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Daimler: Riesen-Rückruf wegen fehlerhaftem "eCall"

15.02.2021 | 12:49 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Bei einem Unfall kann der "eCall" in Mercedes-Benz-Fahrzeugen falsche Positionsdaten übermitteln. Nahezu alle Baureihen sind betroffen. Daimler ruft allein in den USA fast 1,3 Millionen PKWs in die Werkstatt. Zur Lage in Deutschland äußert sich Daimler ausweichend.

Daimler ruft in den USA 1,29 Millionen PKWs zurück in die Werkstätten, wie Reuters berichtet . Von dem Rückruf sind diese Modelle betroffen: CLA-Klasse, GLA-Klasse, GLE-Klasse, GLS-Klasse, SLC-Klasse, A-Klasse, GT-Klasse, C-Klasse, E-Klasse, S-Klasse, CLS-Klasse, SL-Klasse, B-Klasse, GLB-Klasse, GLC-Klasse und G-Klasse. Aus den Modelljahren 2016 bis 2021.

Grund für den Rückruf: Der in den Fahrzeugen verbaute Notruf ( "eCall" - Daimler verwendet nicht den 112-Notruf, sondern eine eigene "eCall"-Lösung ) kann bei einem Unfall falsche Positionsdaten übermitteln. Daimler will die Fehlfunktion mit einem Software-Update beseitigen. Das Software-Update für den "eCall" spielen die Mercedes-Werkstätten per "Over-the-air"-Update auf.

Der Fehler entstünde durch einen durch einen Unfall verursachten kurzzeitigen Zusammenbruch der Stromversorgung des Kommunikationsmoduls. Danach könnte die GPS-Lokalisierung fehlerhaft sein. Mercedes-Benz betont, dass die sonstigen Funktionen des "eCalls" trotzdem einwandfrei funktionieren würden. Mercedes-Benz USA sagte, dass es bisher von keinen Fällen wisse, in denen durch diese Fehlfunktion Personen- oder Materialschaden entstanden sei.

Mercedes-Benz habe in Europa im Oktober 2019 eine Untersuchung gestartet, als es von einem Mercedes-Benz "eCall" Center einen Vorfall gemeldet bekam, in dem das automatische "eCall"-System einen falschen Standort übermittelt hatte. Im Zuge dieser Untersuchung konnte Daimler weitere Fälle identifizieren, in denen Standortdaten des Fahrzeugs falsch übermittelt wurden.

Auch Kunden in Deutschland betroffen?

Die bisherigen Berichte beziehen sich ausschließlich auf Fahrzeuge in den USA. PC-WELT fragte bei Daimler nach, ob es auch in Deutschland einen Rückruf geben wird und welche Modelle davon betroffen seien. Die Antwort von Daimler kam prompt, ist allerdings etwas ausweichend beziehungsweise unklar:

„Qualität und Sicherheit der Produkte haben für Mercedes-Benz oberste Priorität. Deshalb überprüft der Autobauer kontinuierlich weltweit das Servicegeschehen. Im Rahmen dieser Produktbeobachtung hat Mercedes-Benz festgestellt, dass bei bestimmten Fahrzeugen verschiedener Baureihen das Kommunikationsmodul HERMES des Notrufsystems (eCall) nicht der Spezifikation entspricht. Das könnte in seltenen Fällen dazu führen, dass bei einem unfallbedingten temporären Einbruch der Bordnetzspannung die beim Absetzen eines eCalls übermittelte Fahrzeugposition nicht der aktuellen Position entspricht. Die weiteren Funktionen des automatischen bzw. manuellen Notrufs bleiben weiterhin funktionsfähig. Daher führt Mercedes-Benz einen Rückruf der betroffenen Fahrzeuge durch. Als Maßnahme ist vorgesehen, die Software des Kommunikationsmoduls HERMES zu aktualisieren. Bei den betroffenen Fahrzeugen kann die Softwareaktualisierung ‚Over-the-Air‘ erfolgen. Über die bestehende mobile Datenverbindung zum Fahrzeug wird das Kommunikationsmodul im Hintergrund aktualisiert.
 
Diese Softwareaktualisierung wird auch in weiteren Ländern durchgeführt, hierzu sind wir in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden. Wir bitten um Verständnis, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt hierzu keine weiteren Details nennen, um den behördlichen Veröffentlichungen nicht vorzugreifen.“

Vermutlich wird es also auch in Deutschland einen entsprechenden Rückruf geben.

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