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CDU-Vorsitzende: Flugzeugträger für Europa

14.03.2019 | 09:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer fordert ganz besondere Spitzentechnik für Europa: Einen gemeinsamen Flugzeugträger! Update: Spott in den sozialen Netzen.

Update 14.3.: Der Vorschlag der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer für den Bau eines europäischen Flugzeugträgers sorgt fast zwangsläufig für Spott in den sozialen Netzen. Hier nur ein Beispiel auf Twitter (bei dem allerdings fälschlicherweise Bundeskanzlerin Angela Merkel als Urheberin für den Flugzeugträgerplan genannt wird). Update Ende.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron ein Antwortschreiben zu dessen jüngsten Aufruf zur Erneuerung Europas verfasst. In Kramp-Karrenbauers Schreiben enthalten ist eine kurze Passage mit einem verblüffenden Inhalt: Die CDU-Vorsitzende plädiert für den Baus eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers!

Bereits jetzt arbeiten Deutschland und Frankreich gemeinsam daran ein neues Hochtechnologie-Kampfflugzeug zu entwickeln, das bei der Luftwaffe den Eurofighter setzen soll. Kramp-Karrenbauer kann sich aber vorstellen, dass „im nächsten Schritt … mit dem symbolischen Projekt des Baus eines gemeinsamen europäischen Flugzeugträgers“ begonnen werde.

Nun ist ein Flugzeugträger nicht gerade ein Waffensystem, das man eben mal so baut. Die Entwicklungskosten sind riesig und gehen in die Milliarden Euro, zudem ist sehr spezielles Fachwissen für den Bau eines Flugzeugträgers erforderlich (das die Franzosen aber besitzen). Außerdem wäre so ein Flugzeugträger zur Verteidigung Europas überflüssig – ein Flugzeugträger würde nur für außereuropäische Missionen Sinn machen, was wiederum eine gemeinsame aktive europäische Sicherheitspolitik voraussetzen würde. Darauf zielt Kramp-Karrenbauer offensichtlich tatsächlich ab, wenn sie schreibt, dass der Flugzeugträger dazu dienen soll "um der globalen Rolle der Europäischen Union als Sicherheits- und Friedensmacht Ausdruck zu verleihen."

Speziell aus Sicht der in den letzten Jahrzehnten massiv geschrumpften Bundeswehr sprechen vor allem finanzielle Gründe gegen den Bau eines Flugzeugträgers: Das dafür ausgegebene Geld ließe sich alternativ auch dafür verwenden, um die zahlreichen Fähigkeitslücken der Bundeswehr bei Drohnen, IT, Panzern, U-Booten, Hubschraubern, Kampfflugzeugen, Flugbereitschaft, veralterter Munition und vielen Details der täglichen Ausstattung zu verringern. Andererseits wäre der Bau eines Flugzeugträgers ohnehin ein Projekt, das erst gegen Mitte des 21. Jahrhunderts angegangen würde. Dieses Projekt, sofern es denn tatsächlich umgesetzt werden würde, hätte also vermutlich keine Auswirkungen auf die aktuell schlechte Ausstattungssituation der Bundeswehr.

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