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China beschwert sich bei UNO über Elon Musks Starlink

29.12.2021 | 08:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

China ist wütend auf Elon Musk. In chinesischen Internetforen soll es Boykottaufrufe geben. Der Grund sind Musks Starlink-Satelliten.

Die Volksrepublik China ist sauer auf Elon Musk. Obwohl dessen Teslas in China nicht nur sehr beliebt sind, sondern dort auch gebaut werden ( die in Deutschland verkauften Model Y stammen so lange aus der chinesischen Gigafactory, bis endlich die deutsche Tesla-Fabrik in Grünheide die Produktion aufnehmen darf ). Der Grund für den chinesischen Unmut sind auch nicht Musks Teslas, sondern dessen Raumfahrtunternehmen SpaceX und dessen Starlink-Satelliten für den Betrieb eines Internetzugangs.

Update 29.12.: China legt Beschwerde bei der UNO ein

China hat sogar offiziell Beschwerde bei der UNO eingelegt . In diesem Dokument stellt die Volksrepublik ihre Sicht der Dinge dar. Update Ende

So schildert China den Beinahe-Zusammenstoß

Denn chinesische Medien melden , dass Chinas bemannte Raumstation Tiangong bereits zwei Mal Starlink-Satelliten ausweichen musste, um einen Zusammenstoß zu vermeiden und das Leben der chinesischen Astronauten (von China als Taikonauten bezeichnet) an Bord zu retten. Das soll am 1. Juli und am 21. Oktober 2021 passiert sein. Tiangong fliegt in rund 390 Kilometer Höhe um die Erde.

Vor dem Vorfall im Juli habe sich der Starlink-Satellit 1095 von seiner eigentlichen Umlaufbahnhöhe von 555 Kilometer auf nur noch 382 Kilometer herabgesenkt und sei damit der chinesischen Raumstation bedenklich nahe gekommen. Am 1. Juli musste Tiangong dann ausweichen. Starlink-Satellit 1095 sank danach immer weiter ab und trat in die Erdatmosphäre ein, wo er im September 2021 verglühte.

Der zweite Vorfall im Oktober ereignete sich mit Starlink-Satellit 2305: Auch damals verließ der Starlink-Satellit seine eigentliche Umlaufbahn, ohne dass man wusste, was der Satellit plane - so stellen es zumindest die Chinesen gegenüber der UNO dar. Erneut habe Tiangong ausweichen müssen. Starlink-Satellit 2305 stieg danach von seinen zuletzt erreichten 350 Kilometer wieder hoch auf nun 550 Kilometer.

China wirft deshalb den USA vor gegen Raumfahrtverträge zu verstoßen - die USA sind für die chinesische Regierung vermutlich der lohnenswertere Gegner als Musk. Denn mit den USA gibt es seit einiger Zeit Spannungen, USA und China konkurrieren unter anderem um die Vormachtstellung im asiatischen Raum.

Boykottaufrufe

In chinesischen Internetdiensten gab es Boykottaufrufe gegen Tesla und Forderungen nach Sanktionen. Da China das Internet streng reguliert, liegt der Verdacht nahe, dass die Regierung der Volksrepublik hinter den Boykottaufrufen steckt.

Ähnlicher Vorfall bereits 2019

Die Beinahe-Zusammenstöße mit der chinesischen Raumstation sind aber nicht die ersten derartigen Vorfälle. Bereits 2019 musste ein Satellit der europäischen Raumfahrtorganisation ESA einem Starlink-Satelliten ausweichen, um einen Zusammenstoß zu verhindern: Beinahe-Kollision - ESA-Satellit weicht Elon Musks Internet-Satellit aus. Seit damals hat SpaceX aber noch viel mehr Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen. Derzeit sollen rund 1900 Starlink-Satelliten um die Erde kreisen. SpaceX betreibt damit seinen Satelliten-basierten Internetzugang.

SpaceX behauptet, dass seine Satelliten automatisiert ausweichen können, wenn sie anderen Raumfahrzeugen zu nahe kommen. Andere Raumschiffe müssten deshalb gar nicht ausweichen.

Es gibt keinen neutralen Beobachter der beiden Vorfälle. Somit lässt sich nicht entscheiden, ob die von den Chinesen behaupteten Ausweichmanöver ihrer Raumstation tatsächlich nötig waren.

Tiangong

Die Tiangong ("Himmelspalast"), von der hier die Rede ist, ist die dritte chinesische Raumstation dieses Namens. Ihre beiden Vorgänger Tiangong 1 und Tiangong 2 sind bereits wieder verglüht beziehungsweise zur Erde gestürzt:

Chinesische Raumstation ist auf die Erde gestürzt

Raumstation Tiangong-2 ist planmäßig verglüht

Weltraumrakete stürzte auf die Erde: Keine Schäden

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