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BDI: Deutscher Weltraumbahnhof auf der Nordsee

14.07.2020 | 10:05 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Braucht Deutschland einen eigenen Weltraumbahnhof? Auf der Nordsee? Die deutsche Industrie sagt ja, jetzt muss die Politik entscheiden.

Wie die Welt online schreibt, fordert die deutsche Industrie, genauer gesagt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), eine schnelle Entscheidung über einen deutschen Weltraumbahnhof. Dabei denken die Befürworter aber nicht an einen riesigen Komplex, wie in die NASA auf Cape Canaveral in Florida betreibt. Sondern an einen kleinen mobilen Startplatz auf der Nordsee, von dem aus kleine Raketen (Micro-Launcher) starten sollen. Dieser Bahnhof allerdings sollte bald gebaut werden, wenn es nach der Industrie geht. Damit verbunden ist aber die Frage, wer den deutschen Weltraumbahnhof bauen und anschließend betreiben soll.

Der BDI wünscht sich, dass die Entscheidung über den Bau eines deutschen Weltraumbahnhofs noch 2020 fällt. Das sagte der beim BDI für Raumfahrtthemen zuständige Abteilungsleiter Matthias Wachter gegenüber der Welt am Sonntag. Da in den kommenden Jahren der Markt für Satelliten enorm wachsen würde. Geht es nach dem BDI, so sollte bereits in zwei Jahren die erste Rakete von dem deutschen Weltraumbahnhof starten. Der BDI favorisiert eine mobile Offshore-Lösung in der Nordsee, weil für einen Weltraumbahnhof auf dem deutschen Festland die Auflagen viel zu hoch sein würden.

Für die Finanzierung des deutschen Weltraumbahnhofs sieht der BDI die Bundesrepublik Deutschland in der Verantwortung. Da „ein Startplatz für Trägerraketen ein wichtiger Bestandteil einer strategischen Infrastruktur wäre“, wie die Welt Wachter zitiert. Der BDI nimmt hierbei die USA als Vorbild, wo die US-Regierung privaten Unternehmen die Infrastruktur gegen Gebühr zur Verfügung würde. Hier denkt der BDI offensichtlich vor allem an Space X, das in Cape Canaveral NASA-Einrichtungen nutzt.

Das Bundeswirtschaftsministerium will nun aber zunächst von der Industrie wissen, wie deren konkreter Bedarf an Starts mit Micro-Launchern sei. Zudem wolle die Bundesregierung einen Nachweis für die Bereitschaft privater Investoren sehen. „Erst auf der Grundlage von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und konkreten Vorschlägen kann geprüft werden, ob und wie eine Unterstützung möglich ist“, zitiert die Welt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Davon abgesehen gibt es noch einen weiteren Aspekt bei der Entscheidung für oder gegen einen deutschen Weltraumbahn auf einer mobilen Offshore-Basis in der Nordsee zu berücksichtigen: Ob nicht andere europäische Startplätze besser geeignet seien. Denn typischerweise befinden sich Weltraumbahnhöfe eher in Äquatornähe, damit die Raketen mit den auszusetzenden Satelliten schnell die äquatoriale Umlaufbahn erreichen.

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