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Entbündelung: Warten auf die Reg TP

Telefonieren über die Internet-Leitung könnte langfristig dazu führen, dass immer mehr Anwender ganz auf ihren herkömmlichen Festnetzanschluss verzichten und nur noch einen DSL-Anschluss betreiben. Doch dazu müsste die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) die Entbündelung von Telefon- und Internet-Anschluss genehmigen. "Die Anbieter von VoIP-Telefonie arbeiten zusammen mit der Regulierungsbehörde an einer solchen Lösung", sagt Ole Wegner, Mitglied der Geschäftsleitung bei Freenet. "Aber die Verhandlungen sind zäh und langwierig und werden durch viele Einzelfragen in die Länge gezogen." Denn die T-Com, die in Deutschland den Löwenanteil der privaten Anschlüsse unterhält, hat kein Interesse daran, diese sichere Einnahmequelle teilweise zu verlieren. Zumindest in den größeren Städten, die über ein DSL-fähiges Netz verfügen, würden sich wohl über kurz oder lang viele Kunden gegen den traditionellen Telefonanschluss entscheiden. Je nach Anschlussart könnten sie so monatlich zwischen 15 und 30 Euro an Grundgebühren einsparen.

Ein weiteres wichtiges Problem, das erst noch gelöst werden muss, sind Sonderrufnummern. Nicht nur die Konditionen für das Durchstellen von Mehrwertdiensten mit den Vorwahlen 0180 und 0190 sind hier auszuhandeln, offen ist auch die Frage, wie man Notrufnummern wie 110 und 112 erreicht. Denn die Zuordnung zur nächstliegenden Notrufstation wie bei herkömmlicher Telefonie ist nicht möglich – die Nummer ist ja personen- und nicht ortsgebunden. Bis es aber so weit ist, werden Sie um Ihren Festnetzanschluss nur schwer herumkommen. Lediglich einzelne Firmen, etwa QSC (www.qsc.de), bieten reine Internet-Anschlüsse an, allerdings nicht flächendeckend – und zu einem Preis, bei dem Sie im Vergleich zur T-Com-Lösung mit Telefonanschluss kein Geld sparen. Eine DSL-Flatrate mit 1024 KBit/s und der Grundgebühr für Voice-over-IP-Telefonie kostet bei QSC rund 64 Euro.

Neben der fehlenden Entbündelung haben die Anbieter von IP-Telefonie noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. So dürfen diese dem Kunden nämlich nur noch eine Telefonnummer zuteilen, die in dessen Ortsnetzbereich liegt. Dass sich ein Berliner etwa eine Nummer aus München oder Köln zulegt, damit ihn sein dortiger Freundeskreis zu Ortsgesprächsgebühren erreichen kann, ist nicht mehr möglich. Wer eine solche Nummer besitzt, wird über kurz oder lang umgestellt werden – auch wenn einige Firmen ihren Kunden noch versprechen, dass sie ihre Nummer behalten können. Für die Provider bedeutet das, dass sie aufwendige Vermittlungstechnik installieren und unterhalten müssen – eine teure und lästige Verpflichtung. Deshalb werden erst einmal die Vorwahlen der größeren Städte unterstützt. Beispielsweise bietet Sipgate zurzeit Nummern in 1000 Ortsnetzen an.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 5200 Ortsnetze, so dass man keineswegs von einem flächendeckenden Angebot sprechen kann. Immerhin hat die Reg TP bereits die Vorwahl 032 verabschiedet, die speziell für VoIP-Anschlüsse eingerichtet wurde. Sie soll die herkömmlichen Ortsnetze entlasten und den Ansturm auf neue Nummern kanalisieren helfen. Im Januar endete die Frist, zu der die VoIP-Provider Nummernkontingente für den neuen Netzbereich beantragen konnten. Bis die ersten mit 032 beginnenden Nummern eingesetzt werden können, wird allerdings nach Einschätzung von Branchenkennern noch einige Zeit vergehen. Denn ungeklärt sind bislang vor allem die Fragen, zu welchen Konditionen die Nummern aus den herkömmlichen Netzen anzuwählen sind und ob und wie Gespräche überhaupt durchgeleitet werden.

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