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Kein Ballon-basiertes Internet: Alphabet beendet Loon

22.01.2021 | 10:05 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Alphabet stellt sein ehrgeiziges Projekt Loon ein. Damit wollte die Google-Mutter einen Internetzugang via Ballon ermöglichen.

Alphabet, der Mutterkonzern von Google, stellt sein 2013 gestartetes ambitioniertes Projekt Loon ein. Mit Loon experimentierte Alphabet an einem Ballon-basierten Internetzugang.

Doch die wirtschaftliche Durchführbarkeit habe sich als zu schwierig erwiesen. Deshalb wolle Alphabet in den nächsten Monaten alle Arbeiten an Loon einstellen. Das gilt für allem für die Experimente in Kenia (siehe unten).

Die von der Einstellung betroffenen Mitarbeiter wolle Alphabet so weit wie möglich in anderen Unternehmensbereichen unterbringen.

Alphabet hatte mit seinem ambitionierten Internet-via-Ballon-Projekt Loon erst im Juli 2020 Ernst gemacht: In Kenia hatte der Mutterkonzern von Google seinen erste kommerziellen Internetdienst gestartet, der auf einem Internetzugang basiert, der durch Ballons ermöglicht wird. Das berichtete damals The Verge .

Die insgesamt 35 Ballons von Loon ermöglichen ein 4G/LTE-Mobilfunknetz für die Kunden von Telkom Kenya. Das Netz soll eine Fläche von rund 50.000 Quadratkilometer im Westen und im Zentrum von Kenia abdecken. Auch die Hauptstadt Nairobi wird damit versorgt.

Alphabet hatte mit seinen Internet-Ballons bereits in Einzelfällen eine Internetversorgung ermöglicht. Beispielsweise 2017 in Puerto Rico, nachdem dort ein Hurrikan die Insel schlimm verwüstet und die Kommunikationsnetze zerstört hatte. Oder in Peru nach einem Erdbeben im Jahr 2019. Doch zuvor wurde der Ballon-basierte Internetzugang nie groß angelegt für kommerzielle Zwecke genutzt.

Loon erprobte die in rund 20 Kilometer Höhe schwebenden Ballons schon einige Monate vor der offiziellen Bekanntgabe in Kenia. Bis zur Mitteilung im Juli 2020 sollen rund 35.000 Nutzer mit Internet versorgt worden sein. Im Downlink wurden im Juni 2020 Geschwindigkeiten von bis zu 18,9 Mbit/s erreicht. Im Uplink waren es bis zu 4,74 Mbit/s mit einer Latenz von 19 ms. Über den Ballon-getriebenen Internetzugang funktionieren die bekannten Dienste wie Mail, Voice over IP, Videotelefonie, Webbrowsing, WhatsApp, Youtube etc.

Jeder Ballon bleibt über 100 Tage im Einsatz, bevor er zur Erde zurückgeholt wird. Loon wollte mit seinem Ballon-gestützten Internetzugang eine Ergänzung zu Netzwerken bieten, die auf Satelliten oder Sendemasten basieren.

Es gab damals allerdings auch Kritik an dem Vorgehen von Loon. Das Netzwerk würde teilweise Landesteile abdecken, die ohnehin schon über einen Internetzugang verfügen. Zudem könnten sich viele Kenianer die teuren 4G-Geräte nicht leisten.

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