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Crashtest mit E-Scootern: So sicher sind Fahrradhelme

13.11.2020 | 14:06 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Dekra hat die Schutzwirkung von Fahrradhelmen bei Unfällen mit E-Scootern getestet. Inklusive Airbag-Helm!

Bei den Crashtests fuhr der E-Scooter im Dekra-Crash-Test-Center in Neumünster in unterschiedlichen Winkeln mit 20 km/h gegen eine Bordsteinkante. Der Crashtest-Dummy trug dabei einmal einen Fahrradhelm und einmal war er ohne Helm unterwegs. Die Messwerte aus dem Dummy beim Aufprall mit dem Kopf auf dem Boden zeigten laut Dekra: „Ohne Helm wäre mit schwersten bis tödlichen Kopfverletzungen zu rechnen gewesen. Mit Helm war der gemessene Belastungswert (HIC36) um 97 % geringer, das Risiko einer schwerwiegenden Kopfverletzung wäre so deutlich reduziert.“

Die Dekra ergänzt: „Auch ein so genannter Airbag-Helm, der als eine Art Halskrause getragen wird und bei einem Sturz auslöst, konnte im Test eine gute Wirkung zeigen – die Messwerte waren vergleichbar mit denen im Versuch mit dem handelsüblichen Fahrradhelm.“ Allerdings gelte das laut Dekra nur in dem Versuchsszenario eines Alleinunfalls. In zwei anderen Crashversuchen, bei denen ein Radfahrer von einem Pkw erfasst wurde beziehungsweise seitlich auf einen Pkw auffuhr, löste der Airbag-Helm nicht aus. Die Dekra stellt dazu fest: „Beim reinen Sturz funktionierte die Auslösung sehr zuverlässig, die Schutzwirkung lag auf dem Niveau konventioneller Helme. In der Konfiguration Fahrrad gegen Pkw hat der Airbag-Helm allerdings deutliche Schwächen in der Crash-Erkennung gezeigt. Hier scheint es noch Schwierigkeiten mit dem Auslöse-Algorithmus zu geben, so dass von der Schutzwirkung her ein klassischer Fahrradhelm zumindest aktuell noch die verlässlichere Variante darstellt.“  

Die Dekra wertete zudem aus, wie viele Fahrer von Rädern und E-Scootern überhaupt einen Helm tragen. Insgesamt wurden in neun Städten mehr als 12.000 Rad- und E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrer in die Studie einbezogen. Die Beobachtungs-Teams waren – vor der Corona-Pandemie – in Amsterdam, Berlin, Kopenhagen, Ljubljana, London, Paris, Warschau, Wien und Zagreb unterwegs.

So unterschiedlich ist das Trageverhalten.
Vergrößern So unterschiedlich ist das Trageverhalten.
© Dekra

Dabei zeigten sich von Land zu Land erhebliche Unterschiede.„Über alle Städte hinweg betrachtet, lag die Helmtragequote bei 22 %“, so Dekra-Unfallforscher Luigi Ancona. Die höchste Helmtragequote wurde mit 60,9 % in London verzeichnet. Mit deutlichem Abstand folgen Wien (26,7 %) und Berlin (24,3 %). Am wenigsten Helm getragen wird in Amsterdam: 1,1 %. Allerdings ereignen sich in den Niederlanden vergleichsweise wenig Unfälle mit Fahrrädern. Das wirkt sich offensichtlich auf das Trageverhalten aus.

Menschen tragen auf E-Scootern seltener einen Helm als auf einem Fahrrad. In Berlin wurden 173 E-Scooter erfasst – niemand trug dabei einen Helm.

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