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Cynora: Deutsches Start-Up feuert alle – Samsung kauft dessen 700 Patente

06.07.2022 | 08:33 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Samsung hat ein vielversprechendes deutsches Start-up übernommen. Doch die Südkoreaner kaufen nur dessen Patente, die Angestellten von Cynora werden entlassen.

Update 6.7.2022: Der SWR berichtet , dass Samsung nicht die Cynora GmbH als Ganzes gekauft habe, sondern nur dessen Patente – rund 700 an der Zahl . Das habe Michael Bechle, Gründer der Cynora GmbH in Bruchsal, gegenüber dem SWR bestätigt. Die rund 100 Mitarbeiter der Cynora GmbH wurden bereits entlassen und sollen an andere Unternehmen vermittelt werden; bei einigen der Entlassenen soll die Vermittlung zu einem neuen Arbeitgeber erfolgreich gewesen sein.

Cynora sei es nicht gelungen, seine Produkte auf den Markt zu bringen. Wegen der Corona-Krise und der problematischen Weltwirtschaftslage sei es zudem schwierig gewesen, Investoren dazu zu bewegen, weiter in das Start-up zu investieren.

Bereits im Dezember 2020 sei die Suche nach einem Käufer für das Unternehmen gestartet, wie im Januar 2021 die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete.

Der Name des Käufers der Patente wird bis heute nicht offiziell genannt; es dürfte aber als sicher gelten, dass es sich dabei um Samsung handelt. Zur Kaufsumme herrscht ebenfalls Schweigen.

Samsung hat uns mittlerweile auf unsere Anfrage mitgeteilt, dass man uns dazu keine Stellungnahme zukommen lassen könne. Update Ende

Update 30.6.: Samsung hat bis jetzt nicht auf unsere gestrige Anfrage geantwortet. Sollte uns die Presseabteilung von Samsung antworten, so geben wir die Stellungnahme hier wieder.

Die regionale Tageszeitung "Badische Neue Nachrichten" schreibt , dass Cornelia Petzold-Schick, Bürgermeisterin von Bruchsal, von dem Aus für Cynora überrascht wurde. Sie zeigt sich "entsetzt, schockiert". Die Bürgermeisterin bestätigte die Entlassungen. Von Cynora selbst liegt dagegen noch immer keine Stellungnahme vor. Update Ende

Samsung, genauer gesagt Samsung Display Co., hat laut einem Bericht von Bloomberg das deutsche Startup Cynora GmbH mit Sitz in Bruchsal (Baden-Württemberg) für rund 300 Millionen US-Dollar gekauft. Doch die Südkoreaner sind ausschließlich an dessen Patentrechten und technischen Entwicklungen und dem geistigen Eigentum interessiert, nicht aber an dem Unternehmen selbst und auch nicht an dessen Mitarbeitern.

Denn Cynora hat spannende Emitter-Techniken für die bessere Farbwiedergabe von Blau und Grün auf OLED-Bildschirmen entwickelt. Für bessere Lichtausbeute und besseren Farbkontrast. Außerdem hat Cynora Bildschirmtechniken für faltbare Geräte entwickelt. Cynora schreibt über sich selbst folgendermaßen: "Cynora entwickelt innovative OLED-Materialien, um eine neue Generation faltbarer, flexibler und transparenter Displays zu ermöglichen. Das Unternehmen ist weltweit führend in der Entwicklung neuartiger blauer und grüner Emittersysteme auf TADF-Basis, welche die Leistungseffizienz und Farbreinheit von OLED-Displays verbessern." All das ist für Samsung spannende Know-How.

Mitarbeiter werden entlassen

Doch die Cynora-Mitarbeiter interessieren Samsung nicht. Deshalb hat Samsung Mitarbeiter von Cynora entlassen, darunter auch die Ingenieure. Das berichten verschiedene internationale Medien, beispielsweise hier und hier. Ob bereits alle Cynora-Mitarbeiter auf die Straße gesetzt worden sind oder nur ein Teil davon, ist nicht bekannt. Bloomberg spricht aber davon, dass Cynora seiner Belegschaft gekündigt habe. Das klingt, als ob alle Mitarbeiter bereits entlassen worden sind. Auf der Webseite von Cynora fehlt jede Information über die Übernahme und die Entlassungen.

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Im Jahr 2017 war Samsung bereits als Investor bei Cynora eingestiegen, ebenso wie LG Electronics.

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