden Betroffene aus den Krisengebieten ohne Wartezeit priorisiert und kulant behandelt, wie die Telekom verspricht.

Auf Twitter informiert die Telekom über das Geschehen in den Katastrophengebieten.

Vodafone

Vodafone teilte heute Morgen mit, dass seine Techniker seit vergangenem Donnerstag in den Hochwassergebieten zahlreiche Mobilfunkstationen wieder aktivieren konnten. Aktuell seien aber noch 1/6 der Stationen vom Netz. Entweder weil diese Standorte vom Hochwasser stark beschädigt oder völlig zerstört wurden, wie Vodafone mitteilt.

Um trotz der Ausfälle vielen Kunden das Netz zurückzubringen, habe Vodafone rund 200 funktionierende Stationen neu justiert und so deren Reichweite deutlich erhöht. Diese Stationen sollen jetzt auch in Gebieten funken, deren Stationen vom Hochwasser zerstört wurden und dort eine LTE- und GSM-Basisversorgung liefern. Damit habe Vodafone den Anteil der Mobilfunkkunden ohne Netz rasch deutlich senken können, wie das Unternehmen mitteilt. Derzeit seien in den Katastrophengebieten weniger als zehn Prozent aller Kunden ohne Basis-Empfang. Für die Betroffenen ohne jeglichen Handyempfang dürfte das aber kaum ein Trost sein.

Genauso wie die Telekom versucht auch Vodafone diese Lücken durch „mobile Basisstationen“ zu schließen. Diese würden auf Spezialtransportern ins Krisengebiet gebracht werden. Eine weitere Notlösung seien „Instant Network Team“, das Mini-Mobilfunknetze für die Menschen aufspannen würde.

An insgesamt 25 Standorten würden die Vodafone-Techniker derzeit mit höchster Priorität arbeiten. Diese Stationen sollen möglichst in dieser Woche wieder ans Netz gehen und so im gesamten Katastrophengebiet wenigsten  eine Grundversorgung herstellen.

Die Vodafone-Kunden im Katastrophengebiet bekommen als Soforthilfe 100 Gigabyte Datenvolumen auf ihre Handys gebucht. Damit sie – wo das Festnetz zerstört wurde und das Mobilfunknetz vorhanden ist – surfen und telefonieren können.

Telefónica / O2

Im Katastrophengebiet ist das Mobilfunknetz von O2 vielerorts beeinträchtigt worden und teilweise ausgefallen. Seit Freitag würden Techniker von Telefónica / O2 im Dauereinsatz an der Wiederherstellung des O2-Netzes arbeiten. Inzwischen sei an mehr als zwei Drittel der Standorte, die von einem Stromausfall betroffen waren, das Mobilfunknetz wieder instandgesetzt. An den Standorten, die die O2-Techniker aktuell erreichen könnten, kämen sie gut voran.

In den überaus meisten Fällen sei die zerstörte oder unterbrochene Energieversorgung der Grund für den Ausfall der Mobilfunkanlagen. Bei der Wiederherstellung der Mobilfunkversorgung sei Telefónica / O2 im engen Austausch mit örtlichen Krisenstäben, zuständigen Behörden und Energieversorgern.

Eine mobile O2-Basisstationen an der A553 zur Versorgung des Gebiets bei Bliesheim.
Vergrößern Eine mobile O2-Basisstationen an der A553 zur Versorgung des Gebiets bei Bliesheim.
© twitter.com/telefonica_de/status/1416700133891260418

In besonders stark von den Überflutungen betroffenen Orten würde O2 mobile Basisstationen einsetzen und Notstromaggregate nutzen, um die Mobilfunkmasten mit Elektrizität zu versorgen. „Bisher sei es O2 gelungen, sein Mobilfunknetz etwa in Leverkusen, Heinsberg, Kürten, Heimbach, Engelskirchen, Bad Münstereifel, Alfter und Sprockhövel (allesamt Nordrhein-Westfalen) sowie unter anderem in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig, Linz am Rhein, Erpel und Bad Breisig (Rheinland-Pfalz) wiederherzustellen. Viele weitere Orte verfügen darüber hinaus inzwischen ebenfalls wieder über eine funktionierende Mobilfunkversorgung“, teilt das Unternehmen mit.

O2 weist aber darauf hin, dass die Mobilfunkversorgung noch nicht überall die Kapazitäten erreiche wie vor dem Hochwasser. Daher bittet O2 darum Anrufe mit Familie und Freunden oder die Versorgung mit Nachrichten aus Rücksicht auf andere betroffene Mobilfunkkunden auf das Notwendigste zu reduzieren.

Auch O2 nutzt Twitter, um über seinen Kampf gegen die Hochwasserfolgen zu berichten .

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