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ESP: Tausendfacher Lebensretter wird 25 Jahre alt

19.05.2020 | 15:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Vor 25 Jahren wurde das erste Auto mit ESP verkauft. Seit damals rettet ESP vielen Tausend Menschen allein in der EU das Leben. Ein Rückblick.

Das Elektronisches Stabilitäts Programm ESP, oft auch als Electronic Stability Control ESC bezeichnet, feiert seinen 25. Geburtstag. Denn 1995 war das erste Auto mit ESP erhältlich: Die damalige Mercedes-Benz S-Klasse, genauer gesagt das Mercedes-Benz S 600 Coupé der Baureihe 140, besaß ESP standardmäßig. Die gleichfalls mit V12-Motor ausgestatteten S 600 Limousinen und der SL 600 folgten ab September 1995. Ab diesem Zeitpunkt war ESP zudem in den S-Klasse Limousinen und Coupés mit V8-Motor und der SL-Klasse optional erhältlich.

Das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP hält Fahrzeuge bei plötzlichen Ausweichmanövern - besonders auch auf nasser Fahrbahn - in der Spur und verhindert im Rahmen des physikalisch Möglichen ein Ausbrechen, Schleudern oder Überschlagen des Fahrzeugs. ESP baut auf dem Antiblockiersystem (ABS) und der Antriebsschlupfregelung (ASR) auf, verwendet jedoch zusätzliche Sensorik wie Lenkwinkel-, Querbeschleunigungs- und Gierratensensoren. Der von Bosch produzierte Gierratensensor erfasst präzise die Drehbewegungen des Fahrzeugs um seine Hochachse – so kann die Elektronik zum Beispiel Schleuderbewegungen erkennen. Auf der Grundlage dieser Daten errechnet das System in Millisekunden korrigierende Bremsreaktionen.

Das Elektronische Stabilitäts-Programm soll nach Berechnungen der Bosch-Unfallforschung allein in der EU rund 15.000 Menschen das Leben gerettet und knapp eine halbe Million Unfälle mit Personenschaden verhindert haben. Doch auch 25 Jahre nach seiner Markteinführung ist ESP noch nicht in jedem Auto Standard, derzeit haben nur 82 Prozent aller neuen Pkw weltweit 2020 den Schleuderschutz an Bord. In der Europäischen Union wurde ESP schrittweise vorgeschrieben, zunächst ab November 2011 für neue Personenwagen- und Nutzfahrzeugtypen und ab dem 1. November 2014 für alle neu zugelassenen Pkw und Nutzfahrzeuge.

In den 1980er-Jahren begannen Bosch und Daimler-Benz unabhängig voneinander mit der Forschung an einem Anti-Schleudersystem. Ab 1992 arbeiteten die Experten beider Unternehmen in einem Projekthaus bis zur Markteinführung zusammen, 1994 wurde das neue System als Fahrdynamik-Regelung (FDR) bezeichnet. Ab 1995 hieß es dann ESP.

Zum Durchbruch verhalf dem System der legendäre Elchtest im Jahr 1997 : Bei einem abrupten Ausweichmanöver im Test einer schwedischen Autozeitschrift verlor die A-Klasse das Gleichgewicht, woraufhin das ziemlich blamierte Mercedes-Benz das ESP serienmäßig nachrüstete. Bosch hat den Schleuderschutz seit 1995 weiterentwickelt und laut eigenen Angaben bisher mehr als 250 Millionen ESP-Systeme gefertigt.

Für motorisierte Zweiräder hat Bosch ebenfalls eine Art ESP entwickelt: Die 2013 erstmals auf den Markt gebrachte Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC). ESP ist zudem die Basistechnologie für viele Fahrerassistenzsysteme und das automatisierte Fahren.
ESP macht Autos aber schwerer, in diesem Artikel verraten wir, wie viel ein ESP-System wiegt: Sicherheit macht Autos schwerer.

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