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Deutschland bekommt neue Warnsirenen für Katastrophenwarnungen

01.09.2021 | 14:25 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Deutschland bekommt neue Warnsirenen. Damit soll Warnungen im Katastrophenfall zuverlässiger die Bevölkerung erreichen, nachdem Katwarn, Nina & Co. zuletzt nicht den Erwartungen gerecht wurden. Update: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe korrigiert die Zahl der bereits teilnehmenden Bundesländer.

Der Katastrophenwarntag 2020 war ein Desaster, viele Menschen bekamen keine Warnung, insbesondere heulten kaum noch Sirenen. In der Folge musste der Chef des Amtes für Katastrophenschutz gehen . Jetzt startet als Konsequenz aus dem peinlichen Scheitern ein Sirenenförderprogramm. Das teilt das zuletzt oft kritisierte Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit.

„Ein flächendeckendes Sirenennetz trägt bedeutend zur effektiven Warnung der Bevölkerung bei“, schreibt das Bundesamt. Diese Erkenntnis kam reichlich spät, über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte wurden in Deutschland die vorhandenen Warnsirenen nicht mehr gepflegt oder sogar abgebaut. Katastrophenschützer und Politiker glaubten, dass stattdessen Warnapps wie Katwarn oder Nina die Bevölkerung ausreichend warnen könnten. Doch das war bekanntlich ein Irrtum, wie auch die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor einigen Wochen zeigte. Zumal in Deutschland derzeit noch keine Katastrophenwarnungen via SMS (Cell Broadcast) möglich sind.

Deshalb finanziert das BBK jetzt ein Förderprogramm mit rund 90 Millionen Euro. Das soll entsprechende Anstrengungen auf Landesebene unterstützen. Sieben Bundesländer haben bislang eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern unterzeichnet. Demnach nutzen Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern bereits die vom Bund zur Verfügung gestellten Fördermittel, um neue Sirenen zu errichten und alte Modelle zu modernisieren. (Hinweis: Das BBK sprach ursprünglich nur von fünf Bundesländern, korrigierte dann aber seine Mitteilung nachträglich und fügte Bayern und Baden-Württemberg noch hinzu).

Auf der Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung können Kommunen über die Länder Fördermittel zur Anschaffung neuer Sirenen und zur Modernisierung bestehender Sirenentechnik erhalten. So soll der Ausbau der kommunalen Sirenennetze gefördert werden. Zudem werden die Sirenen technisch so aufgerüstet, dass sie an das vom BBK bundesweit zur Verfügung gestellte "Modulare Warnsystem" (MoWaS) angeschlossen werden können. Sirenen, Warn-Apps, Warnungen über Rundfunksender oder Warnungen auf öffentlichen Anzeigetafeln und zu einem späteren Zeitpunkt hoffentlich auch Warn-SMS können in den für die Warnung verantwortlichen Leitstellen direkt über MoWaS ausgelöst werden. Durch eine unmittelbare Anbindung des Sirenennetzwerkes an das "Modulare Warnsystem" soll zukünftig eine zeitgleiche Warnung aller Warnkanäle möglich.

Katastrophenwarnungen via SMS ab Sommer 2022 - Cell Broadcast

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