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Halle-Attentäter streamte Tat live im Web

10.10.2019 | 08:50 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Der Attentäter von Halle streamte rund 35 Minuten seiner Tat live im Internet. Etwa 2.200 Nutzer sahen das Video.

Der verhaftete, mutmaßliche Halle-Attentäter übertrug die Tat per Live-Stream auf Twitch. Am späten Mittwochabend teilte Twitch per Tweet mit, dass der Live-Stream des etwa 35 Minuten langen Videos von fünf Personen live verfolgt worden sei. Die Aufzeichnung des Live-Streams hätten um die 2.200 Nutzern gesehen. Erst nach den 35 Minuten sei das Video gemeldet und dann von Twitch  entfernt worden. Mittlerweile kursieren im Web aber Kopien des Live-Streams, die aus Respekt vor den Opfern nicht weiter verbreitet werden sollten.

Das Attentat auf eine Synagoge in Halle an der Saale zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hat in Deutschland für Bestürzung gesorgt. Am Ende ergab sich der mutmaßliche Täter der Polizei und wurde festgenommen. In der Zeit hatte er bereits eine Frau auf offener Straße und einen Mann in einer Dönerbude erschossen. Der eigentliche Angriff auf die Synagoge in Halle, in der sich zum Zeitpunkt der Tat mehrere Dutzend Menschen befanden, schlug fehl, weil die verschlossenen Türen des Gebäudes dem Angriff standhielten. Die Zahl der Opfer hätte also noch viel höher sein können, wenn die Türen der Synagoge nicht widerstanden hätten.

Wie Twitch meldet, wurde der Account, über den der mutmaßliche Täter seine Tat übertrug, vor etwa zwei Monate erstellt. In diesem Zeitraum habe er nur einmal versucht, einen Stream zu starten, heißt es. Außerdem teilt Twitch mit, dass der Live-Stream während der Tat in keinem Verzeichnis und keiner Empfehlung auf Twitch.tv gelistet worden sein. Daher habe man den Verdacht, dass der Link zum Live-Video von Personen über Messenger-Dienste verteilt wurde. Twitch arbeite außerdem mit allen Behörden zusammen und habe Maßnahmen ergriffen, um die Weiterverbreitung des Videos zu unterbinden.

Erschütternd bleibt, dass der Live-Stream offenbar etwa 35 Minuten lief, ehe er von einem der Zuschauer gemeldet wurde. Wäre der Live-Stream früher gemeldet worden, dann hätte er auch schon früher blockiert werden können.

Mutmaßlicher Täter ist Deutscher, Rechtsextremer und Frauenhasser

Auf diversen Plattformen wird das 35-minütige Video der Tat verbreitet. Erstellt wurde das Video über eine Smartphone-Kamera, die der mutmaßliche Täter an seinem Schutzhelm befestigt hatte. Dem Video sind auch die Beweggründe der Tat zu entnehmen. Demnach handelt es sich bei dem Mann, der sich in dem Video "Anon" nennt, um einen Rechtsextremen.

In dem Video erklärt der Deutsche zu Beginn in englischer Sprache: "Hallo, mein Name ist Anon. Ich denke der Holocaust hat nie stattgefunden. Der Feminismus ist die Ursache für den Niedergang des Westens, der als Sündenbock für die Masseneinwanderung dient. Und die Wurzel all dieser Probleme ist der Jude."

Anschließend sind auch die beiden Morde zu sehen. Die Frau erschießt der Mann in der Nähe der Synagoge. Das zweite Opfer ist ein Gast einer Dönerbude.

Im Vorfeld seiner Tat soll der mutmaßliche Täter auch mehrere Dokumente über 8chan verbreitet haben. Dazu gehören Pläne für die Tat und Bilder von den verwendeten Waffen und Sprengkörpern.

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