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Update: Deutscher Warntag nicht verschoben

30.06.2022 | 12:00 Uhr | Halyna Kubiv

Am 8. September sollte in Deutschland der Ernstfall geprobt werden. Entgegen der Medienberichten findet der Warntag rechtzeitig statt.

Update vom 30. Juni 2022: 

Bei der Recherche zu dieser Meldung haben unterschiedliche Behörden zum genauen Datum des nächsten Warntages gefragt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat gestern eine eindeutige Antwort geliefert: "Nach heutigem Stand ist der 08.09.2022 als Datum für den bundesweiten Warntag avisiert." Der Warntag wird also entgegen der Medien-Berichten (siehe unten) nicht verschoben. 

Ursprüngliche Meldung vom 25. Mai 2022: 

Der bundesweite Warntag ist eine Probe für den Ernstfall, in diesem Jahr sollte vieles anders laufen: Zum ersten Mal sollte in Deutschland ein Warnsystem auf Basis von Cell Broadcast erprobt werden. In der Praxis sollte dies bedeuten, dass die Warnmeldungen alle Handy-Inhaber bekommen sollten, nicht nur diejenigen, die sich die Warn-Apps des Bundes installiert haben. Nun berichtet die "Wirtschaftswoche" in Bezug auf die verantwortlichen Behörden, dass der bundesweite Warntag 2022 verschoben werden soll. Der Warntag findet für gewöhnlich an dem zweiten Donnerstag im September statt , dies wäre also der 8. September 2022. Laut Quellen der "Wirtschaftswoche" stimmen sich Bund und Länder auf einen neuen Termin später im Jahr statt. Der Grund für Verschiebung ist demnach noch eine geringe Unterstützung des DE-Alarmes durch moderne Handys. Derzeit können nur Android-Smartphones mit Android 11 und 12 eine Warn-SMS empfangen, das ist rund ein Fünftel aller Handys in Deutschland. Apple wird demnach erst mit iOS 16 die Möglichkeit für DE-Alert, so heißt das Cell-Broadcast-Systen in Deutschland, nachrüsten. 

Hintergrund

SMS-Warnung in einem Katastrophenfall wurde in Deutschland erst nach dem misslungenen Warntag 2020 und der Flutkatastrophe 2021 diskutiert. Bislang fehlten die technischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür. Das neue Telekommunikationsgesetz und darauf basierende Technische Richtlinie DE-Alert bieten die Grundlagen für Cell Broadcasting in Deutschland, allerdings wurde die endgültige Fassung der Richtlinie durch die Bundesnetzagentur erst am 23. Februar 2022 verabschiedet. DE-Alert basiert zwar an den bereits eingesetzten Standards wie Common Alerting Protocol von OASIS oder auf EU-Alert der EU, offenbar sind nicht nur Anpassungen der lokalen Mobilfunkbetreiber notwendig, sondern auch die Implementierung der Handy-Hersteller. Für Apple sind solche Implementierungen nicht neu: Auf Common Alerting Protocol basieren die Warn-Meldungen in den USA , wegen einer solchen Meldung wird der Hersteller sogar verklagt, weil sie offenbar das Gehör eines Jugendlichen beschädigt hat. EU-Alert wurde als erste durch die Niederlande implementiert, die Warnmeldungen im Land werden seit 2012 verschickt, diese funktionieren auf den iPhones ab iPhone 4S . Litauen folgte ein Jahr später, dort funktionieren staatliche Warnmeldungen ab iPhone 5S und iOS 8 . Rumänien hat Cell Broadcast 2017 eingeführt, dort werden Warnmeldungen auf das iPhone X und neuer  verschickt.

Wir haben bei der Pressestelle des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachgefragt, wann genau der bundesweite Warntag 2022 stattfindet. Bei der Bundesnetzagentur haben wir nachgefragt, wie genau Handy-Hersteller tätig werden sollen, um DE-Alert zu unterstützen. Bei der Veröffentlichung dieses Artikels lagen die Antworten noch nicht vor, sobald wir jedoch eine Rückmeldung bekommen, würden wir entsprechend diesen Artikel aktualisieren. 

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