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China zensiert Chat-App WeChat

02.12.2016 | 14:29 Uhr |

Die chinesische Regierung löscht in der beliebten Chat-App WeChat Nachrichten mit anstößigen Begriffen.

WeChat ist das chinesische Pendant zu WhatsApp. Der Messenger existiert bereits seit 2011 und zählt mittlerweile mehr als 800 Millionen Nutzer. So frei wie bei WhatsApp und Co. können die WeChat-Nutzer in China jedoch nicht miteinander kommunizieren.

Wie Forscher der Universität Toronto und dem Citizen Lab in einer aktuellen Untersuchung mit dem Titel "One App, Two Systems" festgestellt haben, wird bei WeChat fleissig zensiert. So werden den Wissenschaftlern zufolge Gruppen- und Einzel-Gespräche von WeChat-Accounts mit chinesischen Telefonnummern nach politisch anstößigen Keywords durchsucht.

Wird in einem WeChat-Gespräch eine anstößige Nachricht gefunden, wird sie blockiert und verschwindet dann. Wurden die App-Nutzer bislang über die Zensur informiert, werden Nachrichten laut der Untersuchung mittlerweile auch ohne Vorwarnung entfernt. WeChat verfolgt seine Nutzer zudem auch weiter, wenn sie aus China ausreisen und zu einer ausländischen Telefonnumer welchseln. Auch dann werden noch Nachrichten mit verbotenen Schlüsselwörtern in ihrem Chatverlauf gelöscht.

Für die Untersuchung testeten die Forscher insgesamt 26.821 mögliche Schlüsselwörter bei WeChat. Dafür nutzten sie Konten aus Kanada, den USA und China. Auf 174 dieser Schlüsselwörter sprang die Zensur an und löschte die zugehörigen Beiträge aus dem Chat-Verlauf. Stein des Anstoßes waren unter anderem die spirituelle Bewegung Falun Gong, Witze zu chinesischen Staatsoberhäuptern und die Niederschlagung der Demokratiebewegung im Juni 1989.

WeChat ist in China das beliebteste Chat-Tool. Im Gegensatz zum Facebook Messenger oder WhatsApp ist WeChat enger mit dem digitalen Leben seiner Nutzer verknüpft. So bezahlen viele Chinesen beispielsweise über WeChat oder lassen sich Fahrdienstleistungen vermitteln.

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