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Bundesnetzagentur sperrt über 2000 Online-Angebote mit 21 Millionen Produkten

22.01.2021 | 12:37 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Bundesnetzagentur sperrte 2020 viele Online-Produkte wegen Mängeln bei Sicherheitsnormen, Bedienungsanleitung, Funkentstörung etc. Ein Überblick.

Die Bundesnetzagentur sperrte laut eigenen Angaben im Jahr 2020 exakt 2142 Online-Angebote. Diese Sperrungen betrafen insgesamt über 21 Millionen Produkten.

"Wir haben unsere Marktüberwachung 2020 im Zuge der Corona-Pandemie verstärkt auf den Online-Verkauf konzentriert. Über das Internet gelangen weiterhin großen Mengen unsicherer Produkte auf den deutschen Markt”, begründet Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, das Vorgehen. Und weiter: “Wenn der Preis sehr niedrig ist, sollten Verbraucher zweimal hinschauen. Entscheiden Sie insbesondere im Online-Handel nicht nur nach dem Preis. Sehr günstige Produkte entsprechen oft nicht den europäischen Sicherheitsnormen.“ Das ist zum Beispiel bei FFP2-Masken ein wichtiger Aspekt, wenn Sie diese nicht in der Apotheke oder im Drogeriemarkt kaufen, sondern in Internetshops.

Die Bundesnetzagentur legte wie schon im Jahr 2019 auch 2020 den Fokus auf die „Überwachung von Händlern, die extrem hohe Stückzahlen im Internet anboten“. Insgesamt habe die Bundesnetzagentur dabei im Internet 2142 Produktangebote ermittelt, die den europäischen Vorgaben nicht entsprachen. Diese Produkte wurden danach von den Plattformbetreibern gesperrt. Im Jahr 2019 lagen diese Zahlen deutlich niedriger: 1027 Angebote für 3,5 Millionen Produkte wurden damals beendet.

Die Bundesnetzagentur nennt formale Mängel wie z. B. eine fehlende deutsche Bedienungsanleitung oder eine unzureichenden Kennzeichnung als Grund für die Sperrung. Die Behörde ließ aber auch Produkte entfernen, die Funkstörungen beziehungsweise elektromagnetische Unverträglichkeiten verursachen und deshalb in der Europäischen Union nicht vertrieben werden dürfen.
 


Eltern sollten aufhorchen: Unter den mehr als 21 Millionen Geräten befanden sich über 7 Millionen Babyüberwachungsgeräte, denen keine deutsche Bedienungsanleitung beilag und die Kennzeichnungsmängel aufwiesen.

Auffällig waren außerdem mehr als 1 Million Funkfernbedienungen (z. B. für Garagentorsteuerungen), die Störungen sicherheitsrelevanter Funkdienste durch falsche Frequenznutzung verursachen können.

Vorgehensweise

Durch anonyme Testkäufe verschaffte sich die Bundesnetzagentur einen Überblick über die Konformität von im Internet extrem günstig angebotener Produkte. Auf Grundlage der dabei ermittelten Ergebnisse habe die Behörde ihre Zusammenarbeit mit weiteren Plattformen etabliert.

Marktüberwachung im deutschen Einzelhandel

Die Marktüberwachung im Einzelhandel sei durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie nur bedingt möglich gewesen, so die Bundesnetzagentur. Die von der Bundesnetzagentur geprüfte Anzahl von Gerätetypen im deutschen Einzelhandel belief sich auf rund 3.100 und lag damit deutlich unter dem Wert des Lockdown-freien Vorjahres. Die Behörde habe insgesamt 31 Vertriebsverbote und 782 Festsetzungsschreiben zur Behebung formaler Mängel für nicht konforme Produkte erlassen. Es waren rund 510.000 Produkte betroffen.

Zusammenarbeit mit dem Zoll

Verbraucher bestellen laut Bundesnetzagentur immer mehr Produkte online direkt aus Drittstaaten. Um sicherzustellen, dass auch solche Produkte der Marktüberwachung nicht entgehen, arbeite die Bundesnetzagentur intensiv mit dem Zoll zusammen.

Der Zoll habe 2020 rund 8.800 verdächtige Warensendungen an die Bundesnetzagentur gemeldet. Auch dieser Wert lag pandemiebedingt unter dem des Vorjahres. In mehr als 95 Prozent der Fälle erfolgte keine Freigabe der Produkte für den deutschen Markt. Insgesamt waren rund 200.000 Produkte betroffen.

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