2243546

Berlin-Attentat: Notbremssystem rettete Leben

29.12.2016 | 08:47 Uhr |

Das Notbremssystem des LKWs stoppte vermutlich die Terrorfahrt in Berlin. Und rettete damit Menschenleben.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, verhinderte das Notbremssystem des Scania-LKWs noch mehr Tote. Es führte bei dem LKW anscheinend eine automatische Vollbremsung durch und stoppte den LKW, ohne dass der Attentäter das wollte.

Ähnliche Notbremssysteme gibt es auch für PKWs. Sie erfassen mit Hilfe von Kameras, die hinter der Windschutzscheibe verbaut sind, sowie mit Hilfe von Radarsensoren, die hinter dem Kühlergrill oder hinter dem vorderen Stoßfänger verbaut sind, Hindernisse vor dem Fahrzeuge und warnen den Fahrer. Reagiert dieser nicht, dann leiten diese Systeme eine automatische Vollbremsung ein. In ersten Berichten nach dem Anschlag war noch vermutet worden, dass der Attentäter dieses Notbremssystem abgeschaltet habe. Zudem wurde vermutet, dass der polnische LKW-Fahrer Amri an der Fortsetzung der Terrorfahrt gehindert habe (siehe unten).

Ganz ausschließen lässt sich aber nicht, dass der Attentäter das Notbremssystem AEBS nicht doch ausgeschaltet hat. Das ist nämlich sehr einfach möglich: Per Knopfdruck oder durch einen konsequenten Tritt auf das Gaspedal. Es könnte also auch sein, dass der LKW deshalb nicht mehr weiterfuhr, weil Anis Amri den Motor abgewürgt hat, wie die Süddeutsche berichtet.

Der Attentäter Amri verschickt zudem 20 Minuten vor der Terrorfahrt über den Messenger Telegram eine Nachricht von seinem Handy. Die Polizei versucht derzeit den Empfänger zu ermitteln, wie Spiegel Online meldet. Außerdem postete der aus Tunesien stammende Attentäter noch ein Foto aus der Fahrerkabine des entführten LKWs.

Berlin-Attentat: Online-Petitionen für ermordeten LKW-Fahrer

Eine Online-Petition sammelt Geld für den ermordeten polnischen LKW-Fahrer Lukasz Urban. Urban war der Fahrer das Scania-LKWs, den der Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in die Menschenmenge steuerte.

Mit dem Geld soll der Familie - seiner Frau und seinem 17 Jahre alten Sohn - des Ermordeten geholfen werden. Bis Redaktionsschluss waren 168.810 britische Pfund eingegangen. Urban gehört zu den zwölf Todesopfern des Anschlags.

Zudem fordert eine weitere Online-Petition Lukasz Urban das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Weil der Pole tapfer mit dem bewaffneten Attentäter im Führerhaus gekämpft habe und dadurch verhindert habe, dass Amri noch mehr Menschen überfahren konnte: "Aktuellen Berichten zufolge zeigt die Obduktion, dass er mit dem Täter gerungen hat und von diesem schwer verletzt und schließlich getötet wurde. Mit diesem heldenhaften Handeln hat er vermutlich viele Menschenleben gerettet und ein großes Zeichen gesetzt für die Freundschaft und Aussöhnung zwischen unserem Land und Polen--dem unsere Vorfahren Furchtbares angetan haben. Alle Deutsche, nicht nur die Berliner, haben Grund, seiner zu gedenken, und seinen Hinterbliebenen (seiner Frau und seinem Sohn) zu danken. Für diese Tapferkeit verdient er Deutschlands höchsten Orden." (Zitat Ende)

Berlin-Attentat: Online-Petitionen für ermordeten LKW-Fahrer
Vergrößern Berlin-Attentat: Online-Petitionen für ermordeten LKW-Fahrer

Bei Redaktionsschluss hatten 37.725 Menschen diese Petition unterzeichnet. Die Petition soll Bundespräsident Joachim Gauck überreicht werden.

Neue Erkenntnisse

Mittlerweile gehen die Ermittlungsbehörden aber davon aus, dass Lukasz Urban nicht mehr in der Lage gewesen sei, Anis Amri während dessen Terrorfahrt noch Widerstand zu leisten. Vermutlich hat der Attentäter Amri dem LKW-Fahrer Urban bereits zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr in den Kopf geschossen. Urban könne zwar durchaus noch zum Zeitpunkt des Anschlags gegen 20.00 Uhr gelebt haben, doch er war zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht mehr in der Lage Amri Widerstand zu leisten und ihm beispielsweise ins Lenkrad zu greifen. Stattdessen dürfte das oben erwähnte Notbremssystem schlimmeres verhindert haben.

Italienische Polizisten erschossen Anis Amri am 23.12.2016 in Mailand.




0 Kommentare zu diesem Artikel
2243546