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Diese Netflix-Filme sollten Sie gesehen haben

16.07.2021 | 15:20 Uhr |

Netflix hat Zehntausende von Stunden an Filmen und nicht jede Eigenproduktion ist gut. Das sind die besten Original-Netflix-Filme!

Seit dem Start des ersten Originalfilms im Jahr 2015 hat sich Netflix (hier ab 7,99 Euro/Monat im Abo) zu einer wahren Macht im Unterhaltungsgeschäft entwickelt. Netflix konkurriert stark mit den großen Filmstudios, sammelt Oscars und Emmys und hat sich sogar die Ehre verdient, eine Handvoll seiner Filme auf Criterion-DVDs und -Blu-rays veröffentlichen zu lassen.

Hier ist unsere Übersicht der besten Netflix-Originalfilme, die es wert sind, sie zu sehen (und immer wieder erneut zu sehen). Übrigens: Serienfans empfehlen wir unseren Beitrag - Die besten Netflix-Serien (2021)

Always Be My Maybe

Szene aus dem Netflix-Film: Always Be My Maybe
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© Netflix

Die romantische Komödie Always Be My Maybe (2019, hier auf Netflix), geschrieben von und mit Randall Park und Ali Wong in den Hauptrollen, folgt einer ziemlich standardmäßigen romantischen Komödienformel, ist dabei aber so überraschend frisch und spritzig, dass sie sich wie etwas Neues anfühlt; sie ist verrückter und reicher als "Crazy Rich Asians". Park und Wong spielen Kindheitsfreunde, die sich nach einem ungeschickten Versuch von Teenager-Sex zerstreiten.

Als Erwachsene ist Wong eine ehrgeizige Starköchin geworden und Park ist damit zufrieden, seine albernen, eingängigen Hip-Hop-Songs in jedem kleinen Lokal in San Francisco zu spielen. Als Wong in die Stadt kommt, um ein neues Restaurant zu eröffnen, purzeln all die alten Gefühle wieder hervor. Mit Parks gemächlicher Darbietung und Wongs hektischer Intensität haben die beiden Stars eine perfekt Chemie, und Keanu Reeves' vielbeachteter Cameo-Auftritt ist ein Sahnehäubchen.

Beasts of No Nation

Szene aus Beasts of No Nation
Vergrößern Szene aus Beasts of No Nation
© Netflix

Netflix' allererster Original-Film, Cary Joji Fukunagas Beasts of No Nation (2015, hier auf Netflix) , löste bei seinem Erscheinen eine ziemliche Kontroverse aus; bestimmte Kinoketten boykottierten ihn, und dann (möglicherweise im Zusammenhang damit) erhielt der Film keine Oscar-Nominierungen, was eine Empörung über mangelnde kulturelle Vielfalt auslöste. Aber all das beiseite, ist der Film selbst ein Kraftpaket, brutal, knackig-schnell und trotzdem irgendwie optimistisch.

Abraham Attah gibt eine erstaunliche Leistung als Agu, ein kleiner Junge, der in einen afrikanischen Bürgerkrieg gerät. Als sein Vater und sein Bruder getötet werden, flieht er in den Dschungel und wird von einer Gruppe von Guerillasoldaten entdeckt, die meisten von ihnen nicht viel älter als Agu und angeführt von dem furchterregenden Commandant (gespielt von Idris Elba). Commandant sichert ihr Überleben, setzt sie aber auch schockierenden Gräueln aus. In einem herzzerreißenden Moment sehen wir, wie Agu gefühllos geworden ist, lacht und spielt, während hinter ihm Männer erschossen werden. Elbas Darstellung ist monströs, stolz, eitel und niederträchtig, und der Schauspieler erhielt zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen für seine Leistung.

Dolemite Is My Name

Das Biopic Dolemite Is My Name (2019, hier auf Netflix) , geschrieben von den Meistern des Biopics, Scott Alexander und Larry Karaszewski (Ed Wood, The People vs. Larry Flynt, Man on the Moon, Big Eyes), konzentriert sich auf einen Mann, den manche für ein wenig talentierten Menschen halten würden: Rudy Ray Moore. Er war ein sich abmühender Musiker und Komiker, der schließlich mit seiner "Dolemite"-Figur einen Hit landet und beschließt, seinen eigenen Low-Budget-Film zu drehen, ohne Rücksicht auf Talent oder Know-how.

Eddie Murphy gibt eine meisterhafte Performance als Moore, eine seiner besten in seiner Karriere, und findet Momente des Stolzes, der Menschlichkeit und der Demut in der schrägen Figur. Wesley Snipes ist urkomisch als der dubiose Regisseur D'Urville Martin, aber Da'Vine Joy Randolph als Darstellerin von Lady Reed ist der Schlüssel zum Ganzen. Am Tag der Premiere sagt sie zu Rudy: "Ich habe noch nie jemanden, der so aussieht wie ich, auf der Leinwand gesehen", und das ist ein Moment für die Ewigkeit.

Das Spiel (Gerald´s Game)

Szene aus dem Netflix-Film "Das Spiel"
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© Netflix

Der König des Netflix-Horrors, Mike Flanagan, ist der Mann hinter Before I Wake (hier auf Netflix) und Hush , sowie der Serie The Haunting of Hill House . Sein Das Spiel (im Original "Gerald's Game", 2017, hier auf Netflix) ist sicherlich eine der besten Stephen-King-Adaptionen der letzten Jahre. Der Film spielt fast ausschließlich in einem Schlafzimmer und erinnert an Misery, erzählt aber seine eigene unglaubliche Geschichte mit eigenen psychologisch starken Wendungen.

Jessie (Carla Gugino) und ihr Mann Gerald (Bruce Greenwood) fahren in ein abgelegenes Haus am See, um ein Wochenende lang Sex zu haben. Doch gerade als Gerald beginnt, unangenehm pervers zu werden, stirbt er an einem Herzinfarkt und lässt Jessie ans Bett gefesselt zurück. Ein streunender Hund kommt ins Spiel (ein Hauch von Cujo), und sie beginnt, mit Erscheinungen von sich selbst und ihrem Mann zu sprechen und Erinnerungen an ihre Kindheit zu erleben, die irgendwie mit ihrer aktuellen Situation zu tun haben. Schlimmer noch, sie beginnt, ein Monster zu sehen, ein großes Ding, das eine Kiste mit Knochen trägt, in einer dunklen Ecke.

Viele Horrorfilme lassen den Ball vor dem Ende fallen, aber Flanagan führt diesen zu einem logischen und zufriedenstellenden Ende.

Fremd in der Welt (I Don’t Feel at Home in This World Anymore)

Die wunderbare, in Neuseeland geborene Schauspielerin Melanie Lynskey spielt in I Don't Feel at Home in This World Anymore (2017, hier auf Netflix) die Hauptrolle der Ruth Kimke, einer Pflegehelferin, die einen sehr schlechten Tag hat. Ein Patient stirbt vor ihren Augen (nach ein paar fiesen, vulgären letzten Worten), ein Mann in einer Bar ruiniert einen großen Plot Twist in einem Buch, das sie gerade liest, und zu allem Überfluss wird in ihr Haus eingebrochen. Die Polizei schimpft nur darüber, dass sie nicht besser abschließt, aber als ihr Telefon den Standort ihres gestohlenen Laptops anzeigt, heuert sie einen verrückten Nachbarn, Tony (ein perfekter Elijah Wood), an, der eine Sammlung von Ninja-Wurfsternen besitzt, um ihr zu helfen, ihn zurückzubekommen. Von dort aus finden sie Hinweise, die zum Rest ihres Diebesgutes führen, vor allem zum Silberbesteck ihrer Großmutter, aber die Dinge nehmen eine sehr seltsame Wendung.

Dies ist das Regiedebüt des Schauspielers Macon Blair (Blue Ruin und Green Room); Blair hat auch das Drehbuch geschrieben, und der Film beschäftigt sich auf clevere und urkomische Weise mit den alltäglichsten Sorgen des Lebens, die von den meisten Filmen einfach ignoriert werden. Der Wechsel des Tons von der ersten zur zweiten Hälfte des Films kann schockierend sein, ist aber letztendlich seltsam befriedigend.

Marriage Story

Noah Baumbachs quasi-intellektuelle New-York-Dramen erinnern meistens mehr als ein wenig an Woody Allen und sind oft ängstlich und irritierend, aber für diesen Film grub er viel tiefer und schlug etwas Ehrlicheres an. Und mit kühleren Schauspielern (Adam Driver und Scarlett Johansson), statt etwa den überdrehten Ben Stiller und Dustin Hoffman in Baumbauchs anderem Netflix-Film (The Meyerowitz Stories), erreicht Marriage Story (2019, hier auf Netflix) ein wirklich berührendes emotionales Zentrum.

Driver und Johansson spielen ein New Yorker Showbiz-Paar - er ein Theaterregisseur, sie eine Filmschauspielerin - deren Beziehung zu bröckeln beginnt, obwohl sie sich immer noch mehr oder weniger mögen. Der Film dokumentiert die Höhen und Tiefen des Trennungsprozesses, und der Einsatz von Erzählungen - als Teil der Paartherapie - ist genial. Die beiden Hauptdarsteller erhielten Oscar-Nominierungen, ebenso wie Laura Dern als Johanssons gewitzte, bösartige Anwältin.

The Other Side of the Wind

Nachdem er Citizen Kane im Alter von 25 Jahren gedreht hatte, hatte es Orson Welles nie wieder so leicht. Er drehte 12 weitere Filme, und obwohl sie alle großartig sind, litten sie unter immer kleineren Budgets und eher chaotischen Produktionen. Die letzten Jahre seines Lebens, bis zu seinem Tod 1985, verbrachte er mit dem Versuch, Geld zu finden, um seine vielen unvollendeten Projekte zu beenden. Das wichtigste davon war The Other Side of the Wind (2018, hier auf Netflix) , über einen 70-jährigen Filmemacher (John Huston), der versucht, einen Film fertigzustellen, während er von Leuten umgeben ist, die ihn entweder bewundern oder verraten. Der extrem seltsame und künstlerische, aber unglaublich einfallsreiche und hypnotisierende Film wurde zwischen 1970 und 1976 gedreht und war mehr oder weniger fertiggestellt - drei Sequenzen wurden sogar geschnitten -, aber Teile des Films gehörten verschiedenen Geldgebern und niemand konnte sich darauf einigen, wie man das Ganze zusammenbringen sollte.

Der Filmemacher Peter Bogdanovich, der auch im Film vorkommt, hat jahrzehntelang dafür gekämpft. Schließlich besiegelte die Macht von Netflix den Deal, und ein Wunder geschah: ein neuer Orson Welles-Film erschien.

Roma

Alfonso Cuaróns Roma (2018, hier auf Netflix) war der Film des Jahres und einer der besten seines Jahrzehnts, eine wunderschöne, schwarz-weiße Meditation über die Kindheitsjahre des Filmemachers in Mexiko (auf Spanisch, mit deutschen Untertiteln). Er konzentriert sich auf Cleo (Yalitza Aparicio), das Hausmädchen einer wohlhabenden Familie, im Laufe eines Jahres in den frühen 1970er Jahren. Der Ehemann der Familie verlässt sie wegen einer anderen Frau, und die Ehefrau (Marina de Tavira) versucht, alles zusammenzuhalten, während Cleo schwanger und ihr Freund verschwunden ist. Mit weitläufiger und doch filigraner, exquisiter Kinematografie und Sounddesign balanciert Cuarón dunkle Vorahnungen, Momente der Leichtigkeit und Freude und schockierende Tragödien mit einem Gefühl wahrer Poesie.

Wie auch der Oscar-prämierte Gravity ist dieser Film ein erstaunliches visuelles und technisches Wunderwerk, aber auch - wie eine andere von Cuaróns Geschichten über junge Frauen, A Little Princess - zart und liebevoll. Eine Ode an die Vergangenheit und die Zukunft des Kinos, die das Niveau von Welles, Kubrick und anderen Meistern erreicht.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst in englischer Sprache hier bei unserer Schwesterpublikation Techhive.com.

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