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Getarnter Test: Handel verweigert oft Rücknahme von Altgeräten

24.07.2019 | 10:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Deutsche Umwelthilfe hat mit getarnten Testpersonen untersucht, wie gut die Rücknahme von Elektrogeräten bei Elektro-Großmärkten funktioniert. Das Ergebnis lässt zum Beispiel Media Markt, Hornbach, Toom, Saturn und auch einen Apple Store alt aussehen. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Das sind die seit dem 24. Juli 2016 geltenden Richtlinien für die Rücknahme von Elektrogeräten: (Online)-Verkäufer mit einer Verkaufsfläche für Elektrogeräte von über 400 m² müssen ausgediente Elektrogeräte kostenlos zurückzunehmen. Bis zu fünf Elektrokleingeräte (< 25 cm) können pro Geräteart abgegeben werden. Größere Geräte müssen die Händler dagegen nur zurücknehmen, wenn der Kunde ein ähnliches Neugerät erwirbt. Die Online-Verkäufer müssen Rückgabemöglichkeiten in zumutbarer Entfernung zum jeweiligen Endnutzer anbieten und die Käufer darauf hinweisen. Händler, die unrechtmäßig eine Rücknahme verweigern, können mit einem Ordnungsgeld von bis zu 100.000 Euro belegt werden.

Soweit die graue Theorie, doch wie sieht es mit der Rücknahme von Altgeräten nun in der Praxis aus? Die Deutsche Umwelthilfe DUH machte im ersten Halbjahr 2019 in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen den Test und schickte getarnte Testpersonen zu insgesamt 55 Filialen großer Handelsketten. Dabei ist aber erstens zu beachten, dass alle überprüften Händler zwar ein großes Sortiment an Elektrogeräten hatten, aber nicht immer zwingend unter die gesetzliche Rücknahmepflicht gefallen sind (zum Beispiel weil die Verkaufsfläche kleiner als 400 m² ist). Und zweitens unterscheiden sich die Ergebnisse oft innerhalb einer Handelskette von Filiale zu Filiale.

Die DUH-Ergebnisse kurz zusammengefasst:

Stationärer Handel: Bei 15 stationären Händlern konnten die Testpersonen Elektro-Altgeräte nicht zurückgeben. In einigen Filialen von Apple, Globus, Obi, Porta und Roller behaupteten Mitarbeiter laut DUH fälschlich, dass eine Rückgabe kleiner Elektrogeräte oder Altlampen gar nicht oder nur bei Kauf eines neuen Geräts möglich sei.

In einigen Filialen von Media Markt und Obi verlangten Mitarbeiter für die Rückgabe eines Großgeräts unrechtmäßig eine Gebühr, wie die DUH schreibt. Einige Märkte von Toom und Hornbach lehnten die Rückgabe der Großgeräte komplett ab. Und einige Filialen von Galeria Kaufhof und Conrad verweigerten bei Lieferung eines neuen Geräts gesetzeswidrig die kostenlose Mitnahme des Altgeräts.

Auch bei der Hinweispflicht nehmen es viele Märkte anscheinend nicht so genau. Laut DUH fehlten bei mehr als der Hälfte der getesteten Filialen Hinweisschilder zu den Rückgabemöglichkeiten oder die Mitarbeiter waren nicht ausreichend geschult. Mitunter waren die Hinweise zwar vorhanden, aber so versteckt, dass Kunden sie praktisch nicht wahrnehmen konnten, wie die DUH meint.

Die DUH kritisiert jedoch nicht nur, sondern nennt auch positive Beispiele. So klappte die Rückgabe in einzelnen Filialen von Globus, Hornbach und Obi tadellos und alle für den Kunden nötigen Informationen waren gut bereitgestellt. Bei zirka der Hälfte der überprüften Filialen standen den Kunden separate Informationen zur Abgabe von alten LED- und Energiesparlampen zur Verfügung.

Online-Händler: Genauso wie bei den stationären Händlern gab es auch bei Online-Anbietern viele schwarze Schafe. Die DUH stellte bei „fast allen der 30 untersuchten Onlinehändler große Probleme“ fest. So stellten Amazon, Apple, Bauhaus, Conrad, Cyberport, Dell, Lidl Online, Redcoon, Saturn und Waschbär keine funktionierende Abgabemöglichkeit für Energiesparlampen oder LEDs bereit. Dazu kommt ein kurioses Problem: Einige dieser Händler stellten zwar ein DHL-Versandlabel aus und erfüllten damit eigentlich die Vorgaben, doch die DHL schließt den Versand von Altlampen per Paket aus Sicherheitsgründen aus.

Bauhaus, Dell, Medion und Waschbär verweigerten die Rücknahme einiger oder aller Elektro-Altgeräte mit der Begründung, nur unbeschädigte oder vollständige Geräte zurückzunehmen.

Nicht immer ist die Kritik der DUH ganz nachzuvollziehen oder erscheint zumindest übertrieben. So kritisiert die DUH, dass die Händler Amazon, Conrad, Cyberport, Easynotebooks, Ikea, Lidl Online, Media Markt, Netto Online, Redcoon, Samsung und Saturn für die Rückgabe kleiner und/oder mittelgroßer Elektro-Altgeräte bis auf wenige Filialen ausschließlich einen Paketversand anbieten. Das würde laut DUH „viele Verbraucher aufgrund von Datenschutz- und Haftungsbedenken“ sowie wegen „des Aufwands für eine sichere Verpackung“ von dieser Rücknahmelösung abschrecken.

Für Apple, Alternate, Lampenwelt, Notebooksbilliger, Pearl und Tchibo Online lautet die Kritik, dass diese Unternehmen für kleine und/oder mittelgroße Elektroaltgeräte weniger als 1.000 Rückgabestellen zur Verfügung stellen würden, so dass Verbraucher unter Umständen 50 km und mehr zur nächsten Abgabestelle fahren müssen. Bei Bauhaus, Cyberport, Easynotebooks, Globus Baumarkt, Hagebaumarkt, Hornbach, Ikea, Lidl Online, Medion, Mytoys, Netto Online, Otto und Samsung kritisiert die DUH, dass sich Kunden zunächst per Mail oder Telefon an den Kundenservice wenden müssen, bevor alte Elektrogeräte in zumutbarer Entfernung abgegeben werden können. Bauhaus und Cyberport hätten entsprechende E-Mail-Anfragen nicht, so dass die Tester in diesen Fällen keine Geräte abgeben konnten.

Keiner der überprüften Online-Händler habe einen Link zur Rücknahme auf allen Produktseiten angegeben. Bei Apple, Dell, Globus Baumarkt, Lampenwelt, Lidl Online, Pearl, Samsung und Waschbär fehlten wesentliche Informationen zur Rücknahme. Bei den Online-Händlern Bauhaus, Cyberport, Dell, Easynotebooks, Globus Baumarkt, Hagebaumarkt, Hellweg, Hornbach, Lidl Online, Netto Online, Notebooksbilliger, Redcoon, Samsung und Waschbär waren die Informationen zur Rücknahme laut DUH kaum auffindbar, indem sie zum Beispiel in den AGB versteckt waren.

Nur Obi und Toysrus haben laut DUH bei den Online-Händlern „eine ausreichende Gesamtwertung“ erhalten.

Das ausführliche Testergebnis der DUH mit Angabe der konkret überprüften Filialen können Sie hier nachlesen.

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