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Google wusste nichts: So vernichteten Youtube-Programmierer den IE 6

06.05.2019 | 10:26 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein ehemaliger Youtube-Entwickler verrät, wie einige Youtube-Programmierer hinter dem Rücken von Google fast im Alleingang den Internet Explorer 6 von Microsoft zur Strecke brachten.

Vor bald zehn Jahren blendete Youtube bei Anwendern, die die Youtube-Seite mit dem Internet Explorer 6 besuchten, ein Banner am oberen Bildschirmrand ein. Sinngemäß stand darin zu lesen: Wir stellen bald den Support für deinen Browser ein. Bitte aktualisiere auf Firefox 3.5, IE 8 oder Google Chrome (später wurde auch noch Opera als Alternative angeboten).

Damals verwendeten immerhin rund 18 Prozent der Youtube-Nutzer den IE 6. Doch eine Gruppe von Youtube-Programmierern wollte den ihrer Meinung nach veralteten IE 6 nicht mehr unterstützen, weil der Programmieraufwand dafür immer größer wurde, wie The Verge berichtet. Deshalb erarbeiteten diese Youtube-Entwickler einen geheimen Plan, um den IE 6 zu vernichten. Das verrät der ehemalige Google- und Youtube-Entwickler Chris Zacharias in einem Blog-Beitrag.

Hierzu erstellten die Youtube-Entwickler das oben erwähnte Banner, das nur bei Youtube-Nutzern eingeblendet wurde, die mit dem IE 6 die Youtube-Seite besuchten. Die Entwickler wussten, dass die meisten Google- und Youtube-Mitarbeiter dieses Banner nie sehen würden, weil sie den IE 6 nicht verwendeten. Obendrein umgingen die Youtube-Entwickler Googles Code-Überwachung (Google hatte einige Jahre zuvor Youtube gekauft) und konnten damit direkt auf den Youtube-Quellcode zugreifen. Google bekam von der Verschwörung der Youtube-Programmierer gegen Microsofts IE 6 also zunächst einmal nichts mit.

Das Anti-IE-6-Banner erschien erstmals im Juli 2009 und erregte sofort großes mediales Interesse. Es schien, als ob Google den IE 6, der ja nach wie vor weit verbreitet war, vernichten wollte, indem es den alten Microsoft-Browser von der Benutzung von Youtube ausschloss. Zwei Rechtsanwälte von Google verlangten, dass Youtube das Banner sofort wieder entferne. Sie fürchteten, dass Chrome, also Googles eigener Browser, als favorisierte Alternative zum IE 6 angeboten werden würde und dass das die Kartellbehörden und Wettbewerbshüter der EU auf den Plan rufen könnte. Doch die Youtube-Verschwörer hatten dieses Problem vermieden und haben im Banner die drei als Alternative angebotenen Browser immer nach dem Zufallsprinzip mit wechselnder Reihenfolge anzeigen lassen. Als die Google-Rechtsanwälte das sahen, waren sie zufrieden: Das Banner durfte bleiben.

Prompt übernahmen nun andere Google-Abteilungen das Banner ebenfalls, beispielsweise das für Google Docs verantwortliche Team.
Die konspirativen Youtube-Entwickler erreichten ihr Ziel: Immer weniger Nutzer besuchten die Youtube-Seite mit dem IE 6. Innerhalb eines Monats halbierte sich die Zahl der IE-6-Nutzer auf Youtube. Weltweit ging der Traffic durch IE-6-Nutzer binnen eines Monats um zehn Prozent zurück. Und selbst Microsoft kapitulierte: "IE 6 hat Verfallsdatum lange überschritten".


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