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Gaming-PCs in Kalifornien verboten? Das steckt dahinter

30.07.2021 | 14:45 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Kalifornien soll den Verkauf von Gaming-PCs verboten haben. Stimmt das wirklich? Hier die Antwort.

Das Thema sorgt aktuell bei Gaming-Fans in den USA für Schlagzeilen: In diversen US-Bundesstaaten, darunter Kalifornien, seien Gaming-Desktop-PCs verboten worden! Entsprechend gibt es Schlagzeilen wie "Mehrere US-Bundesstaaten verbieten Gaming-PCs" oder "High-End-Gaming-PCs in sechs US-Bundesstaaten verboten, nachdem das Energiegesetz von Kalifornien den Verkauf von Hochleistungs-PCs einschränkt".

Alienware liefert keine Gaming-PCs in diversen US-Bundesstaaten aus - was steckt dahinter
Vergrößern Alienware liefert keine Gaming-PCs in diversen US-Bundesstaaten aus - was steckt dahinter

Das Ganze begann laut einem Bericht unserer US-Schwesterpublikation PC-WORLD damit, dass Alienware hier auf seiner US-Website darauf hinwies, dass bestimmte Desktop-PC-Modelle in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Colorado, Washington, Oregon, Hawaii und Vermont nicht verkauft werden dürfen, da diese Staaten "Stromverbrauchsvorschriften erlassen haben. Alle Bestellungen, die für diese Staaten bestimmt sind, werden storniert." So heißt es jedenfalls auf der betreffenden Alienware-Website.

Das war schon lange abzusehen

Unsere Kollegen von PC-WORLD zeigen sich etwas überrascht, dass Alienware diesen Schritt machen musste, aber die Gründe dafür seien eigentlich nicht neu. Man habe sich seitens der Redaktion - die im kalifornischen San Francisco angesiedelt ist - bereits 2018 damit befasst, nachdem zwei PC-Firmen gesagt hatten, dass in Kalifornien aufgrund der 2016 verabschiedeten Vorschriften ihr Ende nahe.

"Ich habe mich durch Hunderte von Seiten von Berichten und Sitzungsprotokollen der kalifornischen Energiekommission gewühlt. Auf den ersten Blick sah es so aus, als würden die strengen kalifornischen Energievorschriften den Verkauf der meisten Desktop-PCs in Kalifornien am 1. Juli 2019 beenden", erklärt unser US-Kollege und Hardware-Experte Gordon Mah Ung.

Die Wahrheit sei natürlich viel nuancierter. Die Energieregulierungsbehörden suchten vor allem nach Möglichkeiten, den Stromverbrauch von PCs im Leerlauf einzudämmen, um den Energieverbrauch während des Arbeitstages zu kontrollieren. Die Regulierungsbehörden zielten in erster Linie auf die typischen Kompakt- oder All-in-One-PCs ab, die man in Banken, Krankenhäusern und Unternehmen findet - und nicht auf Spiele-PCs!

Wie es sich für einen Bürokraten gehört, ist es jedoch weder einfach noch eindeutig zu erkennen, welche PCs ins Visier genommen werden, es sei denn, Sie können sich besser als wir einen Reim auf Intels Tabelle zur Berechnung des Expandability Score machen.

Intels Expandability Score Berechnung - komplex
Vergrößern Intels Expandability Score Berechnung - komplex
© Intel

Die Energierichtlinien berücksichtigen die Speicherbandbreite des Grafikprozessors, die Effizienz des Netzteils und sogar die Anzahl der USB-Anschlüsse und anderer scheinbar zufälliger PC-Teile, um eine Punktzahl zu berechnen, die so kompliziert ist, dass man eine Tabellenkalkulation verwenden muss, um sie herauszufinden.

Im Gegensatz zur ersten Intuition - oder vielleicht ist das auch nur ein Zugeständnis der Regulierungsbehörden an die Komponentenhersteller - gilt: Je leistungsfähiger ein PC ist, desto mehr Schlupflöcher werden ihm von den Energievorschriften eingeräumt, was für PC-Enthusiasten eine gute Sache ist. Zwei sehr große Komponentenhersteller erklärten gegenüber PC-WORLD, sie seien der Meinung, dass die kalifornischen Energiebehörden den besorgten Unternehmen zugehört und vernünftige Beschränkungen in die Vorschriften aufgenommen hätten. In Anbetracht dessen, was einige Umweltgruppen damals forderten, schreiben die Vorschriften hauptsächlich den Stromverbrauch im Leerlauf vor, nicht die aktive Nutzung.

Es wäre leicht, daraus den Schluss zu ziehen, dass Alienware nur das erste Unternehmen war, das die Lieferung von Gaming-PCs in diese Staaten eingestellt hat, und dass weitere folgen werden. Aber diese sechs Staaten haben nicht unbedingt "Gaming-PCs" verboten. Alienware hat offenbar bei einigen Modellen den Standard erfüllt, aber bei anderen ist das nicht der Fall. Das Unternehmen storniert einfach die Bestellungen derjenigen Kunden, die versuchen, sie zu kaufen.

Auf die Frage nach weiteren Informationen erklärten die US-Verantwortlichen von Alienware:

"Alienware ist seit jeher dafür bekannt, die Grenzen zu überschreiten, wenn es um Innovation, Leistung, Design und Premium-Qualität geht. Wir respektieren die Gesetze aller Städte, Staaten und Länder, in denen wir geschäftlich tätig sind, und bemühen uns stets um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Energieeffizienz. Während unsere leistungsstärksten Gaming-Systeme in allen 50 Bundesstaaten erhältlich sind, ist es richtig, dass ausgewählte Konfigurationen des Alienware Aurora R10 und R12 aufgrund der jüngsten Tier-2-Vorschriften der California Energy Commission (CEC), die am 1. Juli 2021 in Kraft getreten sind, nicht in bestimmte Bundesstaaten geliefert werden. Die neuen Modelle und Konfigurationen werden diese Vorschriften erfüllen oder übertreffen, in Übereinstimmung mit unserem langfristigen Fokus auf Energie und Emissionen."

Unklar bleibt, warum Alienware diese speziellen Systeme nicht bis zum 1. Juli an die strengeren Richtlinien angepasst hat, aber das kann man Alienware vielleicht auch nicht verübeln.

Fazit: Gaming-PCs wurden in US-Bundesstaaten nicht verboten - noch nicht?

Die gute Nachricht ist, dass am 1. Juli 2019 der Verkauf von PCs in diesen Staaten nicht gestoppt wurde. Und seit dem 1. Juli 2021, als die zweite Stufe in Kraft trat, sind auch die meisten Gaming-PCs nicht verboten - nur ein paar Alienware-Geräte.

Das heißt aber nicht, dass es nicht passieren könnte. Die US-Politik setzt die PC-Industrie weiterhin unter Druck und fordert energieeffizientere Geräte. In einer idealen Welt würde die Industrie diese Aufgabe ohne komplizierte Vorschriften lösen, denn Energieeffizienz ist heute eine der einfachsten Möglichkeiten, mehr Leistung zu erzielen. Aber so funktioniert die Politik nicht. Solange es Gruppen gibt, die strengere Vorschriften fordern, wird es auch Politiker geben, die diesen Forderungen Beachtung schenken.

Letztendlich heißt das also: Desktop-Gaming-PCs wurden zwar in den betreffenden US-Bundesstaaten nicht verboten, aber dieses Segment hat in den USA eindeutig eine Zielscheibe auf dem Rücken.

Hinweis: Dieser Bericht wurde übersetzt. Den Original-Artikel finden Sie hier bei unseren US-Kollegen.

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