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Die ultimative Lösung

10.11.2004 | 12:15 Uhr | Markus Pilzweger

Die Herstellung derartiger Spiele verbieten. Mensch, dass darauf noch keiner gekommen ist! Toll. Also aufgepasst Rockstar Games: Zukünftig dürft ihr solche Titel nicht mehr programmieren und Blue Byte kann seine komplette Siedler-Reihe einstampfen, weil dort Soldaten niedergemetzelt werden. De facto ein Berufsverbot. Beckstein haben fertig.

Aber dann können wir auch gleich daran gehen und die Produktion aller Horror- und Actionfilme ab 18 verbieten, Alkohol und Tabak gleich mit und der Tatort um 20:15 wird durch den Musikantenstadl ersetzt - oder sollte man diesen nicht doch gleich als jugendgefährdend mitverbieten? Ach, bei Alkohol und Tabak war ja was mit Steuereinnahmen…na gut, vergessen wir diesen Punkt.

Um eines deutlich zu machen: Gewaltspiele gehören nicht in Kinderhände. Punkt. Wenn der Handel nicht dazu in der Lage ist, die notwendigen Kontrollen beim Verkauf durchzuführen oder es die Eltern nicht die Bohne interessiert, was ihre Kinder spielen, ist dies nicht die Schuld der Spielehersteller oder der USK und erst Recht kein Versagen der Politik, wie Frontal 21 abschließend meint.

Es ist die verdammte Pflicht der Erziehungsberechtigten, dafür zu sorgen, dass Kinder nur mit denjenigen Inhalten konfrontiert werden, die für ihr Alter geeignet sind. Und wenn im Handel ab-18-Titel an Kinder verkauft werden, dann müssen saftige Geldbußen für Abhilfe sorgen.

Mich würde mal interessieren, ob sich der Autor des Berichts oder ein zu Wort kommender Politiker auch nur eine halbe Stunde mit der faszinierenden Welt der Computerspiele selbst auseinandergesetzt, sprich gespielt hat. Ich denke nicht, denn das Gros der PC- oder Konsolenspiele machen nicht etwa Gewaltspiele, sondern vielmehr Strategie-, Rollen- oder Sportspiele aus. Die Mischung macht's, ein gesundes Selbstbewusstsein des Spielers sowie die Fähigkeit, Realität und Fiktion zu unterscheiden. Und diese Fähigkeiten sollte man der überwiegenden Mehrheit der Zocker in Deutschland durchaus zutrauen.

Ach ja, bevor ich es vergesse, wer sich einmal die volle Härte über die Tiefenpsychologie in Doom 3 geben möchte, sollte sich den Artikel " Die Verdoomung der Republik " aus dem Kulturteil der Süddeutschen Zeitung nicht entgehen lassen.

Kleine Kostprobe gefällig? Bitteschön: "Besonders bei Netzwerkspielen heißt es dann, dass es gar nicht ums Töten gehe, sondern um den praktizierten Teamgeist. Fast schon obszön: Man meldet gleich Kunstanspruch für solche Spiele an und zitiert etwa Hieronymus Boschs Phantasmagorien oder den obskuren Realismus von David Lynch oder Tarantino, um das digitale Killen auf ein weithin akzeptiertes Werk-Niveau zu hieven. " Alles klar?

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