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Bosch entwickelt Sensorbox für Flugtaxis

22.05.2019 | 08:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Bosch entwickelt eine Sensorbox für Flugtaxis. Damit sollen sich Luftaxis präzise und sicher steuern lassen. Mit Technik aus der Automobil-Entwicklung.

Flugtaxis statt Dieselmotoren: Bosch entdeckt Flugtaxis als neue Geschäftsfeld. Der Auto-Zulieferer entwickelt eine Sensorbox für Lufttaxis wie den Lilium Jet, den City Airbus oder den Volocopter.

Die Bosch-Sensorbox - ein Universalsteuergerät mit serienerprobten Bosch-Sensoren - soll dafür sorgen, dass Position und Flugzeuglage der Luft- beziehungsweise Flugtaxis jederzeit ermittelt werden können und sie sich präzise und sicher steuern lassen. Dafür sorgen beispielsweise Beschleunigungs- und Drehratensensoren, die die Bewegungen und den Neigungswinkel der Fluggeräte exakt messen. Im Gegensatz zu aktuellen Sensorlösungen in der Luftfahrt, die teilweise mehrere zehn- bis hunderttausend Euro kosten, könne Bosch diese Lösung für einen Bruchteil der Kosten realisieren. Bei der Entwicklung der Sensorbox spare Bosch Geld, weil das Unternehmen serienerprobte Technik aus dem Automobilbau verwenden kann.

Denn in der Sensorbox stecken MEMS-Sensoren (Mikroelektromechanische Systeme). Die ersten MEMS-Sensoren für Fahrzeuge hat Bosch vor über 25 Jahren entwickelt. Dort versorgen sie die Steuergeräte mit Daten, ob das Fahrzeug gerade bremst oder beschleunigt, und wohin es fährt. Die Sensorbox für Flugtaxis von Bosch hat nun Beschleunigungssensoren an Bord, die die Bewegungen des Fluggerätes messen. Eingebaute Drehratensensoren messen den Neigungswinkel des Fluggeräts und Magnetfeldsensoren die Ausrichtung der Himmelsrichtung. Zudem gehören Drucksensoren zum Paket, die über den barometrischen Druck die Höhe des Fluges messen und über den Staudruck die aktuelle Geschwindigkeit ermitteln.

Herkömmliche Luftfahrttechnik sei Bosch zufolge zu teuer, zu groß und zu schwer um in autonomen Flugtaxis eingesetzt zu werden. Die oben erwähnten modernen Sensoren, die auch fürs automatisierte Fahren oder im Schleuderschutzsystem ESP eingesetzt werden, können laut Bosch die Lücke aber schließen. Das Entwickler-Team habe daher dutzende Sensoren in einem Universalsteuergerät für Flugtaxis zusammengeführt. Hersteller von Flugtaxis könnten die Sensorbox von Bosch nach dem Plug&Play-Prinzip einfach in ihre Fluggeräte einbauen.

Warum überhaupt Flugtaxis/Lufttaxis?

Marcus Parentis, Leiter des Technik-Teams bei Bosch, das sich um Steuergeräte der elektrisch betriebenen Kleinflugzeuge kümmert: „Einen zeitlichen Vorteil können Flugtaxis gegenüber heutigen Verkehrsmitteln schon ab zehn Kilometer Reisedistanz bringen, die maximalen Reichweiten liegen bis zu 300 Kilometern“. Je nach Konzept und Anzahl an Passagierplätzen wird der Preis eines Flugtaxis bei etwa 500 000 Euro liegen, wie Bosch vermutet.

Für 2020 ist der Probebetrieb in Städten wie Dubai, Los Angeles, Dallas und Singapur geplant. 2023 könnte dann der kommerzielle Einsatz von Lufttaxis/Flugtaxis beginnen. Während dann wohl zunächst noch Piloten mit an Bord sind, könnten die Kleinflugzeuge ab 2025 vermutlich autonom über den Dächern der Metropolen schweben, gesteuert durch Personal am Boden. Rund 3000 Flugtaxis werden zu diesem Zeitpunkt weltweit im Einsatz sein, wie die Unternehmensberatung Roland Berger vermutet. 2030 steige ihre Zahl auf 12.000, spätestens 2050 sollen knapp 100 000 der fliegenden Taxis unterwegs.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group prognostiziert für 2030 weltweit eine Milliarde Flüge mit den meist unbemannt fliegenden Lufttaxis, wenn sich Sharing-Dienste auf festen Routen auch über den Straßen etablieren.

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