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E-Auto-Kauf: Bundesdatenschutzbeauftragter kritisiert VW – "macht mich wahnsinnig"

25.05.2022 | 08:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber kritisiert Volkswagen massiv: "macht mich einfach wahnsinnig". Update: VW antwortet zwar auf die Kritik, geht aber auf Kelbers konkrete Vorwürfe überhaupt nicht ein.

Update 25.5.: Volkswagen hat uns zwar auf Nachfrage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen von Ulrich Kelber geschickt. Doch in dieser Stellungnahme geht VW auf keinen einzigen der zahlreichen Kritikpunkte von Kelber ein:

  • "Bis heute NULL aktive Kommunikation durch VW"

  • "Obwohl ich direkter Kunde von VW bin, haben weder ich noch der vermittelnde Händler bis heute auch nur eine aktive Information von VW erhalten. Nicht am ursprünglichen Liefertermin und auch bis heute nicht." 

  • VW antwortet nicht auf den Vorwurf, dass Kelber statt einer Antwort auf seine Fragen solche Mails bekam: "Welche Autos ich denn sonst noch kaufen könnte. Erfolgsmeldungen über Massenauslieferungen meines Modells an Firmenkunden etc."

  • VW antwortet auch nicht auf diese Kritik Kelbers: "Meine Daten habt Ihr für die Vertragsangelegenheiten und für Neuigkeiten zu meinem Automodell erhalten. Dafür nutzt ihr sie nicht, aber für Reklame."

  • Und von VW gibt es auch kein Wort dazu: "Stattdessen muss ich mitansehen, dass man beim teureren Abo-Modell das Fahrzeug fast sofort haben kann. Offizielle Ausrede: Das seien ja Vorführwagen etc. Mag stimmen, aber diese werden nach Abo-Vermittlung dann ja durch Neuwagen ersetzt"

Stattdessen äußert sich VW nur sehr allgemein dazu, dass "die aktuelle Liefersituation unbefriedigend" sei und man den Kunden zurzeit nicht immer verbindliche Liefertermine nennen könne. VW betont noch einmal die derzeitigen Lieferengpässe. Für diese Probleme hatte Kelber aber ohnehin in seinen Tweets Verständnis gezeigt. VW schließt seine allgemein gehaltene Stellungnahme mit den Worten: "Dessen ungeachtet können wir die Unzufriedenheit von Herrn Kelber im konkreten Fall absolut nachvollziehen. Wir werden den Fall prüfen und mit ihm Kontakt aufnehmen." Update Ende

Der Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber hat laut eigenen Angaben vor einem Jahr ein Elektro-Auto bei Volkswagen zum Leasing bestellt (das konkrete Modell nennt Kelber nicht). Auf dieses Auto wartet Kelber noch immer – und VW hält es nicht für nötig den Kunden zu informieren. Kelber platzt nun auf Twitter der Kragen. In einer Reihe von Tweets unter dem Titel „Nachhaltigkeits-, Service- und Digitalkompetenz von Unternehmen“ beschreibt Kelber das Verhalten von VW.

„Vor einem Jahr habe ich ein Elektroauto bestellt. Bis heute ist es nicht geliefert. Bis heute NULL aktive Kommunikation durch VW“, legt Kelber los. Dass ein Kunde ein Jahr nach der Bestellung eines Autos nicht weiß, wann er sein Fahrzeug erhält, ist in der Tat extrem kundenunfreundlich. Kelber betont, dass sogar Kelbers vermittelnder VW-Händler keine Informationen vom Konzern erhalten habe.

Der ursprüngliche Liefertermin verstrich, ohne dass VW ihn darüber informierte, so Kelber. Und auch danach kamen keine Informationen aus Wolfsburg zum Liefertermin. Stattdessen schickte Volkswagen aber eifrig Werbemails. In diesen Mails kann Kelber zum Beispiel lesen, wie viele Fahrzeuge des von ihm bestellten Modells VW bereits an Firmenkunden ausgeliefert habe. Da kommt doch Freude beim Privatkunden auf. VW informiert Kelber auch darüber, welche Autos er sonst noch bei VW kaufen könnte. Nur zu dem von ihm bestellten Volkswagen schweigt VW.

Also fragte Kelber nach. Doch auch auf Nachfrage sah sich der Automobil-Gigant aus Wolfsburg nicht in der Lage, Angaben zum Liefertermin des bestellten E-Autos machen zu können. Kelber bemerkt darüber hinaus, dass das von ihm bestellte E-Auto bei VW sofort verfügbar sei. Und zwar im Rahmen des „ teureren Abo-Modells “, wie Kelber schreibt. VW begründet das damit, dass es sich dabei um Vorführwagen handeln würde. Nur müssen diese nach Vermittlung ja auch einmal durch Neuwagen ersetzt werden. Kelber betont, dass er seine Daten für die Vertragsangelegenheiten und für Neuigkeiten zu seinem Automodell an VW gegeben habe. Doch VW würde Kelbers Daten nicht für diesen Zweck, sondern für Reklame verwenden.

Kelbers Fazit an die Adresse von VW: „Es wäre mein erster Volkswagen, wenn das so unprofessionell weitergeht, sicherlich auch der Letzte“. Wobei Kelber Verständnis für die Lieferschwierigkeiten infolge von Chipmangel etc. äußert. Doch entschuldige das ja nicht die miserable Kommunikationspolitik, wie Kelber meint: „Aber diese völlige Unfähigkeit zur Kommunikation im Zeitalter von CRM macht mich einfach wahnsinnig“.

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