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Erste Laptops mit Intel Arc Grafikchip erhältlich: Das bedeutet es für Gamer

31.03.2022 | 14:01 Uhr | Sebastian Schenzinger

Intel betritt als dritter Player den Grafikkartenmarkt mit der Arc A-Serie für Mobilgeräte. Damit hält der Hersteller sein Versprechen, die ersten Arc-GPUs im ersten Quartal auf den Markt zu bringen, zunächst gibt es jedoch nur Einsteigermodelle für Laptops. Dennoch lassen sich auch wichtige Infos für Desktop-Gamer ableiten.

Endlich ist es soweit. Nach Jahren der Teaser, Ankündigungen und Versprechen hat mit Intel heute ein dritter Player den Grafikkartenmarkt betreten, um mit den Platzhirschen Nvidia und AMD zu konkurrieren. Der Release erfolgte jedoch nicht so, wie es sich viele Gamer vielleicht gewünscht hätten. So veröffentlichte der Hersteller heute nur mobile Intel Arc Ableger und keine Desktop-Grafikkarten. Und auch hier gibt es zunächst nur die Einstiegslösungen, auf die Mittelklassemodelle müssen wir noch etwas länger warten. Intel begründete dieses Schritt damit, dass das Unternehmen alle essentiellen Techniken wie CPU, Grafik, Medien, Display, und I/O zusammenführen will, weshalb der Release der mobilen Intel Arc GPUs priorisiert wurde. Das soll eine gute Grundlage für die Desktop-Serie bilden.

Was bedeutet der Release von Intel Arc für Gamer?

Der Start der Intel Arc Grafikkarten läutet ein neues Zeitalter für PC-Gamer ein, denn nach langer Zeit haben Käufer wieder drei Hersteller zu Auswahl, wenn es um die Wahl einer neuen GPU geht. Auch wenn es zum Release zunächst nur Einsteiger-GPUs für das Mobilsegment gibt, so ist die Marschrichtung doch klar definiert. Intel versteht sich nicht nur als Anbieter von Computer-Hardware, sondern will ein vollständiges Ökosystem aufbauen, welches die Vorteile einer Arc-GPU und einer Core-i-CPU über Software kombiniert. Die kleinen A350M und A370M GPUs stellen dabei so etwas wie einen Testlauf dar, um die Funktionen bis zum Release der Desktop-Ableger im zweiten Quartal zu optimieren. 

Intel zeigt erstmals Arc-Grafikkarte - so sieht sie aus

Dabei wird jedoch auch klar, dass Gamer sich in Zukunft nicht nur anhand der Leistung und des Preises für eine Hardware entscheiden dürften, sondern auch darüber, welche Software-Funktionen der entsprechende Hersteller anbietet. Nvidia hat hier mit GeForce Experience, Nvidia Shadow Play, der Broadcast-App, DLSS und vielen weiteren Funktionen die Marschrichtung vorgegeben, ehe AMD mit der Adrenalin Edition, FidelityFX Super Resolution, Raytracing und Resizable Bar nachgezogen hat. Auf Seiten von Intel heißen die Software und die zugehörigen Funktionen Arc Control, Deep Link und XeSS, welche wir im folgenden vorstellen. Gerade aufgrund der immer größeren Wichtigkeit von künstlicher Intelligenz für Content-Creator und Entwickler, dürfte das Software-Ökosystem auf kurze oder lange Sicht für Käufer sogar zum ausschlaggebenderen Argument werden als die zugrunde liegende Hardware. 

Intel Arc Alchemist Grafikkarten: Alles zu Performance, Preis und Release der GPUs

Der Release zeigt auch, dass Intel um jeden Preis seine Versprechen einhalten will. Lange gab es Gerüchte und Leaks rund um die Arc-Generation, ehe der Hersteller den Release für das erste Quartal 2022 angekündigt hat. Heute hat Intel dieses Versprechen eingelöst, auch wenn mancher vielleicht kritisieren mag, dass zunächst nur verhältnismäßig schwache Mobil-GPUs zur Auswahl stehen. Und zur Verfügung stehen heißt in diesem Fall auch nur, dass ausgewählte Geräte vorbestellt werden können. Wir haben zum offiziellen Release kein Test-Sample erhalten, um uns von der Performance selbst überzeugen zu können und unseres Wissens nach auch kein anderer Reviewer aus der Tech-Branche.

Intel Arc für Laptops vorgestellt

Intel hat heute die Arc-A-Serie mobiler Grafikprozessoren offiziell vorgestellt, wobei zunächst nur die preisgünstige Arc-3-Serie erhältlich sein wird. Die A350M und der A370M GPU kommen in Laptops zum Einsatz, welche ab heute für mindestens 899 Euro vorbestellt werden können. Die leistungsstärkeren Arc-5- und Arc-7-Notebooks sollen in den nächsten Monaten nachfolgen. Alle Arc-GPUs basieren auf Intels neuer Xe HPG-Grafikarchitektur (zum Artikel) . Das folgende Bild gibt einen Überblick über das mobile Line-Up von Intel:

Intel Arc A-Series Mobile Graphics
Vergrößern Intel Arc A-Series Mobile Graphics
© Intel

Indem Intel sich auf erschwingliche Laptops konzentriert, anstatt sich gleich bei den High-End-Grafikkarten mit den Platzhirschen AMD und Nvidia anzulegen, spielt der Hersteller seine Stärken aus. Ja, Arc wurde in erster Linie für Gamer entwickelt - laut Intel erreichen die Arc-3-Notebooks 60 Bilder pro Sekunde und mehr in AAA-Spielen bei einer Auflösung von 1080p mit mittleren bis hohen Einstellungen sowie 90 FPS und mehr in E-Sports-Titeln. Das entspricht einer Verdopplung der Performance, welche eine integrierte Iris-Xe-Grafikeinheit erreichen kann. Aber Intel Arc hat noch deutlich mehr Features zu bieten.

Gaming at Competitive Frame Rates
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© Intel
A Leap Above Integrated Graphics
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© Intel

Los geh's mit den unterstützen Media-Engines sowie Displays, was für alle Arc-GPUs identisch ist. So unterstützt jeder Arc-Grafikprozessor bis zu vier HDMI 2.0b- und DisplayPort 1.4a-Ausgänge - die Konfiguration variiert je nach Laptop. Die Display-Ausgänge sind in der Lage, bis zu 360 Hz bei einer Auflösung von 1080p und 1440p auszugeben oder zwei 4K/120Hz- respektive 8K/60Hz-Displays anzusteuern. 

Xe Media Engine
Vergrößern Xe Media Engine
© Intel

Die Arc-GPUs unterstützen zudem alle Video-Codecs, die Sie erwarten können, von 8K 10-Bit-HDR-Codierungen bis hin zu HEVC, AVC und VP9. Aber Arc bietet auch etwas, das derzeit kein anderer Mobil-GPU-Hersteller anbietet: hardwarebasierte AV1-Encoding-Acceleration. Moderne Desktop-GPUs unterstützen AV1-Dekodierung, mit der Sie 8K-Videos ansehen können, ohne dass Ihre CPU ins Schwitzen kommt, da sonst Software-Lösungen zum Einsatz kommen.

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Intel gibt an, dass die hardwarebeschleunigte AV1-Erstellung, die durch Arc ermöglicht wird, 50 Mal schneller ist als Software-Codierungen. In einem kurzen Video, das einen auf 5 Mbps gelockten Stream von Elden Ring in X-Split zeigt, lieferte ein AV1-Stream eine viel bessere visuelle Darstellung als der Standard-H.264-Encoder und zeigte Gras, Büsche, Wände und andere feine Elemente viel deutlicher an.

Wenn in einem Laptop sowohl eine Intel Arc GPU als auch eine Core-i-CPU zum Einsatz kommt, kann der Nutzer dank der Funktion Deep Link von weiterer Performance profitieren. Deep Link ist grundlegend nicht neu und kam bereits bei Laptops mit Xe-Max-GPUs zum Einsatz. Mit der Markteinführung von Arc will Intel das Feature weiter verbessert haben, es dreht sich um drei Schlüsselfunktionen.

Dynamic Power Share
Vergrößern Dynamic Power Share
© Intel

Dynamic Power Share verteilt auf intelligente Weise Leistung zwischen CPU und GPU und gibt beiden mehr Leistung, wenn sie benötigt wird - ähnlich wie AMDs konkurrierende SmartShift-Technologie oder Nvidias Dynamic Boost. Das System prüft dabei in 100-Mikrosekunden-Intervallen (oder 10 Mal pro Sekunde), wie stark die Arc GPU belastet wird. Wenn die Auslastung der Arc-GPU hoch ist, stellt das System der Grafikeinheit mehr Leistung zur Verfügung. Liegt die Auslastung nicht so hoch, leitet Dynamic Power Share mehr Leistung an den Prozessor weiter.

oneVPL API
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© Intel

Die übrigen Deep-Link-Funktionen setzen kompatible Software voraus: Mit Hyper Encode können Programme   auf alle verfügbaren Intel-Media-Engines im Laptop gleichzeitig zugreifen wie es bei der Videokodierung üblich ist - anstatt nur die CPU oder die GPU anzusprechen. Intels o neVPL-API teilt Medientranscodierungen in Stapel von Einzelbildern auf und schickt die Daten sowohl an die Arc-GPU und den Core-i-Prozessor als auch die integrierte Grafikeinheit zur Weiterverarbeitung. Dadurch wird die gesamte verfügbare Hardware optimal genutzt, um die Kodierung so schnell wie möglich abzuschließen. Laut Intel kann Hyper Encode bis zu 60 Prozent mehr Leistung bieten als die integrierte Iris-Xe-Grafik von Alder Lake allein.

OpenVINO
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© Intel

Schließlich gibt es noch Hyper Compute , eine neue Deep-Link-Funktion. Hyper Compute nutzt alle "XMX"-Kerne, welche in den Arc-GPUs stecken, um KI-Aufgaben zu beschleunigen, wobei eine neue "Machine Learning Service"-API für OpenVINO zum Einsatz kommt. Hyper Compute ermöglicht es der Software, die Eingabeframes in verschiedene Cluster aufzuteilen und diese sowohl an die integrierte Grafik der Intel-CPU als auch an die Arc-GPU zu senden, um sie anschließend wieder zu einem Frame zusammenzusetzen.  Intel behauptet, Hyper Compute biete bis zu 24 Prozent zusätzliche Leistung bei der Hochskalierung mittels künstlicher Intelligenz.

Hyper Compute
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© Intel

Intel XeSS und KI in Spielen

Content-Entwickler sind jedoch nicht die Einzigen, welche die für KI-optimierten XMX-Kerne nutzen könnenn. Bei der Vorstellung der Arc-GPUs im August letzten Jahres hat Intel auch XeSS (zum Artikel) vorgestellt, das eine Alternative zu Nvidias DLSS und AMDs FSR 2.0 darstellen soll. Es zapft die XMX-Kerne an, um mithilfe von KI ein internes Rendering mit einer niedrigeren Auflösung auf die native Monitorauflösung über Bewegungsvektoren hochzuskalieren und zu glätten, was zu einer drastischen Leistungssteigerung mit geringen bis keinen visuellen Auswirkungen führen soll. Noch besser ist, dass es eine Fallback-Technologie für Grafikkarten ohne XMX-Kerne gibt, was bedeutet, dass XeSS auch auf Nvidia- und AMD-GPUs funktioniert.

XeSS
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© Intel

Wie DLSS und AMDs kommendes FidelityFX Super Resolution 2.0 erfordert auch XeSS, dass Spielehersteller die Funktion in ihre Spiele implementieren. Zur Arc-Einführung hat Intel eine Handvoll Spiele vorgestellt, welche XeSS bis zum Frühsommer unterstützen sollen, darunter Death Stranding, Ghostwire Tokyo, Hitman III und Chivalry II. Aber XeSS ist nicht die einzige Möglichkeit, mit der die Arc-GPUs KI nutzen werden. Wie Nvidia führt auch Intel KI-basierte Tools ein, welche das Spielerlebnis durch eine völlig neue Arc-Steuerungsoberfläche mit modernem Overlay-Design ergänzen.

Intel Arc Control
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© Intel

Über Arc Control sind Sie in der Lage sein, die Leistung Ihrer GPU zu überwachen und zu optimieren, Ihre Treiber automatisch zu aktualisieren, globale Einstellungen zu verwalten, Ihre installierte Spielebibliothek im Auge zu behalten und vieles mehr. Aber es geht noch weiter: Intel Mitarbeiter Tom Peterson gab an, dass Intel eine neue Steuerungs-API anbieten wird, mit der Software von Drittanbietern die Funktionen von Arc Control nutzen können, so dass beliebte Programme wie RivaTuner oder MSI Afterburner die gleichen Funktionen anbieten können.

Intel Arc Control
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© Intel

Wie die Konkurrenten AMD und Nvidia will Intel des weiteren ein Creator Studio anbieten, das die Übertragung auf Twitch, YouTube und andere Plattformen erleichtert - hier kommt erneut die AV1-Kodierung ins Spiel. Intel willl die XMX-Kerne nutzen, um KI-gestützte Kamerafunktionen wie ein Unschärfen oder Entfernen des Hintergrunds sowie eine  automatische Rahmung zu ermöglichen. Das klingt ähnlich wie die Broadcast-Suite von Nvidia.

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