2461453

Cloud Cam: Amazon-Mitarbeiter schauen Kunden beim Sex zu

11.10.2019 | 14:40 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Laut einem Medienbericht schauen sich Amazon-Mitarbeiter Videos an, die von Kameras stammen, die Amazon zur Überwachung des Zuhauses verkauft hat. Manchmal zeigen die weitergegebenen Videos die Kamera-Besitzer beim Sex. Update: Stellungnahme von Amazon.

Bloomberg berichtet, dass sich Amazon-Mitarbeiter Videos anschauen, die Amazons Cloud Cam von den Nutzern in deren Zuhause aufzeichnet. Die Video-Auswertungsteams sitzen Bloomberg zufolge in Indien und Rumänien. Die dortigen Mitarbeiter sollen mit ihrer Analyse und ihren Anmerkungen zu den Videos dabei helfen, die Algorithmen für Künstliche Intelligenz (KI/AI), die die Kamera nutzt, zu verbessern.

Denn Amazon bewirbt die Cloud-Cam-Sicherheitskamera damit, dass sie alles bereitstellt, was der Nutzer braucht, um sein Zuhause Tag und Nacht überwachen zu können. Hier nutzt die Kamera zwar wie so viele Geräte heutzutage KI. Doch da diese KI derzeit noch nicht wirklich intelligent genug ist, muss eben noch menschliche Intelligenz nachhelfen. Die Kamera soll mit Hilfe der analysierenden Amazon-Mitarbeiter lernen, wann eine von ihr aufgezeichnete Szene eine tatsächliche Gefahr darstellt (beispielsweise, wenn die Kamera einen Einbrecher filmt) und sie deshalb Alarm schlagen soll und wann die Szene harmlos ist (wenn zum Beispiel ein Haustier durch die Wohnung springt).

Das ist eben die Aufgabe von laut Bloomberg Dutzenden von Mitarbeitern in Indien und Rumänien, die ausgewählte Videoclips unter die Lupe nehmen. Bloomberg will das von fünf ehemaligen Mitarbeitern beziehungsweise Kennern der Materie erfahren haben. Um die 150 Videos pro Tag muss so ein Video-Analytiker bearbeiten und kommentieren. Jeder Videoclip ist typischerweise zwischen 20 und 30 Sekunden lang.

Die Mitarbeiter schauen sich nur Videoausschnitte an, die Nutzer der Cloud Cam selbst eingeschickt haben, um Probleme mit der Kamera lösen zu lassen, sowie Videoclips, die von angestellten Testern stammen.

Doch damit ist ein massives Datenschutzproblem verbunden. Die Cloud-Cam-Nutzer schicken die Clips zwar selbst ein, weil nach ihrer Meinung die Kamera bestimmte Szenen falsch interpretiert hat oder es sonstwie Probleme mit der Kamera gab. Doch Amazon sagt laut Bloomberg nirgends in seiner Beschreibung zur Kamera oder in den AGB, dass Menschen aus Fleisch und Blut sich die Videomitschnitte dann anschauen. Wenn es aber schon ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer ist, wenn sich Menschen die Audio-Aufzeichnungen von Alexa, Google oder Siri anhören, um wie viel schlimmer ist dann die Verletzung der Privatsphäre, wenn fremde Menschen sogar Videos anschauen, die die Nutzer in ihren eigenen vier Wänden zeigen.

Außerdem betonen zwei der Informanten, dass durchaus auch Videoclips von den Mitarbeitern angeschaut wurden, die die Cloud-Cam-Nutzer sicherlich nicht weitergeben wollten. Darunter würden sich in seltenen Fällen auch Videoaufzeichnungen von sexuellen Handlungen befinden. Wenn die Video-Prüfer auf derartiges Material stoßen, würden sie dieses markieren und löschen.

Ein weiteres Problem: Obwohl Amazon durchaus strenge Sicherheitsvorschriften für die Video-Auswertung vorgeben würde und diese Mitarbeiter beispielsweise ihre Handys während der Arbeit nicht benutzen dürfen, hätten einige Mitarbeiter durchaus Videomaterial an Nicht-Teammitglieder weitergegeben.

Update 14:40: Stellungnahme von Amazon

PC-WELT fragte bei Amazon nach einer Stellungnahme zu dem Bloombergbericht nach. Amazon antworte folgendermaßen: "Wir nehmen Datenschutz ernst und geben Kunden der Cloud Cam, die ausschließlich in den USA vertrieben wird, die Kontrolle über ihre Videoclips. Nur die Kunden selber können ihre Clips ansehen. Außerdem können sie diese jederzeit auf der Seite Meine Inhalte und Geräte verwalten löschen. Über die 'Feedback'-Option in der Cloud Cam App können Kunden einen bestimmten Clip mit Amazon teilen, um den Service zu verbessern. Entscheidet sich ein Kunde dafür, einen Clip zu teilen, kann dieser kommentiert und für überwachtes Lernen verwendet werden, um die Genauigkeit der Computer Vision Systeme der Cloud Cam zu verbessern. So hilft beispielsweise das überwachte Lernen der Cloud Cam, verschiedene Arten von Bewegungen besser zu unterscheiden, damit wir den Kunden genauere Warnmeldungen geben können." Zitat und Update Ende

Die Cloud Cam verkauft Amazon seit 2017 in den USA zur Heim-Überwachung. Sie kostet dort rund 90 US-Dollar. In Deutschland bietet Amazon diese Kamera nicht an, hierzulande verkauft Amazon nur seine Ring- und Blink-Kameras.

Zeitarbeiter in Polen hören deutsche Alexa-Befehle ab

Die besten smarten Überwachungskameras

Alexa-Sprachaufzeichnungen: So hindern Sie Amazon-Mitarbeiter am Mithören

Alexa-Sprachaufzeichnungen fallen in fremde Hände

Tausende Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte ab

PC-WELT Marktplatz

2461453