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CES: Blickerkennung, Kampf gegen Motion Sickness, 8K und 5G

08.01.2020 | 16:01 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

8K bei Fernsehern und 5G bei der Konnektivität standen bereits vor Messebeginn als Highlights der CES 2020 in Las Vegas fest. Doch Blickerkennung/Eye-Tracking und Maßnahmen gegen Motion Sickness spielen ebenfalls eine große Rolle. Zumindest bei den Messe-Auftritten von BMW und Audi.

Als Schlagworte der CES 2020 in Las Vegas standen 8K-Fernseher und 5G bereits vor Messestart fest. So zeigen fast alle wichtigen TV-Hersteller Fernsehgeräte mit 8K-Darstellung; oft ist neben dem 8K-Modell ein 4K-TV aufgebaut, der das gleiche Bild zeigt. Dadurch soll der Besucher einen Eindruck vom Qualitätsunterschied gewinnen. Aber wirklich Sinn macht ein 8K-TV natürlich erst, wenn es dafür auch die passenden Inhalte gibt. Sharp geht ein klein wenig in diese Richtung und stellt eine Flugdrohne aus, die 8K-Videos dank 5G-Chip live streamen soll.
 
5G ist ebenfalls allgegenwärtig. BMW und Samsung nutzen die CES um ihre Zusammenarbeit bei der 5G-Integration in ihre Fahrzeuge zu verkünden, BMW will 5G in seinen Next-Modellen anbieten. Das Thema 5G ist vor allem für Fahrerassistenzsysteme, für selbstfahrende Autos und erweiterte Infotainmentangebote in Fahrzeugen wichtig. So sollen via 5G die Fahrzeuge untereinander Daten austauschen und sich beispielsweise vor Gefahren wie Glatteis oder Unfällen warnen; in diesem Zusammenhang ist auch oft von Schwarmintelligenz die Rede. Die vielen Daten, die die einzelnen Autos sammeln, werden zu den Servern der Automobilhersteller, beispielsweise von BMW, übertragen, dort ausgewertet und darauf basierend dann die entsprechenden Hinweise und Warnungen an die Fahrzeuge zurückgeliefert.

BMW und Samsung arbeiten schon lange zusammen, jetzt auch bei 5G.
Vergrößern BMW und Samsung arbeiten schon lange zusammen, jetzt auch bei 5G.

 
Das geht zwar nicht ausschließlich über 5G-Verbindungen, sondern lässt sich teilweise auch schon mit 4G realisieren. Doch mit 5G sind solche Szenarien unter anderen wegen dessen großer Bandbreite und der geringen Latenz schneller und zuverlässiger umsetzbar. Voraussetzung ist aber, dass das 5G-Netz flächendeckend dafür ausgebaut wird. Bis es soweit ist, dürfte speziell in Deutschland noch einige Zeit vergehen. Wie uns gegenüber angedeutet wurde, lässt sich der Vorteil von 5G am ehesten noch in Staaten wie Südkorea erleben, wo man den Ausbau des 5G-Netzes energisch vorantreibt.
 
Etwas überraschender als 5G und 8K ist dagegen die Fokussierung einiger Automobilhersteller auf die Blickerkennung im Auto und auf den Kampf gegen Motion Sickness im PKW. Letztere kann dann auftreten, wenn die Insassen eines Autos auf einem Bildschirm zum Beispiel Bewegungen sehen, die nicht zu den tatsächlich ausgeführten und vom Körper gespürten Bewegungen passen. Das könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Fahrzeuginsasse – zum Beispiel in einem autonom fahrenden Auto oder als Beifahrer – einen Film betrachtet.
 
Diese Motion Sickness will Audi bei einer Displaystudie ( „Display on Demand-transparent“ ), die die Ingolstädter auf der CES zeigen, dadurch verhindern, dass Teile des Displays transparent bleiben. Fahrer und Beifahrer können also zum Beispiel durch die äußeren Abschnitte des Displays hindurchschauen, während auf dem mittleren Teil die relevanten Informationen oder Filme angezeigt werden.
 
Beim neuen Komfortsitz ZeroG Lounger von BMW wiederum zeigen Bewegungs-Illustrationen/Animationen auf dem vom Dachhimmel ausgeklappten Bildschirm die Richtung an, in die der BMW fährt. Auch das soll die Gefahr von Motion Sickness reduzieren.
 
Sowohl BMW als auch Audi zeigen auf der CES 2020 auch Fahrzeugstudien mit Blickerkennung, auch als Eye-Tracking oder Blicksteuerung bezeichnet wird. Die Blickerkennung soll in Zukunft Sprachsteuerung und Gestensteuerung als Bedienkonzepte ergänzen. Dafür werden in den Fahrzeugen Kameras verbaut, die die Augen der Insassen überwachen. Nun werden entweder auf dem Display im oder oberhalb des Armaturenbretts im Audi Symbole eingeblendet. Blickt die Person im Auto auf eines der Symbole, so registriert das die Kamera und öffnet das entsprechende Menü. Für die weitere Unternavigation müssen die Insassen aber auch Gestensteuerung und Sprachsteuerung verwenden, nur per Augensteuerung lassen sich nicht alle Funktionen aufrufen. Audi integriert hierzu in seiner Studie Audi AI:ME ein Touchpad in die Armehnen der Türen. In der Studie BMW i Interaction EASE wiederum tippen Sie mit der Hand neben sich auf eine markierte Stelle auf dem Sitz um eine Auswahl aus der Anzeige auf dem Head-Up-Display zu treffen.

Zu betonen ist aber, dass es sich dabei derzeit nur um Studien handelt. Die dabei gezeigten Techniken werden keinesfalls in nächster Zeit bereits serienreif sein.
 
Die Sache mit der Blickerkennung lässt sich natürlich noch weiterspinnen. So könnte das Fahrzeug relevante Informationen zu Objekten einblenden, die die Fahrzeuginsassen vom Auto aus anschauen. Damit ließe sich aber auch kontextabhängig Werbung realisieren: Fahren Sie gerade an einem McDonalds vorbei und Sie blicken tatsächlich auf die Burgerbräter, dann könnte das Auto Ihnen sagen oder auf einem Bildschirm anzeigen, ob es dort gerade ein Hamburger-Sonderangebot gibt.

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