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Eurodrohne: Europa baut eigene Militär-Drohne

20.03.2019 | 13:51 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

100 Millionen Euro stellt die EU bis Ende 2020 für die Entwicklung der Eurodrohne bereit. Die Eurodrohne dient zunächst der militärischen Aufklärung, ist vermutlich aber auch bewaffnungsfähig.

Die EU will eine Aufklärungsdrohne für militärische Zwecke entwickeln lassen. Dafür stellt die EU 100 Millionen Euro bereit, insgesamt will die EU sogar 525 Millionen Euro für europäische Verteidigungsprojekte aus den Bereichen Drohnentechnologie, Satellitenkommunikation, Frühwarnsysteme, künstliche Intelligenz, Cyberabwehr und Meeresüberwachung in den Jahren 2019 bis 2020 zur Verfügung stellen.

Ab dem Jahr 2021 soll „ein vollwertiger Europäischer Verteidigungsfonds eine innovative und wettbewerbsfähige industrielle und wissenschaftliche Basis stärken und einen Beitrag zur strategischen Autonomie der EU leisten“, wie die EU-Kommission in schwülstigen Worten schreibt. Damit aber schon vor 2021 gemeinsame Industrie-Projekte für den Bereich Verteidigung angestoßen werden können, stellt die EU die besagten 525 Millionen Euro für Kooperationsprojekte im Bereich Verteidigung bereit. Das Ganze fungiert unter der Bezeichnung „Europäisches Programm zur industriellen Entwicklung im Verteidigungsbereich EDIDP“.

Elżbieta Bieńkowska, die für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU verantwortliche Kommissarin: „Um zu gewährleisten, dass Europa seine Bürgerinnen und Bürger schützen kann, benötigen wir modernste Verteidigungstechnologien und -ausrüstungen in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Drohnentechnologie, Satellitenkommunikation und Aufklärungssysteme. Mit den Investitionen der EU, für die wir heute den Startschuss gegeben haben, vollziehen wir den Schritt weg von den rein theoretischen Ideen hin zu den konkreten Projekten und wir stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Verteidigungsindustrie.“

In den nächsten Tagen wird die Kommission neun Ausschreibungen für 2019 veröffentlichen, zwölf weitere werden für 2020 folgen. Diese Ausschreibungen werden sich beziehen auf:

  • Einsatzvorbereitende Operationen, Schutz und Mobilität von Streitkräften: 80 Millionen Euro sind für die Entwicklung von Fähigkeiten zum Aufspüren chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer (CBRN-) Bedrohungspotenziale oder für Drohnenabwehrsysteme vorgesehen.

  • Aufklärung, gesicherte Kommunikation & Cyberraum: 182 Millionen Euro werden für die Cyber-Lageeinschätzung und die Cyberabwehr, die Weltraumlageerfassung und Frühwarnkapazitäten sowie für Fähigkeiten im Bereich der Seeraumüberwachung bereitgestellt.

  • Fähigkeit zur Durchführung hochspezialisierter Operationen: 71 Millionen Euro werden für die Kampfwertsteigerung oder die Entwicklung der nächsten Generation bodengestützter Fähigkeiten für Präzisionsschläge, Boden- und Luftkampffähigkeiten und künftiger Marinesysteme eingesetzt.

  • Innovative Verteidigungstechnologien & KMU: Mit 27 Millionen Euro werden Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, der virtuellen Realität und der Cybertechnologien sowie zur Unterstützung von KMU gefördert.

Darüber hinaus wurden zwei Projekte für eine direkte Vergabe vorgeschlagen:

  • 100 Millionen Euro zur Unterstützung der Entwicklung der Eurodrohne‚ einer wesentlichen Fähigkeit für die strategische Autonomie Europas. Diese Drohne wird unter der Bezeichung MALE RPAS  (medium-altitude, long-endurance remotely piloted air system) federführend von Airbus entwickelt . Mit Turbopropantrieb und vermutlich auch bewaffnungsfähig.

  • Sowie weitere 37 Millionen Euro für die Unterstützung militärischer Nachrichtentechnik, die mit ESSOR (Europäische gesicherte software-definierte Funktechnik) interoperabel und sicher ist.

Im Arbeitsprogramm 2019 werden außerdem 25 Millionen Euro für die Forschung im Bereich der Beherrschung des elektromagnetischen Spektrums („Electromagnetic Spectrum Dominance“) und der künftigen disruptiven, d. h. bahnbrechenden Technologien im Verteidigungsbereich („Future Disruptive Defence Technologies“) bereitgestellt.

Teilnahmeberechtigte Konsortien können sich bis Ende August für die Ausschreibungen für 2019 bewerben. Die ersten Projekte werden vor Ende 2019 ausgewählt, gefolgt von der offiziellen Unterzeichnung der Finanzhilfevereinbarungen.

Die förmliche Genehmigung durch das Europäische Parlament und den Rat steht noch aus.

Deutschland hatte schon im Alleingang versucht eine eigene Flugdrohne für militärische Aufklärungszwecke zu entwickeln. Dieses Eurohawk-Projekt unter Verteidigungsminister Thomas de Maizière endete 2013 in einem finanziellen Desaster. Mittlerweile least die Bundeswehr Aufklärungsdrohnen aus Israel, um diese Fähigkeitslücke zu schließen.

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