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Bundesregierung will Videospiele nicht mehr fördern

08.07.2019 | 12:00 Uhr | René Resch

Erst letztes Jahr genehmigt, soll 2020 schon wieder Schluss sein. Die Finanzspritze für die Videospiel-Industrie soll gestrichen werden. Update: Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung möchte die Videospiel-Förderung doch noch retten.

Update vom 8. Juli 2010 - Dorothee Bär (CSU) will die Videospiel-Förderung retten: Dorothee Bär, CSU-Politikerin und Staatsministerin für Digitalisierung sowie Fürsprecherin der Videospiel-Branche, will sich für die Finanzhilfe für die Gaming-Branche einsetzen und versucht diese zu retten. Es sei weiterhin "essenziell, dass die Fördergelder für das Jahr 2020 gesichert werden", sagte sie gegenüber dem Spiegel. "Die Games-Förderung ist eine wichtige investive Maßnahme, mit der wir Zukunft gestalten. So etwas muss Priorität haben, gerade im Vergleich zu lediglich konsumptiven Ausgaben". Die Summe sei sogar noch "ausbaufähig", und es sei eine gute Sache, "dass die Branche ihre Stimme so deutlich und stark erhoben hat", so Bär.

Derzeit befindet sich der Haushaltsplan 2020 noch im parlamentarischen Verfahren. Mit der Unterstützung der Staatsministerin für Digitalisierung können Entwickler allerdings wieder etwas Hoffnung schöpfen. Denn für die Entwicklerszene war die voraussichtliche Streichung der Fördergelder ein Schock: Geschäftsführer des Hamburger Entwicklers Daedalic sprach sogar von einer "Katastrophe biblischen Ausmaßes für die Spielebranche" und "digitalem Selbstmord".

News vom 27. Juni 2019 - Bundesregierung will Videospiele nicht mehr fördern: In Berlin hat sich das Bundeskabinett abermals versammelt und einen Entwurf des Bundeshaushalts für 2020 verabschiedet. Im neuen Entwurf des Finanzplans wurden dabei die Fördergelder für Videospiele gestrichen. Diese wurden erst im letzten Jahr genehmigt, 2020 könnte also schon wieder Schluss mit der Finanzspritze für Videospiele sein. Der Entwurf ist jedoch noch nicht final bestätigt.

Der deutsche Industrieverband für Videospiele „game“ kritisierte den Regierungsentwurf in einer Pressemitteilung:

„Die Bereitstellung der 50 Millionen Euro für die Games-Förderung war ein wichtiger Schritt im vergangenen Jahr. Doch damit die Games-Förderung, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, auch wirklich international konkurrenzfähig sein kann, ist die langfristige Unterstützung durch die Bundesregierung notwendig. Denn die Games-Förderung braucht Planungssicherheit, um erfolgreich zu sein. Jetzt ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: Das Fehlen von Fördermitteln im aktuellen Regierungsentwurf des Bundeshaushalts schafft Unsicherheit und vergibt die Chance, das positive Signal aus Deutschland weiter zu verstärken“

Aber nicht nur der Industrieverband für Videospiele kritisiert das Vorgehen, auch zahlreiche Politiker sehen die Streichung der Videospiel-Förderung als Rückschritt.

Thomas Hacker, medienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, äußerte sich gegenüber Games-Wirtschaft besorgt:

„Die Bundesregierung hält mit diesem Programm nun seit Monaten Unternehmen und Parlament hin. Sinnvoll wäre eine verlässliche Politik. Darauf warten die Menschen in Deutschland – und darauf, dass die Games-Förderung endlich der eigentlich zuständigen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien übergeben wird.“

Und auch der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann gab in einer SPD-Pressemitteilung zu verstehen: „Die Games-Förderung darf nicht gefährdet werden“:

„Leider hat der Bundesverkehrsminister es trotz Zusagen versäumt, die notwendigen Mittel für die Games-Förderung in Höhe von 50 Millionen Euro bereitzustellen und gefährdet so den wettbewerbsfähigen Entwicklerstandort Deutschland und Arbeitsplätze […] Eine solche substanzielle Förderung von Games und die Einrichtung eines Fonds für die Förderung von Games zur Entwicklung hochwertiger digitaler Spiele sind dringend notwendig. Nur so können wir Deutschland, auch mit Blick auf vergleichbare europäische Länderförderungen und im Interesse gleicher Wettbewerbsbedingungen, stärken und international wettbewerbsfähig machen.“

Sollte der Entwurf nicht mehr geändert werden, bricht die Bundesregierung ihr im Koalitionsvertrag festgehaltenes Versprechen, die deutsche Gaming-Industrie insoweit zu fördern, das sie international konkurrenzfähig wird.

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