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HD-Kette

28.02.2006 | 11:20 Uhr |

HD-Kette

Die flachen TV-Displays sind nicht nur eleganter als Röhrengeräte. Sie liefern auch schärfere Bilder, schönere Farben und satteren Sound als die herkömmlichen PAL-TV-Röhrengeräte – sofern die ganze HD-Kette lückenlos zusammenpasst. So wird PAL mit 576 x 720 = 414.720 „Bildpunkten“ und HDTV mit immerhin 1080 x 1920 = 2.073.600 „Pixeln“, kurz 1080i, gesendet. Ist bei PAL oft noch das hohe Bildformat 4:3 gebräuchlich, so wird HDTV grundsätzlich im breiten Kinoformat 16:9 produziert und gesendet. Das ist ergonomischer: Seit Jahrmillionen schaut der Mensch lieber in die Breite als in die Höhe. Schließlich wird den meisten HD-Filmen mit Dolby Digital 5.1 auch gleich ein fünfkanaliger Sound plus extra Bass verpasst, bei PAL-Filmen ist eher das zweikanalige Stereoformat die Regel. Also klingt ein HDTV-Film in der Regel auch räumlicher als ein PAL-Event.

Doch der volle HD-Genuss kommt nur dann in 1080i-HD-Auflösung im Wohnzimmer an, wenn die gesamte HD-Kette perfekt zusammen spielt. Das schwächste Glied begrenzt den Gesamtgenuss:

1. Der HD-Film-Produzent braucht neue HD-Kameras samt dazu passender Schnittcomputer. Die Kameraleute müssen auf HD umlernen, z.B. langsamer schwenken, wegen der hohen Auflösung. Viele Hollywood-Studios produzieren ihre Blockbuster längst auf HD, Discovery hat eine große Sammlung atemberaubender HD-Doku-Filme. Andere müssen ganz schnell umrüsten, sonst werden die Filme bald unverkäuflich.
2. Der TV-Sender muss HD-Filme entweder einkaufen oder selber neu erstellen und dann in HDTV-Qualität aussenden.
3. Satelliten- und Kabelnetz-Betreiber müssen die für HD benötigten digitalen Kapazitäten bereitstellen oder entsprechend nachrüsten. ASTRA ist einer der stärksten HD-Treiber in Europa, aber viele Kabel-TV-Netze sind technisch noch gar nicht HD ready. Den terrestrischen HD-Transport via DVB-T hat man in Deutschland vorerst verschlafen. Die Industrie arbeitet aber an Lösungen.
4. Der TV-Konsument schließlich braucht einen HD-ready-Fernseher samt HDTV-Receiver. Alternativ einen High-End-PC oder -Laptop mit HD-fähigem TV-Empfangsmodul, HD-fähiger Grafikkarte und HD-fähigem Monitor, also möglichst 1920 x 1080 Bildpunkten native Auflösung.
5. Weil HD-Filme in Deutschland bisher (Stand 02/2006) nur via Satellit ausgestrahlt werden, braucht der TV-Haushalt auch eine SAT-Schüssel samt Digital-LNB.

Eigentlich wäre diese technische Kette ja schon gut erprobt, denn in Japan, Südkorea, USA und Teilen Chinas ist HDTV schon weit verbreitet. In Europa gab es seit 2004 zumindest HDTV-Testsendungen. Allen gemeinsam, von USA bis Japan: Die riesigen HD-Filmdateien wurden und werden dank MPEG-2 so stark komprimiert, dass deren Speicherung und Ausstrahlung bezahlbar bleibt. In Millionen von TV-Haushalten rund um den Globus stehen also schon MPEG2-Receiver, die das HD-TV-Signal wieder de-komprimieren und an das HD ready-Display übergeben. Diese MPEG2-HD-Receiver wären also bestens lieferfähig, aber in Deutschland wurde der HDTV-Regelbetrieb nun gleich im noch effizienteren MPEG4/H.264 samt DVB-S2 gestartet. Passende HDTV-Empfänger sind erst seit Februar 2006 im Handel lieferbar.

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