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Die Feinheiten sind entscheidend

13.06.2008 | 10:01 Uhr |

Diese feinen Unterschiede sind für den Anwender in der Praxis unter den Aspekten Störanfälligkeit und Geschwindigkeit relevant. Vor allem User, die Wert auf ein stabiles Funknetz legen, sollten unbedingt zu einem Gerät greifen, das auch das 5-Gigahertz-Band unterstützt. Dieser Frequenzbereich ist hierzulande nicht so überfüllt wie das 2,4-Gigahertz-Band, so dass ein reibungsloser WLAN-Einsatz eher gewährleistet ist. Anders sieht es dagegen im 2,4-Gigahertz-Bereich aus: In Ballungszentren kommen sich hier schon einmal bis zu 16 Funknetze ins Gehege, ganz zu schweigen von anderen störenden Funkquellen wie Mikrowelle und Co.

Das Gedränge in diesem Bereich hat laut D-Link-Manager Lange eventuell noch eine andere Konsequenz: Um die Rückwärtskompatibilität zu Funknetzen nach dem b- und g-Standard zu gewährleisten, dürfen die 802.11n-Netze eventuell nur 20-Megahertz-Kanäle verwenden, was ihre Transferrate auf 150 Mbit/s beschränken würde. Die vollen 300 Mbit/s wären dann nur im 5-Gigahertz- Frequenzbereich garantiert.

Das letzte Wort ist hier aber in Sachen Standardisierung noch nicht gesprochen. Besitzt der User ein Dualband-fähiges Gerät, das zudem den concurrent Modus beherrscht, dann sind auf dem Papier sogar Transferraten von bis zu 600 Mbit/s realisierbar, wenn sich die Übertragungsraten aus dem 2,4- und 5- Gigahertz-Band addieren. Entsprechende Modelle können für den Anwender noch aus einem anderen Grund interessant sein. Auf diese Weise lassen sich etwa alte 802.11b- und g-Netze sowie 802.11n-WLANs physikalisch trennen, erklärt Lo.

Wie sieht die Praxis aus?

Allerdings sollten sich potenzielle 802.11n-Nutzer von den Geschwindigkeitswerten nicht täuschen lassen. Sie spiegeln lediglich die Bruttogeschwindigkeiten wieder, die unter günstigen Bedingungen zu erreichen sind. Davon gehen dann noch der Protokoll-Overhead sowie interne Daten für die Funknetzsteuerung ab. Realistisch kann der Anwender laut Lo und Lange dann am Ende eine nutzbare Übertragungsrate von 100 bis 150 Mbit/s erwarten.

Im Gespräch räumen beide Manager noch mit einem weiteren Trugschluss auf: Die 802.11n-Netze offerieren von Haus aus keine bessere Quality of Service (QoS) als die Vorgängergenerationen, sind also nicht automatisch besser für Anwendungen wie Voice over WLAN geeignet. "Aufgrund der höheren Transferraten funktioniert das Streaming von hochauflösenden Videoinhalten jetzt ohne Probleme", so Lo, "die QoS sind aber fast die gleichen wie bei den älteren WLAN-Standards."

Weniger Zugangspunkte

Eine Erklärung dafür, warum sich das Gerücht einer höheren QoS in Verbindung mit 802.11n hartnäckig hält, könnte darin liegen, dass die Technik mit einer besseren Funkausleuchtung aufwartet. Bei gleicher auszuleuchtender Fläche, so eine Faustregel, werden bei 802.11n rund 25 Prozent weniger Access Points benötigt als bei einem Funknetz mit klassischer g-Technik. "Bei einer Campus-Vernetzung konnten wir so die Zahl der Funkknoten von 40 auf 30 reduzieren", berichtet Lange aus der Praxis. Allerdings ist es mit einer einfachen Installation der neuen Access Points am Platz der alten nicht getan.

Um die Vorteile in der Praxis zu realisieren, rät Netgear-CEO Lo zu einer genauen Analyse der räumlichen Gegebenheiten und ihrer Auswirkungen auf die Funkverbreitung. Warum dies notwendig ist, erklärt Lange: "Bei 802.11n spielen wir wie beim Billiard quasi über die Bande." Oder anders ausgedrückt, die Funkwellen erreichen einen Empfänger nicht nur auf einem direkten Weg, sondern per Reflexion auf mehreren Wegen, wodurch sich die Bitfehlerhäufigkeit reduziert. "In ersten Tests wurden für 802.11n teilweise enttäuschende Transferraten gemessen, weil die Geräte lediglich mit direktem Sichtkontakt aufgestellt wurden", führt Lange aus. Um ihre volle Geschwindigkeit auszuspielen, seien sie auf brauchbare Reflexionen angewiesen.

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