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Frech: Google will mit EU-Entscheidung Geld verdienen

05.08.2019 | 09:32 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Mit Geld können sich Suchmaschinen-Betreiber eine gute Position in Googles Android kaufen. Es hagelt Kritik.

Im Juli 2018 hatte die EU gegen Google wegen Android eine Rekordstrafe in Höhe von 4,3 Milliarden Euro verhängt . Dabei ging es um den Marktmacht-Missbrauch von Google mit Android und die EU forderte Google dazu auf, das mobile Betriebssystem stärker für Konkurrenten zu öffnen.

Rund ein Jahr später stellt Google seine geplante Änderung nun vor und sorgt für Erstaunen: Google will in der EU tatsächlich in Android den Nutzern eine Auswahl von alternativen Suchmaschinen anbieten. Wer in der Auswahlbox erscheinen soll, wird aber im Rahmen einer Auktion ermittelt. Sprich: Die Suchmaschinen-Betreiber, die bei der geheimen Auktion mehr Geld bieten, landen höher in der Auswahl, die die Nutzer später haben sollen.

In der FAQ zur Auktion zu "Choicescreen" erläutert Google, dass die Auswahlbox mit Suchmaschinen-Alternativen in allen EU-Ländern erscheinen soll, wenn Nutzer ein neu gekauftes Android-Smartphone oder -Tablet auspacken, auf dem standardmäßig die Google-Suche-App installiert ist. Über die Auswahlbox kann dann auf dem Gerät eine andere Standard-Suchmaschine festgelegt werden und dabei wird auch gegebenenfalls die benötigte App aus dem Google Play Store heruntergeladen.

Die Auktion der Positionierung eines Suchmaschinenbetreibers in der Auswahlbox wird in jedem EU-Land gesondert durchgeführt. Bis zum 13. September 2019 haben die Suchmaschinenbetreiber Zeit, sich für die Teilnahme an der Auktion zu bewerben und ein Gebot abzugeben. Die Ergebnisse der in allen EU-Ländern duchgeführten Auktionen sollen dann am 31. Oktober 2019 bekannt gegeben werden. Die Umsetzung erfolgt dann im Jahr 2020.

Google verteidigt Auktion – es gibt aber auch scharfe Kritik

Google selbst bezeichnet die Wahl der Auktion, zur Erfüllung der EU-Auflagen, als eine „faire und objektive Methode“. Die Auktion erlaube es den Suchmaschinenbetreibern selbst zu entscheiden, welchen Wert sie ihrer Positionierung in der Auswahlbox beimessen.

Wie viel Geld Google letztendlich mit der Auktion verdient, bleibt ein Geheimnis. Die Gebote werden nicht publik gemacht. Außerdem erfährt die Öffentlichkeit auch nicht die Namen aller Suchmaschinenbetreiber, die an der Auktion teilnehmen.

Je mehr ein Suchanbieter bereit ist zu zahlen, desto höher erscheint sein Name in der Auswahlbox. Wie viel er dann tatsächlich an Google überweisen muss, hängt dann noch davon ab, wie oft sein Name in der Auswahlbox von den Nutzern ausgewählt wird. Hierzu schreibt Google in der FAQ: „Google sendet eine monatliche Rechnung an Suchanbieter und berechnet einen Betrag nur, wenn der Anbieter vom Nutzer ausgewählt wird. Ihre monatliche Rechnung zeigt an, wie viele Nutzer über den Auswahlbildschirm pro Land den Suchanbieter ausgewählt haben und den Gesamtbetrag, der Google geschuldet wird.“

Die EU hat bereits angekündigt, diesen Prozess genau überwachen zu wollen und ob damit dann letztendlich die von der EU geforderten Änderungen an Android auch wirklich umgesetzt werden.

Schärfere Kritik kommt vom Suchmaschinenbetreiber Qwant . In einer Mail, die der PC-WELT vorliegt, kritisiert Qwant scharf das Vorgehen von Google. Konkret wird Google vorgeworfen, sich nun auch noch für die Wettbewerbsfreiheit bezahlen zu lassen.

„Es kann nicht sein, dass Google seinen Wettbewerbern jetzt sein eigenes fehlerhaftes Verhalten und die Höhe der Geldbuße mit einem Auktionssystem in Rechnung stellt, das weder den europäischen Verbrauchern noch dem freien Wettbewerb zugute kommt, der durch ein solches Verfahren nicht verzerrt werden sollte“, erklärt Qwant. Über das von Google vorgeschlagene „Ausschreibungsverfahren“ könne Google die Ergebnisse und Einnahmen der teilnehmenden Suchanbieter ableiten, wodurch eine „inakzeptable Verzerrung und ein hohes Risiko der Manipulation, Ungleichheit und Untreue der Auktion“ entstehe.

Daher fordert Qwant, dass von der Entscheidung der Europäischen Kommission alle europäischen Nutzer profitieren müssen. Dazu Qwant: „Sie muss sicherstellen, dass die freie Wahl auf der Grundlage der zugrundeliegenden Vorzüge jeder Engine und der Erwartungen der Bürger, insbesondere in Bezug auf den Schutz ihrer personenbezogenen Daten, beruht und nicht auf der Fähigkeit, Google zu finanzieren oder von Google finanziert zu werden.“

Qwant fordert daher die europäischen Institutionen und Interessengruppen dazu auf, diesen Fall so schnell wie möglich zu klären, „um die Entscheidung der Kommission vom 18. Juli 2018 vollständig durchzusetzen.“

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