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FIFA 20 angespielt: Straßenfußball sorgt für den neuen Kick

21.08.2019 | 11:09 Uhr |

Wir haben FIFA 20 gespielt und dieses Jahr gibt’s ein paar Überraschungen. Besonders den akrobatischen Straßenkick namens Volta, der uns ins Neon-Meer von Tokio wirft. FIFA 20 im Hands-On-Test.

Tokio - Wolkenkratzer schießen in die Höhe, Neon-Werbung verziert die Skyline und als Fußballspieler in FIFA 20 ist man plötzlich mittendrin: Auf einem dieser Kolosse steht ein Hightech-Bolzplatz, der von blauen LEDs umspielt wird. Wird FIFA 20 etwa die Frischzellenkur, die FIFA so dringend braucht? Denn frisch ist das auf jeden Fall: Natürlich gibt es die großen Vereine, die traditionsreichen Stadien, den klassischen König Fußball. Aber FIFA 20 bildet auch einen ganz anderen Teil der Sport-Kultur ab – den, wo die meisten Stars herkommen. Vom Bolzplatz, von der kleinen Rasenfläche in der Nachbarschaft, ohne große Zuschauertribünen. Und zwar mit vielen unterschiedlichen Untergründen, die natürlich die Geschwindigkeit des Balls beeinflussen: Die Kugel läuft auf Rollrasen anders als auf Filz und wieder anders auf einem Hartplatz.

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Satte 15 Plätze fährt FIFA 20 alleine für seinen Volta-Modus auf. Dabei fängt jede Stadt ihren individuellen Charme ein: London ist zum Beispiel eher schick, mit Filzplätzen, die an Tennis und Wimbledon erinnern. In Paris spielen wir mit Blick auf den Eifelturm, in Rio de Janeiro liegt der Platz am Fuße des berühmten Corcovado-Felsen, auf dem die monumentale Christusstatue thront. Die Basis für den Volta-Modus bilden kleinere Spielerzahlen, 3 gegen 3 oder 5 vs 5, und deutlich mehr Tricks. Beim Straßenkick wird mit Bande gespielt, eine wunderbare Gelegenheit, seine Skills zu zeigen: Einfach links antäuschen, den Gegner verladen, via Bande kicken, an ihm vorbeirennen und die Pille wieder unter Kontrolle bringen.

Volta sorgt nicht nur für ein neues Spielgefühl, sondern spannende Platz-Designs. In Tokio sind die Tore mit blauen LEDs ausgestattet, die bei Treffern wild leuchten.
Vergrößern Volta sorgt nicht nur für ein neues Spielgefühl, sondern spannende Platz-Designs. In Tokio sind die Tore mit blauen LEDs ausgestattet, die bei Treffern wild leuchten.
© EA Sports

Es ist schnellerer, akrobatischerer Fußball, der uns mehr abverlangt. Denn das Spielfeld ist deutlich kleiner als im traditionellen Sport, man muss sehr präzise passen und lernen, die engen Wege effizient zu nutzen. Volta bringt sogar eine Kampagne mit, die als Welttournee inszeniert ist: Amsterdam, London, Paris, Barcelona, Cape Town, Miami, New York City, Venice Beach, Lagos bis nach Tokio – mal mit festem, mal mit fliegendem Torwart. Mal mit klassischem Boden, mal in hippen, künstlerisch hochwertig verzierten und sehr bunten Arenen.

Stille Evolution im Herzstück

Standards werden schwieriger, dafür gibt’s neue Optionen wie den Flatterschuss, der es schwieriger für den Torwart macht, den Einschlagwinkel abzuschätzen.
Vergrößern Standards werden schwieriger, dafür gibt’s neue Optionen wie den Flatterschuss, der es schwieriger für den Torwart macht, den Einschlagwinkel abzuschätzen.
© EA Sports

Volta ist ohne Frage die größte Neuerung von FIFA 20. Das Herzstück, der klassische Modus, 11 gegen 11, wird nur zaghaft angefasst. Was okay ist, denn schon FIFA 19 war sehr gut und hatte lediglich wenige kleine Fehler, die man im neuen Teil bereinigt. Das Tackling etwa ist deutlich robuster und akkurater, hier hatte FIFA 19 noch ein paar Kinderkrankheiten. Ansonsten arbeitet EA Sports an den Schusstechniken seiner Profis, die weiter verfeinert werden. Die Wechselwirkung von Fuß und Ball wird authentisch berechnet, was man besonders schön in den Wiederholungen sehen kann. Es ist ein Unterschied, ob Neymar das Leder mit einem perfekten Vollspannschuss abschließt. Oder ob ihm die Pille über den Schlappen rutscht und in die Wolken geht. Diese evolutionären Schritte stärken die Lesbarkeit des Spiels: Wir können besser analysieren, warum ein Volley perfekt in die linke obere Ecke geht. Und andere Schüsse über die Latte segeln, etwa weil der Spieler mit dem Oberkörper nach hinten kippt und so der Ball nicht perfekt getreten wird. Für besonders spektakuläre Treffer sorgen neue Volley-Animationen und schärfere Hereingaben. Flanken und Querpässe in den Strafraum kommen in FIFA 20 mit mehr Schwung und präziser. Und dank der neuen Bewegungsabläufe kommt es zu weitaus weniger unschöner Stolperbuden als vorher. Sehr interessant: Wir dürfen jetzt unserem Torwart Anweisungen geben, etwa, ob er bei einem 1:1-Duell im Kasten bleiben oder aggressiv rausstürmen und den Manuel Neuer geben soll.

Interessant: FIFA wird langsamer und taktischer

Irre: Der FC Bayern hat einen Vertrag mit PES 2020, entsprechend rückt in der Bundesliga der BVB in den Fokus.
Vergrößern Irre: Der FC Bayern hat einen Vertrag mit PES 2020, entsprechend rückt in der Bundesliga der BVB in den Fokus.
© EA Sports

Was direkt auffällt: FIFA 20 ist ziemlich langsam, deutlich langsamer als FIFA 19. EA Sports möchte die Geschwindigkeit aus dem Strafraumkampf rausnehmen und Automatismen abbauen: Bislang gab es das berühmte schnelle Spiel über die Flügel, Flanke in den 16er und der Kasten klingelt. Von der Geschwindigkeit orientiert sich FIFA dieses Jahr stärker an PES 2020 – eine Reihe, die immer schon bedächtiger und taktischer war. Spannend ist hier vor allem dieser große Unterschied zwischen dem Bolzplatz-Modus Volta und dem klassischen Stadium. Denn Volta ist ziemlich flippig und schnell, gerade auf Hartplätzen und in der Halle läuft der Ball schneller. Auf Rasen hingegen rollt die Pille sichtlich langsamer, was mehr Möglichkeiten gibt, Spielabläufe zu unterbrechen – EA stärkt damit die Defensive und macht die Offensive etwas herausfordernder. Auf der anderen Seite wird die Verteidigungs-KI runtergesetzt: Automatisiert attackiert diese nicht mehr so beherzt und aggressiv wie in FIFA 19, arbeitet aber mit gutem Stellungsspiel – es geht also stärker darum, wie im modernen Fußball, Wege zu blockieren und Flanken zu unterbinden, nicht direkt an der Mittellinie hart in die Zweikämpfe zu gehen. Wobei sich das natürlich auch über das Strategiemenü den eigenen Vorlieben anpassen lässt. Beim Tackling wird Timing wieder wichtiger. Im letzten Teil gelangen Grätschen recht einfach, in FIFA 20 müssen wir erst das richtige Gefühl dafür erwischen und sensen auch gerne mal einen Spieler um, wenn wir zu spät das Bein ausfahren. Generell soll sich FIFA wieder etwas Skill-lastiger anfühlen: Als wir einen schönen Volley aus 20 Metern in die Maschen drücken wollen, misslingt das kolossal, weil die Balance unseres Spielers nicht passt. Er erwischt den Ball zu spät. Die Physik-Engine von FIFA 20 misst ziemlich genau den Winkel, aus dem die Pille reinfliegt zum Winkel, zu dem der Spieler steht. Auch Freistöße sind beim ersten Hands-On deutlich schwerer, weil es nicht mehr so leicht ist perfektes Effet reinzubringen. Dafür könnt ihr aber einen Knuckle-Shot aktivieren – einen Flatterball schlagen, der für den Torwart schwieriger einzuschätzen ist.

Wie die Teams von FIFA 20 und Battlefield 5 voneinander lernen

Die Frostbite Engine sorgt im Zusammenspiel mit exotischen Locations für eine sichtlich andere Atmosphäre.
Vergrößern Die Frostbite Engine sorgt im Zusammenspiel mit exotischen Locations für eine sichtlich andere Atmosphäre.
© EA Sports

Wie schon FIFA 19 basiert FIFA 20 auf der Frostbite Engine, die in Stockholm bei DICE weiterentwickelt wird. Entsprechend eng tauschen sich die Teams aus, denn die Themen Körperphysik, harmonische Animationen oder auch wie man Licht als atmosphärisches Stilmittel einsetzen kann, sind sowohl im Fußballgeschäft als auch in Battlefield 5 und sicherlich auch Battlefield 6 oder Bad Company 3 wichtig, welches laut Gerüchten 2020 sein Comeback feiern soll. Sollte der Youtube-Star Jackfrags Recht haben, soll Bad Company 3 ein Launchtitel für die Playstation 5 werden.  Wer Battlefield 5 und vor allem auch Battlefield 1 gespielt hat, der weiß, wie gut DICE darin ist, Wetter als atmosphärisches Tool zu nutzen. In BF1 robbt man förmlich durch den Schlamm, um sich vor feindlichem Beschuss zu schützen. In FIFA 20 hingegen müssen die Scheinwerfer großer Stadien die Massen schweren Regens durchdringen, wodurch das Bild durch die Technologe Volumetric Ligthing diesiger wird und zerfasert. Wichtig ist Lichtstimmung vor allem auch für Volta, weil EA Sports dieses Jahr ein paar abgefahrene Locations abliefert.  So blaue LED-Banden, umspielt vom Lichtermeer Tokios sind schon ziemlich neu für das doch eher konservative Fußballgeschäft.

Fazit: 1,5 Millionen Exemplare von FIFA 19 gingen letzten September über die Ladentheke, mit FIFA 20 dürfte es ähnlich laufen. Das Kerngeschäft mit den schier unendlichen nationalen und internationalen Lizenzen sowie der Champions League funktioniert und dank Mikrotransaktionen druckt EA quasi Geld mit seinem virtuellen Sammelkartenspiel Ultimate Team – satte 800 Millionen US-Dollar alleine letztes Jahr. Umso erfreulicher, wie EA Sports 2019 Gas gibt: Volta ist eine echte Überraschung und große Bereicherung für eine Serie, die schon seit einigen Jahren eher von stillen Evolutionen lebte. Der Straßenkick macht Laune und wird vor allem großartig inszeniert. Das Kernspiel wird deutlich langsamer und taktischer, EA bastelt hier an vielen Stellschrauben und geht durchaus Risiko ein – wird spannend am 24. September.

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