2484120

Coronavirus: So gefährlich sind Handys, Türklinken, Griffe und Co.

19.03.2020 | 12:39 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Wissenschaftler hatten herausgefunden, wie lange das Coronavirus auf Oberflächen überlebt. Der bekannte Virologe Christian Drosten erklärt in einem Video ausführlich, wie man diese Ergebnisse interpretieren sollte.

Update 19.3.2020: Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass der Coronavirus Sars-CoV-2 bis zu drei Tage auf Plastik und rostfreiem Stahl überdauern kann. Damit könnte auch Elektronik wie Hauptplatinen oder Smartphones theoretisch das Coronavirus übertragen. Noch viel konkreter ist allerdings die Gefahr durch Türklinken und Haltegriffe in Nahverkehrsmitteln.

Die Überlebensdauer der Sars-CoV-2 lasse sich laut der englischsprachigen Studie so zusammenfassen: Die Viren sind in der Luft bis zu drei Stunden infektiös, auf Kupfer bis zu vier Stunden, auf Karton bis zu 24 Stunden und auf Plastik und rostfreiem Stahl bis zu drei Tage. Der Virologe Christian Drosten weist in einem vom NDR veröffentlichten Erklärvideo zum Coronavirus ab Minute 4:08 aber darauf hin, dass derartige exakte Zeitangaben problematisch sind. Professor Christian Drosten leitet das Institut für Virologie an der Berliner Charité. Er war 2003 an der Entdeckung des Sarsvirus beteiligt (der als SARS-CoV bezeichnet wird zur Unterscheidung von SARS CoV-2, dem aktuell grasierenden Coronavirus). Auch an der Erforschung des MERS-CoV-Virus war Drosten beteiligt. Alle diese Viren gehören zur Famile der Coronaviren.

Wenn also ein Infizierter auf eine Smartwatch oder ein Smartphone oder auf eine Hauptplatine niest und dieses Gerät Ihnen dann in die Hand drückt, können Sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren. Oder aber ein Infizierter niest in seine Hand und fasst damit eine Türklinke an, die Sie anschließend mit Ihrer Hand anfassen. Und dann müssten Sie sich mit eben dieser Hand an Ihre Schleimhäute langen - Mund, Nase oder auch Augen. Dann könnten Sie sich infizieren. Sofern Sie sich vor der Berührung Ihrer Schleimhäute nicht gründlich die Hände mit Seife waschen.

Real ist die Gefahr damit vor allem bei Türklinken und Haltegriffen. Bei Smartphones, Fitnesstrackern, Hauptplatinen oder Grafikkarten, die Sie aus Asien geliefert bekommen, dürfte dagegen keine Gefahr bestehen. Da aufgrund der Lieferzeit, die drei Tage in der Regel überschreitet, alle Sars-CoV-2-Viren abgestorben sein sollten.

Coronavirus: Die besten Tools, Tipps & Tricks fürs Home Office

Update Ende

Update 3.2.: Das RKI hat seine FAQ zum Coronavirus aktualisiert. Der aktualisierte Abschnitt zur Frage, ob die Gefahr besteht, sich über importierte Lebensmittel, Oberflächen oder Gegenstände mit dem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) anzustecken, lautet nun folgendermaßen: "Bei Coronaviren, die respiratorische Erkrankungen verursachen können, erfolgt die Übertragung primär über Sekrete des Respirationstraktes. Gelangen diese infektiösen Sekrete an die Hände, die dann beispielsweise das Gesicht berühren, ist es möglich, dass auch auf diese Weise eine Übertragung stattfindet. Deshalb ist eine gute Händehygiene wichtiger Teil der Prävention. Hingegen ist eine Übertragung über unbelebte Oberflächen bisher nicht dokumentiert. Eine Infektion mit dem 2019-nCoV über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher unwahrscheinlich."

Die World Health Organization (WHO) wiederum schreibt : "Wer ein Päckchen aus China erhält, ist nicht gefährdet sich mit dem Coronavirus zu infizieren, da man von älteren Analysen weiß, dass Coronaviren nicht auf Objekten wie Briefen oder Päckchen überleben."

Update Ende

Kein Tag vergeht mehr ohne neue Gruselnachrichten zum Coronavirus (2019-nCoV). Mittlerweile gibt es in Deutschland vier bestätigte Infektionen. Die Bundesregierung will zudem Deutsche aus der abgesperrten chinesischen Großstadt Wuhan ausfliegen.

In China ist das Coronavirus erstmals im Dezember 2019 in der 11-Millionen-Metropole Wuhan aufgetreten und in der Volksrepublik China liegt derzeit der deutliche Fokus dieser Erkrankung.

Aus China kommen aber Unmengen von Smartphones, Fitnesstrackern, Smartwatches, Hauptplatinen, Speicherbausteinen und Prozessoren zu uns nach Deutschland. Da stellt sich natürlich die Frage: Kann man sich mit dem Coronavirus infizieren, wenn man sich ein Smartphone zum Telefonieren vor den Mund hält, das man gerade aus China erhalten hat? Oder ist der in China gefertigte Fitnesstracker infektiös, wenn man ihn auf der schweißnassen Haut trägt? Und sollten PC-Bastler einen Mundschutz tragen, wenn sie eine neu aus China angelieferte Hauptplatine in ihren Rechner einbauen?

Das Robert-Koch-Institut hat diesen wichtigen Punkt gestern (offensichtlich kurz nach unserer diesbezüglichen Anfrage oder zumindest zeitgleich) in seine FAQ zum Coronavirus aufgenommen, allerdings sehr ausweichend formuliert: 

Frage: Besteht die Gefahr, sich über importierte Lebensmittel oder Gegenstände mit dem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) anzustecken?

Antwort: Eine Infektion über importierte Waren ist sehr unwahrscheinlich, da im Vorfeld eine Kontamination stattgefunden haben und das Virus nach dem weiten Transportweg noch aktiv sein müsste. Ob das neuartige Coronavirus in flüssigem oder getrocknetem Material mehrere Tage infektionsfähig bleibt, ist unbekannt. Dem Robert-Koch-Institut sind keine Infektionen durch importierte Gegenstände oder Lebensmittel bekannt.

Unabhängig davon hat das Robert-Koch-Institut keine Aufgaben im Bereich Import von Lebensmitteln oder Gegenständen. Fragen zu dem Thema gehören in den Zuständigkeitsbereich des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), für das Thema Arbeitsschutz ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verantwortlich. Stand: 28.01.2020“ Zitat Ende

Mit anderen Worten: Das RKI will sich nicht festlegen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wiederum schreibt einen Tag nach unserer Anfrage beim RKI folgendes:   „Virusübertragung durch den Verzehr von Lebensmitteln oder den Kontakt mit Bedarfsgegenständen ist unwahrscheinlich“. Und weiter: „Für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen über den Kontakt mit Produkten, Bedarfsgegenständen oder durch Lebensmittel gibt es, auch beim aktuellen Ausbruch, bisher nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand keine Belege“.

Besonders groß scheint die Infektionsgefahr also nicht zu sein. In diesem Zusammenhang sollte aber beachtet werden, dass derzeit die Gefahr einer Infektion mit Influenza, zum Beispiel bei der Fahrt im Öffentlichen Nahverkehr oder beim Besuch einer Menschenansammlung, deutlich größer ist als die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus. Sollte sich das Coronavirus nicht plötzlich doch noch deutlich schneller ausbreiten, so dürfte die Grippe auch in diesem Jahr deutlich mehr Menschen infizieren als das Coronavirus – und auch deutlich mehr Menschen töten!

Coronavirus in Deutschland: Website trackt Verbreitung

Google Flutrends: Google sagt, ob Sie Grippe bekommen

Sollte sich das Coronavirus im asiatischen Raum aber weiter ausbreiten, so könnte die Durchführung großer Messen wie der Computex gefährdet sein. Das war bereits 2003 der Fall, als das SARS-Virus umging. Das Coronavirus ist mit dem SARS-Virus genetisch eng verwandt.

Keine SARS-Infektionen durch Hauptplatinen

SARS: IT-Messe Computex wird verschoben

SARS mit immer größeren Auswirkungen auf IT-Branche

PC-WELT Marktplatz

2484120