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Coole Gratis-App scannt Wahlplakate und verrät, wofür Politiker stehen

23.09.2021 | 12:16 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Mit der Gratis-App "Face the Facts" scannen Sie Wahlplakate und sehen sofort Lebenslauf, Abstimmungsverhalten und Nebentätigkeiten der Bundestags-Kandidatin oder des Kandidaten. Sie erfahren detailliert, welche Meinungen er zu Tempolimit, Rüstungsausgaben, Hartz 4, dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und vielen anderen Themen hat.

Eine coole Gratis-App zeigt, wer hinter den Namen auf den Wahlplakaten steckt. Scannen Sie mit Ihrer Smartphone-Kamera ein Wahlplakat und die App „Face the Facts" ( Download für iOS und Android ) zeigt Ihnen Details zu der Person auf dem Wahlplakat an. Im Test der PC-WELT klappte das in fast allen Fällen einwandfrei, lediglich ein Kandidat von „Die Partei“ überforderte die App - sie zeigte zu dem Kandidaten nichts an (den vermutlichen Grund lesen Sie weiter unten). Zu einer anderen Kandidatin von „Die Partei“ aus demselben Wahlbezirk lieferte „Face the Facts“ dagegen sofort alle relevanten Daten.

Aufbau der App

Die App besteht aus drei Bereichen. Der wichtigste Abschnitt ist der Scan-Bereich in der Mitte: Sie fotografieren mit der Smartphonekamera ein Wahlplakat. Dabei muss der Name der Bewerberin oder des Bewerbers deutlich zu lesen sein. Dann zeigt Ihnen die App zu dem Kandidaten an, welche Positionen er zu ausgewählten Fragen wie zum Beispiel Tempolimit 130 km/h auf Autobahnen, mehr Geld für Verteidigung, Abschaffung der Hartz4-Sanktionen, Videoüberwachung etc. einnimmt. Außerdem sehen Sie den politischen Werdegang, einen kurzen Lebenslauf, die politischen Schwerpunkte und die Mitgliedschaften beziehungsweise Nebentätigkeiten des Kandidaten - das entspricht den Angaben, die Sie auch auf der entsprechenden Webseite des Bundestags finden, mehr dazu lesen Sie in der Meldung Diese Webseite zeigt: So viel verdienen Abgeordnete nebenher. Dazu kommen noch Web- und Socialmedia-Aadressen des Bewerbers. Außerdem sehen Sie, in welchem Wahlkreis sie oder er antritt.

Die Positionen der Kandidaten werden übersichtlich dargestellt.
Vergrößern Die Positionen der Kandidaten werden übersichtlich dargestellt.

Im Bereich „Verlauf“ sehen Sie alle bereits von Ihnen eingescannten Kandidaten. Und in einem dritten Bereich werden Ihnen die Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl vorgestellt.

Face the Facts
Vergrößern Face the Facts
© facethefacts.app

Zweck der App

Die App will es dem Benutzer ermöglichen, sich ein genaueres Bild von einer Kandidatin oder von einem Kandidaten zu machen, seine Positionen zu kennen und auch zumindest teilweise ein Ahnung dafür zu bekommen, wer Einfluss auf die Kandidatin oder den Kandidaten nehmen könnte. Nicht ohne Grund zeigt das offizielle Pressefoto der App-Macher den umstrittenen CDU-Politiker Philipp Amthor - der Wikipedia-Artikel zu Amthor macht auch klar, weshalb die App-Verantwortlichen ausgerechnet diesen Kandidaten ausgewählt haben.

Vorteil der App

Die App „Face the Facts“ bringt keine neuen Erkenntnisse über einen Bewerber, sondern sie fasst das im Web frei zugängliche Material an einer Stelle übersichtlich und neutral zusammen, wobei die App-Macher betonen, dass sie die Daten nicht redaktionell bearbeiten (und damit potenziell verfälschen könnten). Sie erspart Ihnen also die mühsame Eigenrecherche. Eine stichprobenartige Überprüfung ergab, dass die Angaben der App zu stimmen scheinen. Wichtige und seriöse Quellen für die Beschreibung der Kandidaten sind abgeordnetenwatch, der Bundestag und Wikidata.

Und falls die App einen Kandidaten nicht erkennt?

Bei unserem Test erkannte, wie oben erwähnt, die App einen Bewerber von "Die Partei" nicht. Victor Bellu von "Face the Facts" erklärte uns das folgendermaßen: "Wir featuren in der App alle Kandidierenden die auch abgeordnetenwatch in der Datenbank hat. Das sind für die Bundestagswahl etwas mehr als 3300 Direktkandidierende dazu kommen noch die Kandidierenden für Berlin. Ungefähr 50 Politiker haben leider kein Profil bei abgeordnetenwatch, deshalb ist es uns auch nicht möglich die zu featuren. Das sind leider besonders Personen aus kleinen Parteien, die vorher kein Mandat hatten. Über die gibt es dann auch meistens keine Daten oder ein Bild."

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