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Bremsen-Problem: US-Behörde überprüft 416.000 Teslas

18.02.2022 | 09:30 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

416.000 Teslas sind möglicherweise von einem ernsten Bremsen-Problem (Phantom-Bremsungen) betroffen. Die zuständige US-Behörde hat jetzt eine Untersuchung gestartet.

Update 18.2.2022: Die National Highway Traffic Safety Administration untersucht jetzt 416.000 Tesla-Fahrzeuge, nachdem die Behörde mehrere Hundert Beschwerden über sogenannte Phantom-Bremsungen erhalten hat; allein in den letzten neun Monaten seien 354 Beschwerden eingegangen. Das berichtet The Verge. Die Untersuchung umfasst sämtliche Tesla Model 3 und Model Y aus dem Jahr 2021 und aus dem laufenden Jahr 2022.

Derzeit handelt es sich noch um eine Untersuchung. Daraus kann aber ein Rückruf resultieren. Update Ende

Tesla: Gefährliche Phantom-Bremsungen und überrollte Stoppschilder

Phantom-Bremsungen

Von einer Phantom-Bremsung spricht man, wenn das Auto grundlos von selbst bremst, während es teilautonom mithilfe eines Adaptive Cruise Control (Automatische Distanzregelung (ADR) ACC fährt. Tesla bezeichnet diese auch bei nahezu allen anderen Automobilherstellern erhältliche ACC-Technik als Autopilot. Bei unseren Testfahrten mit einem Tesla Model Y erlebten wir auf der Autobahn mehrmals solche überraschenden Phantom-Bremsungen. Das passiert, wenn das Umfeldüberwachungssystem des teilautonom fahrenden Fahrzeugs ein Hindernis zu erkennen glaubt. Das Gefährliche daran: Für die Autos hinter dem Tesla kommt diese starke Bremsung völlig überraschend, weil die Fahrer ja keinen Grund für eine Bremsung erkennen können.

Laut der Washington Post haben in den USA bereits Dutzende Male Tesla-Fahrer derartige Phantom-Bremsungen gemeldet. Allein in den letzten drei Monaten soll es über 100 Beschwerden bei der zuständigen National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) über derartige Vorfälle gegeben haben. Tesla hatte bereits im Oktober letzten Jahres deshalb ein Update für seine Selbstfahr-Software zurückgenommen. Trotzdem tritt dieses Problem immer noch auf.

Einige der Betroffenen klagen, dass sich weit und breit kein anderes Auto befunden habe, als ihr Tesla stark abbremste. Das war in unseren Fällen anders, da waren durchaus Fahrzeuge neben uns unterwegs. Nur eben nicht vor uns, sondern wir überholten diese ohne Probleme auf der Autobahn. Was genau unseren Tesla dazu brachte eine Vollbremsung zu starten, wissen wir nicht. Möglicherweise eine Reflexion durch das Auto, das wir gerade überholten.

Die NHTSA untersucht nun die Vorfälle und spricht mit Tesla. Experten halten es für möglich, dass dieses Problem dadurch verschärft werden könnte, weil Tesla auf Radarsensoren verzichten und stattdessen nur auf Kameras setzt. Audi, BMW, Daimler und VW verwenden dagegen immer zusätzlich auch Radarsensoren. Tatsächlich haben wir bei unseren Testfahrten mit Fahrzeugen dieser Marken keine Phantom-Bremsungen erlebt. Lediglich ein Volvo fabrizierte zweimal unerwünschte Vollbremsungen, als wir auf der Autobahn unterwegs waren. Das ist aber schon einige Jahre her und Volvo hat seine ACC-Technik seitdem mit Sicherheit verbessert.

Stoppschilder überrollen

Zudem scheint es so zu sein, dass der Autopilot von Tesla, genauer: die Full Self-Driving (Beta), zwar Stoppschilder erkennt - das klappte im Test mit dem Model Y sehr zuverlässig - und davor auch abbremst, dann aber ganz langsam trotzdem in die Kreuzung rollt, ohne stehenzubleiben. Deshalb ruft die NHTSA nun fast 54.000 Fahrzeuge zurück. Und zwar bestimmte Model S und Model X aus den Baujahren 2016 bis 2022, Model 3 aus den Baujahren 2017 bis 2022 und Model Y aus den Baujahren 2020 bis 2022. Tesla spielt ein Software-Update auf, dass diese "rolling stop“-Funktion abschaltet.

Elon Musk relativiert das Problem in einem Tweet und sieht in diesem Verhalten kein Risiko:

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