2571188

Die Kamera der Zukunft? Zeiss ZX1 mit integriertem Lightroom

01.03.2021 | 13:15 Uhr |

Apple, Samsung, Huawei und Co. bauen Smartphones mit tollen Kamera-Features. Der deutsche Hersteller Zeiss dreht den Spieß jetzt um und verbaut tolle Smartphone-Features in einer Kamera. Die ZX1 kostet 6000 Euro - und gewährt einen Blick auf die Zukunft der Kameras.

"Stay in your flow". Mit diesem Satz bewirbt der deutsche Hersteller Zeiss sein neuestes Produkt, die ZX1 . Diese Vollformat-Kamera ist gleich in mehreren Punkten ungewöhnlich: Preis, Design und Funktionen. Um die technischen Daten soll es in diesem Artikel weniger gehen, sondern viel mehr um das, was diese Kamera eigentlich so besonders macht. So ganz wollen wir auf das technische Innenleben der Kamera aber auch nicht verzichten.

Der Tesla unter den Kameras

Die ZX1 ist wie ein Elektro-Auto der Marke Tesla: Gut aussehend, tolle Features, viel zu teuer und im Alltag nicht unbedingt immer praktisch. Rund 6.000 Euro kostet die Kamera - und ist damit preislich eindeutig in die Kategorie der Profi-Kameras einzuordnen, in denen auch Canon, Sony und Nikon vergleichbar teure Kameras anbieten.

Auch optisch macht die Kamera einiges her - ein großer, schwarzer Klotz in Edeloptik mit einem schönen großen - teils geknickten - Display und einem elektronischem OLED-Sucher auf der Rückseite. Eine Kamera, die man in der Form nicht allzu häufig auf der Straße sieht.

Integriertes Lightroom und mehr

"Die ZEISS ZX1 ist die Kamera für alle, die wissen, dass es bei der kreativen Fotografie nicht nur um das Einfangen des perfekten Moments geht, sondern auch um einen reibungslosen Workflow", so Zeiss. "Auf ihre einzigartige Weise sorgt sie von der Aufnahme über die Bearbeitung bis hin zum Speichern und Teilen für einen nahtlosen kreativen Prozess."

Das Besondere an der ZX1 ist das integrierte Lightroom-Feature. Damit können Nutzer die Fotos direkt auf der Kamera in Lightroom bearbeiten. Wer unterwegs schnell ein Foto bearbeiten muss und dafür keinen Computer oder kein Tablet verwenden mag, kann dies über das 4,3-Zoll-große Touch-Display auf der Geräterückseite erledigen.

Lightroom-Feature auf der ZX1.
Vergrößern Lightroom-Feature auf der ZX1.
© Zeiss

"Verarbeiten Sie Ihre Bilder direkt mit der Kamera – dank einer Vielzahl von smarten Lösungen: von Belichtungs- und Farbkorrekturen bis hin zu Auswahl-Bearbeitungen, Synchronisierung mit Lightroom auf Ihrem Computer und vielem mehr", schreibt Zeiss. Darüber hinaus besteht sogar die Funktion, bearbeitete Bilder direkt auf Instagram zu posten.

Ein Blick in die Zukunft der Kameras? Vielleicht.

Zeiss wagt mit der ZX1 den Versuch, Smartphone-Features auf eine Profi-Kamera zu bringen und sie somit in eine Smart-Kamera zu verwandeln. Leider gehört Zeiss nicht unbedingt zu den Kamera-Herstellern, die dieses Feature der Masse zugänglich machen werden. Diesen Schritt müsste schon ein großer Hersteller wie Sony, Canon oder Nikon wagen, wobei sich an dieser Stelle die Frage stellt: Warum gibt es heute noch kein entsprechendes Angebot dieser drei Hersteller? Ist es Zeiss als erster Hersteller gelungen, eine gute Mischung aus Profi-Kamera und hilfreichen Smartphone-Features zu bauen? Oder sind andere Hersteller zu dem Schluss gekommen, dass solche Kameras keine Zukunft haben werden?

Zeiss hat mit der ZX1 jedenfalls gezeigt, was möglich ist - auch wenn hier und da noch Verbesserungsbedarf besteht. Denn aktuell müssen Nutzer noch so manchen Kompromiss eingehen. 

1. Nur via WLAN mobil

Obwohl die Kamera Share-Funktionen anbietet, indem man Fotos direkt über die Kamera auf Instagram veröffentlichen kann, ist man auf ein öffentliches WLAN angewiesen, damit man diese Funktion auch nutzen kann. Alternativ kann man mit seinem Smartphone auch einen Hotspot einrichten.

2. Fest verbautes Objektiv

Die Zeiss ZX1 hat ein fest verbautes 35-mm-Objektiv mit f/2.0 . Bei dem Preis kann man durchaus auch lichtstärkere Objektive erwarten. Zudem ist man als Fotograf stark eingeschränkt. Die Smart-Features auf der ZX1 sind ja sehr hilfreich, wenn man nun aber noch auf ein Ultra-Weitwinkel- oder Teleobjektiv wechseln könnte, wäre das natürlich noch besser. So ist man schon recht stark eingeschränkt.

3. Interner Speicher

In der ZX1 ist eine 512-SSD-Festplatte verbaut, die man jedoch nicht wechseln kann. Auch weitere Speichermedien können nicht hinzugefügt werden. Der Speicherplatz reicht zwar für so manchen Urlaub aus - auch wenn man RAW-Fotos macht und in 4K filmt. Trotzdem geht dadurch natürlich recht viel Flexibilität verloren.

4. Kein Bildstabilisator / Sensor-Stabilisator

Leider hat Zeiss sich auch gegen einen Bildstabilisator respektive Sensor-Stabilistator entschieden. Schade, bei einer solch teuren Kamera hätte man das eigentlich erwarten dürfen.

5. Kein Ladegerät

Im Lieferumfang ist zwar ein Wechsel-Akku inbegriffen, jedoch leider kein Ladegerät. Die Akkus müssen stattdessen über die Kamera via Netzteil und USB-C-Kabel aufgeladen werden - ähnlich wie  bei einem Smartphone.

Fazit

Für wen ist diese Kamera gedacht? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Bei einem Preis von 6.000 Euro ist sie auf keinen Fall für Hobby-Fotografen geeignet, obwohl die mitgelieferten Features eigentlich für eine solche Zielgruppe prädestiniert sind. Profi-Fotografen lassen sich vielleicht nicht vom Preis abschrecken, fühlen sich aber wahrscheinlich recht schnell durch die fest verbaute Brennweite eingeschränkt.

Die ZX1 ist eher für Fotografen mit großem Geldbeutel gedacht, die ein einziges Gerät haben wollen, mit dem man fotografieren, bearbeiten und Content veröffentlichen kann - ganz nach dem Motto "Stay in your flow". Es bleibt nur zu wünschen, dass sich andere Hersteller an Zeiss ein Beispiel nehmen und ähnliche Funktionen auch auf ihre Kameras bringen. Andernfalls sind in Zukunft Kameras, wie die ZX1, lediglich überteuerte Spielzeuge für Wohlhabende, die in der Praxis aber nicht wirklich sinnvoll zum Einsatz kommen.

PC-WELT Marktplatz

2571188