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Gläserne Autofahrer: EU bekommt Verbrauchsdaten

05.12.2019 | 11:22 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der gläserne Autofahrer rückt näher: Ab 2021 sollen die tatsächlichen Verbrauchswerte der PKWs an die EU-Kommission übermittelt werden. Im Idealfall direkt vom Auto via Drahtlosverbindung an die EU-Kommission. Update: Das sagt Audi.

Update 05.12.: Stellungnahme von Audi

Audi hat auf unsere Anfrage zur Einführung von OBFCM folgendes geantwortet: "Audi führt das On Board Fuel Consumption Monitoring (OBFCM) ab 1.1.2020 für alle neu homologierten Fahrzeugtypen in den Märkten der Europäischen Union ein. Für alle neuzugelassenen Fahrzeuge gilt die Regelung ab 1.1.2021. (Anm. d. Red.: Damit erfüllt Audi lediglich die gesetzlichen Vorgaben).

Das erste Modell mit OBFCM wird im kommenden Jahr der neue A3 sein.

Gemäß der neuen Abgasnorm EU6 AP müssen im Rahmen des OBFCM bestimmte Parameter im laufenden Fahrbetrieb abgespeichert und anschließend ausgelesen werden können. Dazu zählen neben der Fahrgeschwindigkeit und der Laufleistung insbesondere auch der Kraftstoffverbrauch pro Sekunde und Stunde sowie auf die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs. Die Daten werden bei Audi, wie vom Gesetz verlangt, über die Generic-Scan-Tool-Schnittstelle gemäß dem Industriestandard ISO 15031-5, also dem Diagnose Tester bei den Service-Betrieben übertragen." Zitat Ende.

Mit anderen Worten: Auch bei Audi werden die OBFCM-Daten also nicht fortlaufend an die EU-Kommission per Funk übertragen, sondern erst einmal im Fahrzeug gespeichert und dann irgendwann über die OBD-Dose ausgelesen. Update Ende

Für Autofahrer gibt es ab dem Jahr 2021 eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht zuerst: Für die Automobil-Hersteller wird es dann schwieriger bei den Angaben zum Kraftstoffverbrauch zu tricksen. Die schlechte Nachricht lautet: Der Autofahrer wird noch genauer überwacht und ein Stück „gläserner“.

Denn laut Spiegel Online verpflichte die EU-Kommission die Automobilhersteller ab 2021 dazu den tatsächlichen Kraftstoffverbrauch in den Fahrzeugen zu erfassen. Diese Vorgabe gilt für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Die fortlaufend aufgezeichneten Verbrauchsdaten müssen dann an die EU-Kommission übermittelt werden. Die EU-Kommission will damit erreichen, dass die Verbrauchsangaben der Hersteller anders als bisher nicht mehr so stark von der Realität abweichen.

Das On-Board Fuel Consumption Meter, kurz OBFCM, erfasst im Fahrzeug den Kraftstoffverbrauch und auch den Stromverbrauch (bei Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen) fortlaufend. OBFCM ist ab dem 1. Januar 2020 für alle Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit neuer Typengenehmigung vorgeschrieben (diese Technik ist bereits jetzt bei einigen Autos verbaut oder wird demnächst verbaut, nur werden die damit erfassten Verbrauchsdaten allenfalls für Hersteller-interne Zwecke ausgewertet). Eine neue Typengenehmigung braucht jede neue Modell-Generation eines Fahrzeugs. Der Einbau einer neuen Motorvariante erfordert ebenfalls eine neue Typengenehmigung. Bei einem Facelift hängt es davon ab, ob davon der Motor betroffen ist. Nur in diesem Fall ist eine neue Typengenehmigung erforderlich.

Ab 2021 müssen dann alle Fahrzeuge, die zum ersten Mal zugelassen werden, ein OBFCM besitzen. Ebenfalls ab 2021 startet die Übermittlung der Verbrauchsdaten an die Kommission.

Noch nicht geregelt ist allerdings die Art der Datenübermittlung. Denkbar sind unterschiedliche Szenarien. Beispielsweise könnten bei der alle zwei Jahre vorgeschriebenen TÜV-Untersuchung die OBFCM ausgelesen und dann an die Kommission übermittelt werden. Nachteil: Die Kommission bekäme erst relativ spät Daten, da die erste Hauptuntersuchung eines Neuwagens in Deutschland beispielsweise erst nach drei Jahren fällig ist.

Eine andere Möglichkeit wären Stichproben im Straßenverkehr oder die Daten von Fahrzeugflotten, beispielsweise von Autovermietungen. Derartige Daten gelten aber als wenig aussagekräftig.

Der zuverlässigste und schnellste Weg wäre deshalb die automatisierte Übertragung direkt vom Auto an die Server der EU-Kommission, also vermutlich über die Verbindung der im Auto verbauten SIM-Karte. Damit würde das Fahrverhalten des Fahrers aber durchgehend überwacht.

Wie detailliert die EU-Kommission die Daten dann ab 2021 auswertet und veröffentlicht, ist ebenfalls noch ungeklärt.

Volkswagen und Daimler haben gegenüber der PC-WELT erklärt, dass der Gesetzgeber derzeit die Übertragung der OBFCM-Daten ausschließlich über den OBD-Anschluss vorsieht. Ein anderer Übertragungsweg, beispielsweise über die eSIM im Fahrzeug, ist derzeit vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Technisch umsetzbar wäre eine Übertragung via SIM-Karte aber durchaus. Denn die dafür erforderliche Technik wird mittlerweile in den meisten modernen Fahrzeugen verbaut.

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