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Disk mit Backup der Erde auf dem Weg zum Mond

25.02.2019 | 12:49 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Eine Spezial-Disk, die das Wissen der Menschheit enthält, ist aktuell auf dem Weg zum Mond. Zum Inhalt gehört die komplette Wikipedia.

Die Arch Mission Foundation (AMF) hat mit der SpaceX Falcon 9 auch eine Spezial-Disk ins All geschossen, die das Wissen über die Menschheit enthält. Der Datenträger befindet sich an Bord der israelischen Raumsonde Beresheet. Es handelt sich dabei um die erste vollständig privat finanzierte Mondmission. Teil der Mission ist es, das Magnetfeld des Mondes zu untersuchen. An Bord der Sonde befindet sich aber auch der bereits erwähnte speziell angefertigte Datenträger, der das Wissen von und über die Menschheit enthält. Aktuell ist die Landung für den 11. April 2019 geplant.

Ziel der Arch Mission Foundation ist es, dass Menschheitswissen dauerhaft zu retten, für den Fall, dass die Erde oder die Menschheit aufgrund einer Katastrophe vernichtet werden sollten. Daraus entstand die Idee für "The Lunar Library" - eine Art kosmischer Bibliothek auf dem Mond. Quasi mit Band 1: "Die Erde". AMF selbst bezeichnet das ganze Projekt als den "Backup-Plan für die Menschheit".

Für die Aktion wurde speziell ein Datenträger angefertig, der zum ersten Mal im vergangenen Jahr getestet wurde, als Elon Musk am 7. Februar 2018 seinen roten Tesla Roadster ins Weltall schoss. An Bord des Autos war ein Prototyp des Datenträgers, auf dem Werke des Sci-Fi-Autors Isaac Asimov gespeichert sind.

Wie AMF berichtet , sind auf dem nun auf den Weg gebrachten Datenträger mehr als 30 Millionen Seiten gespeichert. Dabei handle es sich um ein Archiv der menschlichen Geschichte und aller Zivilisationen. Abgedeckt werden dabei alle Kulturen, Nationen, Sprachen, Bereiche und Zeitperioden. Der Datenträger wiegt ungefähr 100 Gramm und sieht aus wie eine 120mm-Disk. Sie wurde aber aus 25 Nickel-Disks zusammengesetzt, die jeweils 40 Mikrometer dünn sind und vom Unternehmen NanoArchival produziert wurde.

In welchem Datenformat sind die Informationen abgelegt? Die kurze Antwort lautet: Zunächst in gar keinem Dateiformat. Schließlich könnte ein Entdecker, sei es ein Außerirdischer oder unsere Nachfahren in tausenden von Jahren, wohl nichts mit einem mittlerweile nicht mit mehr existierenden Datenformat anfangen. Aus diesem Grund sind die Informationen auf den ersten vier Lagen rein optisch sichtbar abgelegt.

Die ersten vier Layer enthalten 60.000 analoge Bilder von Bücherseiten, Fotografien, Illustrationen in einer Qualität von 150 bis 200 dpi. Der Inhalt des ersten Layers ist mit bloßem Auge zu sehen und mit einer starken Lupe auch lesbar. Hier sind 1.500 Seiten und Fotos gespeichert. Je höher die Vergrößerung desto besser werden die Inhalte lesbar. Zum Lesen der Inhalte auf den drei folgenden Schichten müssen die Finder des Datenträgers ein Mikroskop mit 1000facher Vergrößerung verwenden.

In den ersten vier Layer erhalten die Entdecker des Datenträgers alle Informationen, die man benötigt, um die menschliche Sprache zu erlernen. Hinzu kommen alle Informationen zum Datenformat, welches dann auf den restlichen Schichten zum Einsatz kommt.

Mit diesem Wissen können die Entdecker dann etwas mit den restlichen Informationen auf dem Datenträger anfangen: Jeder der folgenden 21 Layer mit jeweils 40 Mikrometer Dicke enthält nämlich einen DVD-Datenträger. Das macht in der Summe über 100 Gigabyte an komprimierten und etwa 200 Gigabyte an unkomprimierten Daten: Dazu gehören die komplette englischsprachige Wikipedia, zehntausende Romane und Sachbücher im PDF-Format, wissenschaftliche Dokumente, technische Handbücher und vieles mehr. Hinzu kommen linguistische Informationen zu über 5.000 Sprachen und 1,5 Milliarden Übersetzungen innerhalb dieser Sprachen.

Das alles, so heißt es auf der Seite der AMF, sei aber nur der Anfang. In der "Lunar Bibliothek" stecke noch viel mehr, was man erst in den kommenden Monaten und Jahren enthüllen werde. Abschließend wird darauf hingewiesen, dass das Wissen der Menschheit über mehr Wege geschützt werden soll und der Mond nur ein Ablageort für die Informationen sei. Nach und nach sollen die Informationen über verschiedene Arten und Wege innerhalb unseres Sonnensystems verbreitet werden, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Informationen für die Ewigkeit erhalten bleiben. Selbst dann, wenn es die Menschheit selbst schon lange nicht mehr gibt.

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