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Beinahe-Kollision: ESA-Satellit weicht Elon Musks Internet-Satellit aus

04.09.2019 | 13:21 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein Satellit der europäischen Raumfahrtagentur ESA musste im Weltall einem Satelliten von Elon Musks Raumffahrtunternehmen SpaceX ausweichen. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden. SpaceX hatte zuvor nicht reagiert.

Ein Erd- und Wetterbeobachtungssatellit der European Space Agency (ESA) musste unerwartet einem erst im Mai 2019 gestarteten Starlink-Satelliten von SpaceX ausweichen, mit dem Elon Musk sein erdumspannendes Satellitennetz für Internetverbindungen aufbauen will. Über das Ausweichmanöver berichtet die auf Weltraumthemen spezialisierte Webseite Space.com.

Das Ausweichmanöver führte der 1,3 Tonnen schwere ESA-Satellit Aeolus (altgriechischer Name des Windgottes) am 2. September 2019 in einer Umlaufbahn 320 Kilometer über der Erde durch. Der Satellit zündete für kurze Zeit seine Düsen, um in eine höhere Erdumlaufbahn aufzusteigen und damit dem Starlink-44-Satelliten auszuweichen. Dabei handelt es sich um einen der ersten 60 Starlink-Satelliten (jeder 227 Kilogramm schwer) von SpaceX, der in einer Umlaufbahn von 320 Kilometern Höhe über der Erde unterwegs ist. Die meisten der übrigen 59 Starlink-Satelliten kreisen zwischen 440 und 550 Kilometer über der Erde. Doch 12.000 weitere Starlink-Satelliten sollen folgen und in erdnahen Umlaufbahnen um die Erde kreisen, um die gesamte Erde mit Internet zu versorgen.

Aeolus wich rund eine halbe Erdumlaufbahn vor dem möglichen Zusammenstoß mit dem Starlink-Satelliten aus. Nur kurze Zeit nach dem errechneten Zeitpunkt für den potenziellen Zusammenstoß schickt Aeolus wieder wissenschaftliche Daten zur Erde. Damit wussten die Wissenschaftler auf der Erde, dass es dem Satelliten gut geht und die Kollision vermieden werden konnte.

Wie die ESA in einem Tweet erklärte, kommt es nur selten vor, dass ein aktiver Satellit einem anderen aktiven Satelliten ausweichen muss. In den meisten Fällen muss die ESA an ihre Satelliten nur dann Ausweichbefehle schicken, wenn diese mit Weltraumschrott zusammenzustoßen drohen.

Die ESA entschloss sich aber dieses Mal zum Eingreifen, weil laut einer Berechnung der US-Luftwaffe das Risiko eines Zusammenstoßes bei immerhin 1:1000 lag. Das ist 10 Mal mehr als der sonst übliche Grenzwert, ab dem die ESA ihre Satelliten aktiv ausweichen lässt. Die ESA nahm nach Erhalt der US-Warnung Kontakt zu SpaceX auf, doch Elon Musks Raumfahrtunternehmen weigerte sich, seinen Starlink-44-Satelliten ausweichen zu lassen, wie Forbes berichtet. Also entschied sich eben die ESA dazu, ihren Satelliten umzulenken.

SpaceX begründete sein Nichtreagieren mit einem internen Kommunikationsfehler in seiner Bodenstation. SpaceX untersucht nun diesen Vorfall und verspricht Maßnahmen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Derartige Ausweichmanöver dürften künftig öfter vorkommen, wenn SpaceX und andere Unternehmen wie Amazon und Oneweb immer mehr Satelliten für ihre ehrgeizigen Projekte ins All schießen. Die ESA entwickelt deshalb Techniken, damit gefährdete Satelliten selbstständig ausweichen können, ohne dass das Bodenkontrollzentrum eingreifen muss.

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