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Den Esel verstecken mit HideMyAss VPN

25.04.2019 | 12:28 Uhr | Frank Ziemann

Avast bietet mit HideMyAss einen VPN-Dienst für Fortgeschrittene an – mit Standorten in über 190 Ländern weltweit. Wir haben HMA! VPN für Sie angetestet.

Das britische Unternehmen Privax Ltd., das den VPN-Dienst HideMyAss (HMA!) gegründet hat, gehört seit 2015 zum Antivirushersteller AVG, der wiederum 2016 durch den Mitbewerber Avast übernommen wurde. Den HMA! VPN-Dienst können Sie auf Rechnern mit Windows, macOS oder Linux sowie auf Mobilgeräten mit Android oder iOS nutzen. HMA! stellt nach eigenen Angaben über 900 Server an 280 Standorten in 190 Ländern weltweit zur Auswahl bereit. Anders als manche wohl annehmen mögen, ist „ass“ in HideMyAss kein rückwärtiger Körperteil, sondern ein Esel – wie ihn auch das HMA!-Logo zeigt.

Die HMA! VPN-Software ist in deutscher Sprache erhältlich, Ländernamen sind jedoch auf Englisch. Die Hilfetexte auf der Website wechseln schnell ins Englische, sobald es ins Detail geht. Wie praktisch alle Mitbewerber wirbt HMA! mit einer No-Logs Policy, speichert also keine Informationen über die Internet-Aktivitäten seiner Nutzer. Allerdings findet Exodus Privacy in der aktuellen Android-App nach wie vor ganze sieben Tracker : AppsFlyer sowie je dreimal Facebook und Google.

Exotische Standorte
Unter den vielen zur Auswahl stehenden Server-Standorten sind neben fast allen bekannteren Ländern auch etliche Exoten wie die Ålandinseln, Antigua und Barbuda, Grönland, Nauru, Nordkorea, Samoa oder Tokelau. Natürlich stehen keine Server auf einer Koralleninsel. HMA! nutzt lediglich diesen Ländern zugeordnete IP-Adressen, während sich die Server an großen Internet-Knoten auf dem Festland befinden. Dies geschieht auch aus Performance-Gründen, weshalb es  etwa auch VPN-Server in den Niederlanden oder in Großbritannien gibt, die US-amerikanische IP-Adressen nutzen. Ein Wechsel zwischen den Standorten ist jederzeit per Mausklick möglich.

Der passende Modus für die Standortwahl
Vergrößern Der passende Modus für die Standortwahl

Je nach Einsatzzweck eines VPN bietet HMA! mehrere Varianten der Standortwahl an. Um etwa in einem öffentlichen WLAN sicher im Web zu surfen, genügt der Sofortmodus, der Sie mit dem nächstgelegenen Server verbindet. Der so genannte Freiheitsmodus bietet sich an, wenn Sie in einem Land sind, in dem der Internet-Zugang der Zensur unterliegt. Im Standortmodus können Sie aus dem Vollen schöpfen und sich einen Standort eigener Wahl aussuchen.

Die Qual der Wahl beim Standort
Vergrößern Die Qual der Wahl beim Standort

Hier können Sie die Nutzungsart weiter eingrenzen. HMA! bietet spezielle Server an, die für Video-Streaming oder P2P-Filesharing optimiert sind. Streaming-taugliche Server gibt es nur in Großbritannien und in den USA, P2P-optimierte Server zudem auch in Deutschland, Frankreich, Tschechien sowie in den Niederlanden.

Konfiguration
Die wenigen in den Programmeinstellungen unter „Präferenzen“ verfügbaren Optionen sind in drei Gruppen unterteilt. Sie können festlegen, ob HMA! Pro VPN beim Windows-Start automatisch geladen und die App dann erstmal im System-Tray verschwinden soll. Ferner stellen Sie ein, ob stets automatisch eine VPN-Verbindung aufgebaut werden, sobald ein Internet-Zugriff erfolgt oder ob HMA! Sie nur danach fragen soll. Außerdem können Sie private Netzwerke, etwa das interne LAN, ausschließen. Dorthin baut HMA! dann keine VPN-Verbindung auf.

HMA! Einstellungen heißen Präferenzen
Vergrößern HMA! Einstellungen heißen Präferenzen

Sie können auch eine Option aktivieren, um regelmäßig die externe IP-Adresse zu wechseln. Das soll es Dritten erschweren, Ihren Standort zu verfolgen. Dazu empfiehlt das Programm, den „Kill Switch“ zu aktivieren, damit während der kurzen Unterbrechung kein ungeschützter Datenverkehr Ihre echte IP-Adresse offenbart. Für welche Anwendungen der Kill Switch wirksam sein soll, ist einstellbar. Sie haben zudem die Möglichkeit bei Bedarf TCP statt UDP zu verwenden. Die Verbindung ist dann meist langsamer, oft jedoch stabiler, wenn UDP Probleme bereitet.

Die Android-App sieht dem Windows-Programm auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Hier stehen Sie zunächst ebenfalls vor der Wahl des passenden Modus für die Standortwahl. Auch hier gibt es in den Einstellungen, die hier auch so heißen, eine optionale VPN-Verbindungsautomatik und einen regelmäßigen IP-Adresswechsel. Die mobile App bietet so genanntes Split Tunneling an, das die Desktop-Version vermissen lässt. Dabei wird nur der Datenverkehr ausgewählter Apps, die Sie selbst festlegen, über die VPN-Verbindung geleitet.

HMA! für Android – Tracker stilllegen
Vergrößern HMA! für Android – Tracker stilllegen

In den Dateneinstellungen können Sie HMA! die voreingestellte Erlaubnis zur Weitergabe anonymisierter Daten an Drittanbieter entziehen. Damit sollen die oben erwähnten Tracker stumm geschaltet werden. Avast gibt zu diesem Thema an, es würden nur die minimal notwendigen Analysedaten gesammelt und vor der Weitergabe an Werbekunden anonymisiert. Man prüfe derzeit, wie man die Menge der weitergegebenen Daten weiter reduzieren könnte.

Probefahrt
Der Aufbau der VPN-Verbindungen geht meist recht zügig, vor allem in die USA und nach Großbritannien. Die Verbindung nach Österreich wirkte hingegen etwas träge. Es war jedoch kein Problem, in der ORF-TVthek Videos anzuschauen, die an sich nur aus Österreich abrufbar sind. Auch der BBC iPlayer hat klaglos geliefert, wenn „UK, Donkey Town“ als Standort eingestellt war. Dabei handelt es sich um einen für Streaming optimierten Server mit einem fiktiven Server-Standort („donkey“ ist ein anderes Wort für Esel). Bei Downloads liegt die VPN-bedingte Geschwindigkeitseinbuße meist im einstelligen Prozentbereich, ist also zu verschmerzen.

Preise
HMA! Pro VPN unterstützt Windows (ab Vista), macOS (ab OS X 10.5), Android (ab Version 2.3.x) sowie iOS (ab Version 6.1). Im Angebot sind Abos mit unbegrenztem Datenvolumen für einen Monat (10,99 Euro), ein Jahr (71,88 Euro), zwei Jahre (95,76 Euro) und zurzeit als Sonderangebot drei Jahre (89,64 Euro). HMA bietet eine Geld-zurück-Garantie für die ersten 30 Tage sowie einen kostenlosen Testzugang für sieben Tage. Das Gratisangebot mündet allerdings automatisch in ein Abo, falls Sie nicht rechtzeitig kündigen.

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