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Chris: Sprachassistent made in Germany speziell für Auto-Fahrer

22.03.2019 | 12:27 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Whatsapp und SMS senden und empfangen, sprachgesteuerte Navigation, Freisprecheinrichtung und Musikwiedergabe – das alles soll man in jedem beliebigen Auto jeglichen Baujahres jederzeit mit „Chris“ nachrüsten können. Für 299 Euro könnte diese Lösung eines deutschen Start-Ups manche teure Infotainmentlösung ab Werk überflüssig machen. Update: Karten werden für jede Route neu vom Server heruntergeladen.

Das ist Chris: Mit rund neun Monaten Verspätung ist jetzt der Chris Sprachassistent fürs Auto verfügbar. Dabei handelt es sich um ein 9,0 x 9,0 x 4,4 cm großes und 250 Gramm schweres Gerät von dem 2016 gegründeten Berliner Start-Up German Autolabs, das per Saugnapf an der Windschutzscheibe oder auf dem Armaturenbrett eines beliebigen Fahrzeugs befestigt und via Bluetooth 4.2/BLE und der Chris-App mit dem Smartphone gekoppelt wird. Chris besitzt einen mit einem Aluminium-Ring eingefassten 2,1-Zoll-Farb-Bildschirm, 5 Mikrofone mit Beamforming-Technologie, Spracherkennung und Sprachausgabe und kann außerdem dank Gestensensor einige Wischgestern identifizieren.

Sprachsteuerung in jedem Auto nachrüsten: Zielgruppe sind Autofahrer, die ein Fahrzeug ohne leistungsfähige Sprachsteuerung besitzen. Und dieses um eine Sprachsteuerung in Englisch und Deutsch für ausgewählte Funktionen nachrüsten wollen. Somit konkurriert Chris also zum Beispiel mit PNDs/Stand-Alone-Navigationsgeräten von TomTom oder mit Smartphones mit Google Assistant oder Siri. Und mit Alexa-Geräten wie dem Garmin Speak. Mit Logitech Zero Touch gab es bereits 2016 eine ähnliche Lösung mit Sprachsteuerung und Wischgestenerkennung, die sich auf dem Markt aber nicht durchsetzen konnte. In den USA verkauft Amazon zudem Echo Auto , allerdings ohne Gestenerkennung.

Ausstattung, Bedienung, Funktionen: Auf dem runden Bildschirm zeigt Chris Navigationspfeile, die Fotos von Kontakten oder Musiktitel an. Wesentliches Bedienelement ist die Sprache: Sie bedienen Chris also in erster Linie per Sprachbefehl und alternativ noch mit einigen Wischgesten: Mit einer kurzen Handbewegung wechseln Sie Lieder oder blättern durch Navigationsziele. Touch dagegen ist nicht vorgesehen: Sie werden also vom Verkehrsgeschehen nicht dadurch abgelenkt, dass Sie einen kleinen Touchscreen anvisieren müssen.

Navigation
Vergrößern Navigation
© German Autolabs

Der Funktionsumfang von Chris von German Autolabs umfasst eine Freisprechanlage für Telefonate und von Kontakte aus dem via Bluetooth gekoppelten Smartphone, den Erhalt und Versand von SMS und Whatsapp-Nachrichten von und an Kontakte(n) aus dem Smartphone, das Abspielen von Musik vom Smartphone und Turn-By-Turn-Navigation (laut Hersteller mit weltweiten Karten, die von Here kommen).

Mit Wischgestenerkennung.
Vergrößern Mit Wischgestenerkennung.
© German Autolabs

Chris ist also auf einige wenige, aber besonders im Auto wichtige Funktionen beschränkt. Genau dafür soll die Sprachsteuerung von Chris optimiert sein (mit Cloud-Unterstützung) und zur Not auch offline (ohne Cloud) funktionieren (German Autolabs bezeichnet das als hybride Funktion; das Ganze ähnelt dem Infotainmentsystem im Audi A7/A8 , das ebenfalls online und offline funktioniert. Ähnliches gilt für die Sprachsteuerung von MBUX in der Mercedes A-Klasse ). Das unterscheidet Chris von Google Assistant oder Siri: Chris will gar nicht erst alle möglichen Einsatzszenarien eines Sprachassistenten abdecken und er funktioniert eben auch ohne Mobilfunkverbindung (für Garmin Speak ist zum Beispiel immer einer Mobilfunkverbindung erforderlich), dann aber mit eingeschränkter Funktionalität.

Noch einige Einschränkungen bei der Navigation

Aktuell ruft Chris die Karte für eine Navigation bei deren Start noch von den Here-Servern ab. Sie müssen dann also eine gute Mobilfunkverbindung haben und die heruntergeladenen Daten gehen auf Kosten des monatliche Datenvolumen Ihres Mobilfunkvertrags. Ein bekanntes Problem von Apple Karten und - sofern man die Karten nicht vorher im WLAN herunterlädt - von Google Maps. Zudem kann das dazu führen, dass die Navigation in einem Gebiet mit schlechter Mobilfunkverbindung gar nicht erst startet, weil das Kartenmaterial nicht durch die "dünne" Leitung durchkommt.

Nach dem Herunterladen werden die Karten auf dem Smartphone gespeichert für die Fahrt. „Perspektivisch“ (O-Ton German Autolabs) will German Autolabs aber auch die Offline-Navigation ermöglichen. Dann sollen die Karten auf dem Smartphone liegen, zusammen mit der Chris-App. Es wird dann eine Funktion in der Chris-App geben, um die Karten herunterzuladen und offline zu speichern.

Bei der Routenplanung werden zwar Here-Echtzeitverkehrslagedaten verwendet. Aber: Diese aktuellen Verkehrslagedaten werden nur bei der erstmaligen Erstellung der Route berücksichtigt, während der Fahrt aber nicht mehr aktualisiert. Das ist ein großes Manko. So würde ja zum Beispiel eine zwischenzeitlich erfolgte Vollsperrung wegen eines Unfalls nicht erkannt werden. German Autolabs will die fortlaufende Aktualisierung der Verkehrslagedaten aber zu einem späteren Zeitpunkt nachschieben.

Weder Alexa, noch Google Assistant:  Chris soll als technischen Unterbau weder Alexa noch den Google Assistant noch Siri verwenden, wie uns German Autolabs auf Nachfrage erklärte. Für ASR (Listening) und TTS (Talking) verwendet Chris laut Hersteller bereits existierende Lösungen spezialisierter Anbieter. Die Bereiche NLU (Understanding), DM (Deciding) und NLG (Formulating) entwickelt das deutsche Start-Up laut eigenem Bekunden selbst.

Der Li-Ion-Akku soll mit einer Ladung eine Woche Stand-by beziehungsweise eine Stunde Betrieb durchhalten. Zur Stromversorgung wird das Gerät aber ohnehin über seinen micro-USB-Port mit der 12-Voltsteckdose im Auto verbunden.

Chris steht derzeit aber nur für viele Android-Smartphones ab Android 7.1.1 "Nougat" oder höher zur Verfügung. Die aktuelle Ausschlussliste finden Sie hier. Demnach funktioniert Chris nicht mit diesen Androiden:

  • Blackberry (alle Modelle)

  • Fairphone (alle Modelle)

  • Huawei P8 Lite, P9 Lite, P10 Lite, P9, P10

  • Motorola (diverse Modelle)

  • Samsung Galaxy S5, A5, Note 3

  • Shiftphone (alle Modelle)

  • Xiaomi Redmi 6, Mi A2 Lite

Eine iPhone-Version befindet sich derzeit in der Entwicklung. Aktuell können Sie Chris also noch nicht mit einem iPhone verwenden.

Preis und Verfügbarkeit: Ab sofort ist Chris für 299 Euro für viele Android-Smartphones auf Amazon erhältlich. Inklusive Software-Updates und Karten-Updates. Im Lieferumfang sind enthalten: Chris, Saugnapfhalterung, Kabelhalter, 3,6-Meter-Micro-USB-Kabel, 12 Volt Dual-USB-Ladegerät und Schnellstartanleitung.

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