2648222

Eugene Kaspersky kritisiert BSI: Angriff auf deutsche Verbraucher

17.03.2022 | 10:42 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Eugene Kaspersky kritisiert heftig die Warnung des BSI vor Kaspersky-Virenschutz. Das sei ein Angriff des BSI auf deutsche Nutzer, auf die Arbeitsplätze tausender deutscher IT-Sicherheitsexperten, auf Strafverfolgungsbeamte und auf deutsche Informatikstudenten.

Update 17.3.: Eugene Kaspersky, der Gründer und Chef des Sicherheitsunternehmens Kaspersky, hat soeben auf der Webseite seines Unternehmens einen offenen Brief an das BSI veröffentlicht. In dem Brief „Kollateralschaden – für die Cybersicherheit“  kritisiert Kaspersky die Entscheidung des BSI in deutlichen Worten als ungerechtfertigt.

Die Vorwürfe des BSI seien „reine Spekulationen, die durch keine objektiven Beweise oder technischen Details gestützt werden“. Kaspersky sieht in der Warnung eine politische Entscheidung, die möglicherweise nicht einmal das BSI selbst getroffen habe. Kaspersky spielt damit vermutlich darauf an, dass das BSI als Bundesbehörde dem Bundesinnenministerium unterstellt ist. Kaspersky geht sogar so weit, zu behaupten, dass die Warnung des BSI die IT-Sicherheit in Deutschland gefährden würde.

Kaspersky fährt fort: Die Warnung des BSI "ist auch ein Angriff auf die Arbeitsplätze tausender deutscher IT-Sicherheitsexperten, auf Strafverfolgungsbeamte, die wir für die Bekämpfung fortschrittlichster Cyberkriminalität trainiert haben, auf deutsche Informatikstudenten, denen wir bei ihrer Ausbildung geholfen haben, auf unsere Partner in Forschungsprojekten in den kritischsten Bereichen der Cybersicherheit und auf zehntausende deutsche und europäische Unternehmen aller Größenordnungen, die wir vor dem gesamten Spektrum von Cyberangriffen geschützt haben."

Bemerkenswert ist, dass Eugene Kaspersky von einem „Krieg“ in der Ukraine spricht – das entspricht nicht der vom Putin-Regime vorgegebenen propagandistisch geprägten Wortwahl für russische Medien, die den Begriff „Krieg“ komplett vermeidet.

BSI warnt vor Kaspersky-Virenschutzsoftware!

Alternativen zu Kaspersky: Die besten Antivirus-Tools im Test

Eintracht Frankfurt wirft Kaspersky als Sponsor raus

Sicherheitsgründe: Keine Bilder mehr von deutschen Autobahn-Webcams

Kaspersky: Partnerschaft mit Eintracht Frankfurt bleibt bestehen

Update Ende

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI warnt vor Kaspersky-Virenschutzsoftware. Benutzer von Kaspersky-Software sollten auf Alternativen umsteigen, die besten Alternativen zu Kaspersky finden Sie hier im Test. PC-WELT fragte bei Kaspersky nach einer Stellungnahme. Diese schickte uns Kaspersky, das auch Sponsor von Eintracht Frankfurt ist , und wir geben diese hier in vollem Wortlaut wieder ( Zitat Anfang ):

„Bei Kaspersky sind wir der Meinung, dass Transparenz und die kontinuierliche Umsetzung konkreter Maßnahmen, mit denen wir unser dauerhaftes Engagement für Integrität und Vertrauenswürdigkeit gegenüber unseren Kunden belegen, von größter Bedeutung sind.

 

Kaspersky ist ein privat geführtes globales Cybersicherheitsunternehmen, und als privates Unternehmen hat Kaspersky keine Verbindungen zur russischen oder einer anderen Regierung.

 

Wir glauben, dass der friedliche Dialog das einzig mögliche Instrument zur Lösung von Konflikten ist. Krieg ist für niemanden gut.

 

Wir haben unsere Datenverarbeitungsinfrastruktur in die Schweiz verlagert: Seit 2018 werden schädliche und verdächtige Dateien, die von Anwendern von Kaspersky-Produkten in Deutschland freiwillig weitergegeben werden, in zwei Rechenzentren in Zürich verarbeitet. Diese Rechenzentren erfüllen erstklassige Branchenstandards und gewährleisten ein Höchstmaß an Sicherheit. Neben unseren Datenverarbeitungseinrichtungen in der Schweiz können die von den Nutzern an Kaspersky übermittelten Statistiken über das Kaspersky Security Network in verschiedenen Ländern der Welt, darunter Kanada und Deutschland, verarbeitet werden. Die Sicherheit und Integrität unserer Datendienste und technischen Praktiken wurden durch unabhängige Bewertungen Dritter bestätigt: durch das SOC 2-Audit eines "Big Four"-Auditors und durch die ISO 27001-Zertifizierung und kürzliche Re-Zertifizierung des TÜV Austria.

 

Kaspersky hat in der Branche Maßstäbe für digitales Vertrauen und Transparenz gesetzt. Unsere Kunden haben die Möglichkeit, eine kostenlose technische und umfassende Prüfung unserer Lösungen durchzuführen:

  • Einsicht in unsere Dokumentation zur sicheren Softwareentwicklung, einschließlich Bedrohungsanalyse, Sicherheitsüberprüfung und Testverfahren zur Anwendungssicherheit;

  • Einsicht in den Quellcode unserer führenden Lösungen, darunter: Kaspersky Internet Security (KIS), unser führendes Produkt für Privatanwender; Kaspersky Endpoint Security (KES), unsere führende Lösung für Unternehmen; und Kaspersky Security Center (KSC), eine Kontrollkonsole für unsere Unternehmensprodukte;

  • Überprüfung aller Versionen unserer Builds und AV-Datenbank-Updates sowie der Arten von Informationen, die Kaspersky-Produkte im Allgemeinen an das cloudbasierte Kaspersky Security Network (KSN) senden;

  • Rebuild des Quellcodes, um sicherzustellen, dass dieser mit öffentlich verfügbaren Modulen übereinstimmt;

  • Überprüfung der Ergebnisse eines externen Audits der technischen Praktiken des Unternehmens, das von einer der Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt wurde;

  • Überprüfung der Software Bill of Materials (SBOM) für Kaspersky Internet Security (KIS), unser Hauptprodukt für Privatanwender, Kaspersky Endpoint Security (KES), unser führende Lösung für Unternehmen, und Kaspersky Security Center (KSC), eine Kontrollkonsole für unsere Unternehmensprodukte.

Wir sind der Meinung, dass diese Entscheidung (Anm. der Red.: Gemeint ist die Warnung des BSI) nicht auf der technischen Bewertung der Kaspersky-Produkte beruht – für die wir uns beim BSI und in ganz Europa immer wieder eingesetzt haben –, sondern vielmehr aus politischen Gründen getroffen wurde. Wir sichern unseren Partnern und Kunden die Qualität und Integrität unserer Produkte zu und werden mit dem BSI zusammenarbeiten, um die Entscheidung zu klären und die Bedenken des BSI oder anderer Regulierungsbehörden auszuräumen." Zitat Ende

PC-WELT Marktplatz

2648222