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Finanzierung der Foundation

09.11.2004 | 14:54 Uhr |

Wovon lebt eigentlich die Mozilla-Foundation?

Bart Decrem : Wir haben ungefähr 2 Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung. Das Geld stammt teilweise von AOL und Sun. Davon bezahlen wir 12 Leute in den USA. Wir werden außerdem von IBM und Sun mit Programmierern unterstützt. Dadurch arbeiten insgesamt etwa 50 Leute an dem Mozilla-Projekt.

Dann bezahlen uns Firmen dafür, dass wir Support für sie machen, wenn sie Firefox installieren. Wenn sie spezielle Features im Firefox haben wollen, lassen wir uns dafür ebenfalls bezahlen.

Wir wollen aber nicht nur von Firmen abhängig sein. Deshalb brauchen wir Geld aus verschiedenen Quellen. Das macht uns unabhängig.

Eine solche Quelle sind die Enduser. Wir nehmen beispielsweise einiges über Fan-Artikel ein - Mützen, T-Shirts usw. Außerdem werden wir auch für Enduser Support gegen Geld anbieten. Eine weitere Einnahme-Quelle sind Spenden. So haben rund 10.000 Leute in zehn Tagen 250.000 Dollar für eine Anzeige in der New York Times gespendet.

Trotzdem sind wir personell recht dünn ausgestattet. Wir haben nicht die Ressourcen, um alles zu managen. Ich kriege beispielsweise 300 Mails pro Tag. Wir wollen deshalb die Mitarbeiterzahl der Mozilla-Foundation verdoppeln. Schon für die 1.0-Version haben wir für das Qualitäts-Management zwei Leute angestellt.

Wollen Sie irgendwann mal eine kommerzielle Version von Firefox rausgeben?

Bart Decrem : Unsere Lizenz ist sehr liberal. Wenn jemand eine kommerzielle Version machen will, kann er das tun. Wir selbst haben keine Pläne für eine kommerzielle Version. Wir haben nichts gegen kommerzielle Software. Gäbe es allerdings nur eine kommerzielle Version von Firefox, würde das die Verbreitung verhindern.

Wird die Mozilla-Browser-Suite - der Nachfolger von Netscape - sterben?

Bart Decrem : Mozilla ist im Grunde dieselbe Technologie wie Firefox. Es gibt allerdings ein paar wichtige Unterschiede. Man kann ihn beispielsweise schlecht modifizieren. Man kann ihn nur runterladen und installieren. Bei Firefox haben wir überlegt, wie kann man ihn zugleich einfacher und für die Nutzer anpassbarer machen kann. Firefox ist wesentlich modularer. Neue Themes zum Beispiel lassen sich leicht integrieren. Deshalb werden neue Funktionen vermutlich erst bei Firefox auftauchen und später in Mozilla integriert.

Firefox ist ja nicht nur ein Browser, sondern eine Entwickler-Plattform. Was werden Sie für Programmierer tun?

Bart Decrem : Unsere Basistechnik ist die Browser-Rendering-Engine Gecko und XUL. Daran werden wir verstärkt arbeiten. Wir werden außerdem Alternativen zur Longhorn-Technik von Microsoft anbieten. Außerdem werden wir versuchen, an der Dokumentation zu arbeiten. Und schließlich überlegen wir, eine Entwicklungs-Umgebung anzubieten. Darüber diskutieren wir gerade verstärkt.

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