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Händler klagen über DHL-Probleme: Kunden müssen länger warten

17.04.2020 | 09:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Deutschlands Online-Händler klagen: DHL storniere zusätzliche Abholfahrten. Damit verzögere sich die Auslieferung. Das sagt DHL.

Der Bundesverband Onlinehandel beklagt , dass DHL bei den Händlern alle zusätzlichen Abhol-Fahrten storniert habe. Offensichtlich ist der Paketdienstleister an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gekommen.

„Es haben uns verschiedene Händler extrem besorgt angerufen, weil Paket-Logistiker wie DHL die zusätzlichen Abhol-Fahrten beim Händler ersatzlos storniert haben“, sagt BVOH-Präsident Oliver Prothmann, „Hätten die Paketdienstleister rechtzeitig auf den Engpass hingewiesen, hätten die Händler den Verkauf drosseln können. Jetzt stehen die gepackten Pakete beim Händler und werden nicht ausgeliefert“, so Prothmann.

Das bedeutet, dass die Einkäufe der Verbraucher nicht beim Verkäufer abgeholt und in die Verteilzentren gebracht werden. Somit verzögert sich die Auslieferung an den Käufer um mehrere Tage, wie der Bundesverband Onlinehandel beklagt. Gerade in Zeiten, in denen der stationäre Handel stark eingeschränkt oder ganz gestoppt ist, sei diese Lieferverzögerung besonders ärgerlich.

DHL hat zur Coronakrise eigens eine Webseite freigeschaltet. Darauf finden sich keine Hinweise dazu, dass DHL keine zusätzlichen Abholfahrten mehr mache. Der Bundesverband Onlinehandel zitiert aber aus einer Mail, die DHL an Händler in Deutschland verschickt haben soll:

„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir morgen keine Abholung Ihrer Pakete durchführen werden, um die gewonnene Zeit und Kapazität für eine dauerhafte Stabilisierung unserer Produktion zu nutzen.“ Und weiter: „Die Sonderfahrt zu Ihrer Logistik, die für heute bestellt wurde, wurde abgelehnt. Des Weiteren hat Ihre bestellte Sonderfahrt nur die Hälfte an Rollcontainern mitnehmen können, da im Moment keine Kapazität in den einzelnen Paketzentren mehr vorhanden ist. Ihre Sonderfahrt für den Rest der Woche wurde aus denselben Gründen storniert.“

Der Bundesverband Onlinehandel klagt: „Es ist in keiner Weise zu akzeptieren, dass DHL in der aktuellen Situation, nach vier Wochen Lockdown, nicht in der Lage ist, die Kapazitäten richtig zu planen. Die KMUs im Onlinehandel mussten auch extreme Anpassungen vornehmen, um den Bedarf für den Verbraucher zu decken. Es gibt keine Ausreden wegen mangelnden Kapazitäten bei Transport oder Personal. Hier kann es sich nur um Fehlplanung handeln“.

Stellungnahme von DHL

Wir baten DHL um eine Stellungnahme zu der Kritik des Bundesverbandes Onlinehandel. Diese schickte uns DHL prompt: "Aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie verzeichnen wir derzeit einen deutlichen Anstieg der Paketmengen in unserem DHL Netzwerk auf mittlerweile rund 9 Millionen Sendungen pro Tag. Dies ist ein Aufkommen wie in der Vorweihnachtszeit – nur, dass es in dieser Form so nicht absehbar war und wir keine Zeit hatten, die sonst üblichen, umfassenden Vorbereitungen zu treffen. Wir haben in den vergangenen zwei Wochen die Kapazitäten im Paketbereich bereits um ein Niveau erhöht, was der regulären Sendungsmenge des nächstgrößten Wettbewerbers im Paketbereich entspricht. Dem Vorwurf des Bundesverbands Onlinehandel, wir wären nach vier Wochen nicht in der Lage, unsere Kapazitäten anzupassen, widersprechen wir somit deutlich.
 
Was uns aktuell vor Herausforderungen stellt, ist die Unberechenbarkeit der lokalen Entwicklungen von Mengen und  Sendungsstruktur, was dazu führt, dass es bei einzelnen Kunden oder in einzelnen Regionen zu Verzögerungen und Einschränkungen kommen kann, wie etwa einer reduzierten Zahl von Sonderfahrten, d.h. zusätzlichen Abholfahrten, und Verzögerungen kommen kann. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Kapazität mit der Nachfrage zu synchronisieren und stehen mit unseren Geschäftskunden dazu in einem sehr engen Austausch bzw. treffen individuelle Verabredungen. Zudem informieren wir die Privatkunden über unsere bestehenden Informationskanäle (Website, Filialen, Paketankündigung, etc.)." Zitat Ende

Zudem sollen einige Händler gemeldet haben, dass beim DHL-Konkurrenten DPD die Pakete vor den Verteilzentren länger als bisher auf den sogenannten ersten Scan warten.

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