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Putin äußert sich zu Brand auf vermutlichem russischen Spionage-U-Boot

04.07.2019 | 14:15 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Auf einem russischen U-Boot hat es gebrannt, 14 Besatzungsmitglieder starben. Das beschädigte U-Boot könnte dazu benutzt werden, um die in den Ozeanen verlegten Internet-Tiefseekabel abzuhören. Update: Putin bestätigt den Brand und äußert sich zum Atomreaktor an Bord des U-Boots.

Update 4.7.2019: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich laut Spiegel Online zu dem Brand auf dem mutmaßlichen russischen Spionage-U-Boot Loscharik geäußert. Putin bestätigte, dass das havarierte U-Boot von einem Atomreaktor angetrieben werde. Dieser sei bei dem Brand aber nicht beschädigt worden.

Der Brand sei Putin zufolge im Batterieraum des U-Boots ausgebrochen. Die fünf überlebenden Besatzungsmitglieder konnten den Brand löschen und das U-Boot wieder auftauchen lassen. Das U-Boot werde nun repariert.

Von der Tageszeitung "Kommersant" wiederum heißt es, dass das Feuer offenbar durch einen Kurzschluss in der Schaltzentrale ausgelöst wurde. Kabel oder Öl fingen dann Feuer und das Belüftungssystem zog den giftigen Rauch in andere Bereiche des U-Boots. Deshalb starben 14 Besatzungsmitglieder an giftigen Gasen. Update Ende

Ursprünglicher Bericht vom 3.7.: Auf einem russischen U-Boot hat es am Montag gebrannt. Laut russischen Angaben starben dabei 14 Besatzungsmitglieder; sie erstickten anscheinend an den giftigen Gasen, die bei dem Brand entstanden. Das beschädigte U-Boot könnte laut Spiegel Online dazu benutzt werden, um die in den Ozeanen verlegten Internetkabel abzuhören.

Das havarierte U-Boot trägt den Namen Loscharik. Es soll sich dabei um ein U-Boot des Typs AS-12 handeln. Das beschädigte U-Boot soll nun im russischen Militärhafen Seweromorsk nahe der Stadt Murmansk liegen. Wo genau das Unglück passierte, sagen die russischen Behörden nicht.

Für die Datenübertragung zwischen den Kontinenten, also beispielsweise zwischen Amerika und Europa, dienen vor allem auf dem Boden der Weltmeere verlegte Untersee-Glasfaserkabel. Die Datenübertragung via Satellit spielt daneben nur eine untergeordnete Rolle. Auf dieser Karte sehen Sie, wo diese Unterseekabel für die Internetverbindungen verlegt sind und welche Bezeichnungen diese tragen.

Wer so ein Kabel anzapft, könnte die darüber laufenden Daten mitlesen oder manipulieren und damit die Weltwirtschaft gehörig durcheinanderbringen. Deshalb beobachtet die NATO russische U-Boote, die sich in der Nähe dieser Kabel aufhalten, mit Misstrauen. Die Loscharik ist nun ein Spezial-U-Boot, das laut Spiegel Online ein solches Unterseekabel anzapfen könnte.

Denn die Loscharik gehört zum russischen „Direktorat für Tiefseeforschung/Main Directorate Deep Sea Research“ (auch als "Gugi" bezeichnet). Das klingt zwar harmlos wissenschaftlich, tatsächlich soll das aber eine Abteilung des russischen Generalstabs sein. Das U-Boot sei so gebaut, dass es in großer Tiefe Informationen sammeln und dort auch Abhörsensoren aussetzen könne. Für diesen Zweck besitzt es Greifarme. Die Loscharik soll nicht bewaffnet sein und wird von einem kleinen Atomreaktor angetrieben.

Wie tief die "Loscharik" tatsächlich tauchen kann, ist unbekannt. Beobachter vermuten eine maximale Tauchtiefe zwischen 1000 Meter bis 6000 Meter. 25 Mann stark soll die Besatzung des zirka 70 Meter langen U-Bootes sein. Die Loscharik legt weite Strecken im Meer aber nicht aus eigener Kraft zurück, sondern wird dabei von einem größeren Mutter-U-Boot transportiert, das ebenfalls ein Atom-U-Boot ist. Dieser englischsprachige Artikel erklärt die vermutlichen russischen Aktivitäten in Zusammenhang mit Spionage-U-Booten und Internet-Tiefseekabeln genauer. Auf dieser Seite wiederum wird die Loscharik ausführlich vorgestellt , soweit das angesichts der russischen Geheimhaltung möglich ist.

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