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Firefox nur noch als Snap: Der Anfang vom Ende?

12.06.2022 | 08:44 Uhr | Hermann Apfelböck

Ubuntu 22.04 kommt – Firefox geht: Mit der angekündigten und nun vollzogenen Entscheidung, Firefox nur noch als Snap-Paket anzubieten, ist die Fuchsjagd wohl endgültig beendet. Denn das Desktop-Linux war das letzte Reservat eines aussterbenden Browsers.

Auf den ersten Blick scheint es gar nicht so verkehrt, die Verantwortung für eine sicherheitskritische Software (Browser) vollständig einem vertrauenswürdigen Hersteller (Mozilla) zu übergeben. Das Ausliefern als distributionsunabhängiges Snap garantiert schnelle Updates und spart Ressourcen beim Linux-Distributor. Die Benutzer müssen aber mitmachen und das werden sie nur tun, wenn keine Nachteile entstehen. Die gibt es aber bei Snaps generell und beim Firefox im Speziellen.

Snaps starten – so auch Firefox unter Ubuntu 22.04 – spürbar langsamer. Damit kann man im Prinzip leben, weil die Verzögerung nur beim ersten Start innerhalb einer Systemsitzung aufritt. Snaps fordern aber außerdem den fünf- bis zehnfachen Platz auf dem Datenträger im Vergleich zu DEB-Paketen, weil sie alle Bibliotheken mitbringen müssen. Auch die Versionsverwaltung kostet mehr Platz als bei klassischen Paketen. Das Firefox-Snap ist nicht der schlimmste Platzfresser, aber auf SSDs durchaus ein Faktor.

Was das Browser-Snap aber endgültig zum Ärgernis macht, sind technische Mängel und peinliche Schlampereien. Die Gnome-Erweiterungen (Ubuntu-Hauptedition) sind jetzt nicht mehr über das Firefox-Add-on zu steuern. Passwortmanager arbeiten nicht mehr mit dem Snap-Browser zusammen. Als Anzeigesoftware für lokale HTML-Dateien (etwa die Hilfedateien unter Xubuntu) funktioniert das Firefox-Snap nur noch bedingt, weil ihm die nötigen Leserechte fehlen. Mancher Mangel mag die nächsten Monate ausgebessert werden, die Prognose für Firefox steht aber dennoch auf Untergang. Nur absolute Firefox-Liebhaber werden die Mängel tolerieren oder auf die Möglichkeit ausweichen, Firefox aus seinem PPA zu installieren (siehe Rubrik „Praxis, Software“). Denn Chrome, Chromium, Vivaldi oder Edge sind in einer Minute installiert.

Noch schlimmer: Inoffizielle, aber prominente Ubuntu-Derivate wie Linux Mint lehnen den Einbau des Snap-Daemons ab. Was also, wenn Firefox in den Ubuntu-Quellen nur noch als DEB existiert? Klar, man wird genau so reagieren wie die Anwender: Dann wird eben ein Chromium oder Vivaldi mitgeliefert.

Snap ist vermutlich der letzte Treffer für den ohnehin marginalisierten Mozilla Fuchs. Damit verlieren wir zwar nicht den schnellsten, aber den eindeutig vertrauenswürdigsten Browser.

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