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Datenschutz-Problem: Windows zurücksetzen löscht nicht alle Dateien

08.06.2022 | 10:00 Uhr | Hans-Christian Dirscherl, Arne Arnold

Wer sein Windows-Gerät zurücksetzt, geht davon aus, dass danach alle Dateien von der Vorgängerinstallation gelöscht werden. Doch Dateien können das Zurücksetzen überstehen. Das ist selbst dann der Fall, wenn die Anwender ausdrücklich „Alles löschen“ beim Zurücksetzen gewählt haben.

Dieses Problem betrifft Windows-Geräte mit Dateien, die auf Onedrive oder Onedrive for Business liegen und von dort auf den Windows-Rechner heruntergeladen beziehungsweise synchronisiert wurden. Derartige Dateien können im Verzeichnis „Windows. old“ das Reset überleben.

Das Problem betrifft allerdings nur Dateien, die auf dem Windows-Gerät, das zurückgesetzt wird, geöffnet oder heruntergeladen worden sind. Dateien, die lediglich auf Onedrive online gespeichert und nicht heruntergeladen oder lokal synchronisiert wurden, sind aber nicht betroffen, berichtet Microsoft.

Diese Windows-Versionen sind betroffen: Das Problem betrifft alle aktuellen Versionen von Windows 10 und 11. Laut Microsoft verursacht auf Windows-10-Systemen das kumulative Update KB5006670 vom Oktober 2021 dieses Problem. Das Update hat bereits einen schlechten Ruf, denn es hatte auch Druckprobleme ausgelöst. Microsoft verriet aber nicht, wodurch dieses Problem mit den in „Windows.old“ überlebenden Dateien auf Windows-11-Rechnern verursacht wird.

Dieses Problem entdeckte der Microsoft-SpezialistRudy Ooms. Darüber hinaus stellte Ooms fest, dass Daten, die mit Bitlocker verschlüsselt sind, auf einigen Systemen nach einem Windows-Reset auch in unverschlüsselter und lesbarer Form ebenfalls in den Ordner „Windows.old“ verschoben werden.

Den Ordner „Windows.old“ mit den Programm- und Datenresten einer alten Windows- Installation löschen Sie, wenn Sie vorher alle seine Rechte übernehmen.
Vergrößern Den Ordner „Windows.old“ mit den Programm- und Datenresten einer alten Windows- Installation löschen Sie, wenn Sie vorher alle seine Rechte übernehmen.

Microsoft entwickelt Patch: Nach dem Bekanntwerden dieses Fehlers begann Microsoft, an einem Patch zu arbeiten, um den Fehler in einem kommenden Windows-Update zu beheben. Zu Redaktionsschluss lag der Patch aber noch nicht vor.

Workaround: Bis dahin können Windows-Benutzer dieses Problem vermeiden, indem sie sich bei Onedrive abmelden oder die Verknüpfung mit Onedrive aufheben, bevor sie ihr Windows-Gerät zurücksetzen.

Anwender, die von dem Problem betroffen sind, sollen alle verbleibenden Dateien auf bereits zurückgesetzten Geräten mithilfe einer Funktion in den Windows-Einstellungen beseitigen können. Damit lässt sich der Ordner „Windows.old“ inklusive privater Daten löschen.

So geht’s: Wählen Sie unter Windows 10 „Windowssymbol –› Einstellungen –› System –› Speicher –› Dieser PC –› Temporäre Dateien –› Vorherige Windows- Installation(en) –› Dateien entfernen“. Unter Windows 11 wählen Sie „Windowssymbol –› Einstellungen –› System –› Speicher –› Empfehlungen bereinigen –› Temporäre Dateien –› Vorherige Windows-Installation(en) –› Dateien entfernen“. Den Ordner „Windows.old“ können Sie zwar auch im Explorer löschen, dafür müssen Sie jedoch zuvor seine Systemrechte übernehmen, was nicht immer klappt. Wenn auf einem PC keine „Windows. old“-Dateien vorhanden sind, taucht die Option „Vorherige Windows-Installation(en)“ nicht auf.

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